8. Oktober 2004 · Quelle: MAZ

Achtung: “Spielender Kinder”

(MAZ, 6.10., Simone Duve) WIEPERSDORF Fre­itag und Sonnabend ist für die Jugendlichen im Großraum Wiepers­dorf klar:
Ab 19 Uhr ist Tre­ff im Jugend­klub. Dann braucht ein Orts­fremder nur einem
Auto mit der Auf­schrift “Böhse Onkelz” hin­ter­her zu fahren und kommt ohne
Suchen an den Ort des Geschehens.

“Wir sind ein selb­stver­wal­teter Klub ohne ständi­gen Betreuer.
Jugend­ko­or­di­na­tor Man­fred Thi­er braucht nur ein- bis zweimal im Monat
vor­beikom­men”, sagt Sebas­t­ian Diet­rich. “1997 haben wir den Klub wieder
eröffnet. Vorher war er wegen recht­sradikaler Schmier­ereien und Ran­dale
geschlossen wor­den”, erzählt Matthias Schulze. “Die Gemeinde hat uns den
Klub zur Ver­fü­gung gestellt. Früher waren hier ein Kinder­garten und ein
Frisör drin”, ergänzt Adri­an Lehmann. Und Sebas­t­ian Diet­rich berichtet:
“Manch­mal machen wir The­menabende mit Musik oder Videoabende.” Mar­tin
Schall­ham­mer erzählt, vom Lachen der anderen begleit­et, auch von
Spieleaben­den: “Ohne Scheiß jet­zt: Wir machen auch mal Brett- und andere
Gesellschaft­spiele” — vielle­icht klingt das den anderen nur nicht cool
genug.

Doch auch son­st ist eine Menge los. “Hier wird ziem­lich viel unter­nom­men.
Einige gehen regelmäßig zu Konz­erten. Ein­mal im Jahr zel­ten wir am Kossin­er
See. Und es gibt viele Inter­es­sen­grup­pen, zum Beispiel einen Skaterk­lub und
natür­lich einen Fan­klub der Böh­sen Onkelz”, erzählt Mar­tin Schall­ham­mer.

“Alle Onkelz­fans fahren natür­lich im näch­sten Jahr zum Abschied­skonz­ert der
Band auf dem Lausitzring. Die Karten sind schon ausverkauft”, weiß Roman
Zapf.

“Musik ist für uns über­wichtig. Ohne sie wäre es lang­weilig”, meint
Sebas­t­ian Diet­rich. “Him­melfahrt machen wir Dorf­beschal­lung und viele kom­men
her”, sagt Matthias Schulze und fügt hinzu: “Und nach jed­er Fete wird hier
gewis­cht, gefegt und geputzt.”

Alle sind sich einig: “Wir kom­men pri­ma mit unserem Orts­bürg­er­meis­ter
Ger­hard Kast­ner aus. Er set­zt sich super für unseren Klub ein und bezieht
uns auch beim Dorffest ein. Dort haben wir Musik gemacht und die
Kegel­sta­tion betreut. Herr Kast­ner hat uns sog­ar einen Teil der Musikan­lage
zur Ver­fü­gung gestellt.”

Wie zum Beweis schaut in diesem Moment der Orts­bürg­er­meis­ter auf ein
Bierchen vor­bei: “Ich bin zufrieden. Wenn sie keinen Blödsinn machen, kann
es so weit­erge­hen.” Die Jugendlichen sind der Gemeinde für die Unter­stützung
dankbar: “Wir sind selb­st in der Lage Stre­it­igkeit­en zu schlicht­en und
aufzu­passen, dass nichts passiert.” “Ich kann bestäti­gen, dass sie alles im
Griff haben”, sagt Ger­hard Kast­ner.

Neben einem Pri­vatkonz­ert ihrer Lieblings­band wün­schen sich die vor­rangig
männlichen Besuch­er auch mehr Weib­lichkeit im Klub. “Vielle­icht sind die
Mäd­chen ja falsch informiert und denken, dass wir hier nur saufen”, sagen
sie. “Dabei sind wir nur die ganz nor­male Dor­fju­gend. Jed­er Einzelne hat
etwas drauf und bringt ein Stück Leben in den Klub.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot