6. März 2005 · Quelle: MAZ

Absolute Ausnahme”

(MAZ, 5.3.) SCHULZENDORF “Gegen Ras­sis­mus bin ich auf jeden Fall. Aber ob ich stumpf
oder schlau bin, das müsst ihr schon raus­find­en”. Schnell kam Bela B
Felsen­heimer gestern mit rund 40 jun­gen Leuten im “Butze”-Klub ins Gespräch.
Anlass war die Ver­lei­hung des Titels “Schule ohne Ras­sis­mus — Schule mit
Courage” im Rah­men der namensgeben­den, bun­desweit­en Aktion an die
Gesamtschule Schulzen­dorf. Deren promi­nen­ter Pate ist der Schlagzeuger der
Band “Die Ärzte”.

Eine “absolute Aus­nahme” nan­nte Man­ag­er Axel Schulz diese Paten­schaft. Aber
nach den jüng­sten, erschreck­enden Wahler­fol­gen rechter Parteien in
Ost­deutsch­land wolle sich Bela B sein­er Ver­ant­wor­tung nicht entziehen. Der
braune Boden­satz sterbe langsam ab, sagte der in Ham­burg lebende Kün­stler
(40) über die Alt­nazis, “aber DVU und NPD fan­gen an, bei der Jugend zu
grasen. Dage­gen möchte ich ein Zeichen set­zen. ”

Wie das mit den Recht­en gewe­sen sei, “als Du so 15, 17 Jahre alt warst?”
wollte Patrick Fröming wis­sen. Wenn einem fünf Bomber­jack­en ent­ge­gen kamen,
sei man auf die andere Straßen­seite gewechs elt. “Das”, sagte Bela B, “war
dama ls so wie heute”.

Klar Posi­tion gegen Rechts beziehen die “Ärzte” seit ihrer Wiedervere­ini­gung
(1993). “Musik ist sehr wichtig”, so Bela B: “Ab ein­er bes­timmten
Wichtigkeit ist man schon gezwun­gen, sich zu äußern.” Am deut­lich­sten in dem
Lied “Schrei nach Liebe”, das sich gegen Neon­azis mit Springer­stiefeln
richtet. “Auf euren Konz­ertkarten ste­ht immer, Nazis ver­boten. Lasst ihr
Glatzen draußen?” fragte Christin Müller. Es sei gefährlich, Leute nur auf
ihr Äußeres zu reduzieren, so Bela B. Sich­er seien auch Skin­heads im
Pub­likum. “Aber wir acht­en darauf, dass sie keine ein­deuti­gen Aufnäher
tra­gen.” Im Inter­net habe er die Diskus­sion über die mit­tler­weile ver­botene
Marke “Thor Steinar” ver­fol­gt, erzählte Bela B. Für ihn der Ver­such, “über
hippe Klam­ot­ten Jugendliche für die rechte Szene zu rekru­tieren.”

Ob er glaube, meldete sich Christin Müller erneut zu Wort, dass die braune
Zeit wiederkomme? “Vor einem neuen Hitler müssen wir keine Angst haben”,
meinte Bela B — und mah­nte die in dem aktuellen “Ärzte”-Song “Deine Schuld”
beschworene Zivil­courage an. Beispiel­weise könne man schon mal den Mund
auf­machen, wenn man her­aus­finde, dass der Händler an der Ecke in seinem
“Kiosk die Nation­al-Zeitung verkauft”.

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