12. März 2017 · Quelle: linksunten.indymedia.org

Adbustings zu sexistischer Werbung in der Frauenwoche

Wer heute durch Pots­dam geht, wird sie unschw­er überse­hen: Über Nacht haben sich einige Wer­betafeln verän­dert. Statt wie immer die übliche sex­is­tis­che Wer­bung unkom­men­tiert zu zeigen, ist diese nun mit ergänzen­den Überkle­bern verse­hen. „Wir hat­ten echt kein Bock mehr, uns den ganzen sex­is­tis­chen Kackscheiß jeden Tag aufs Neue anzu­tun!“ sagte Erna, die Initiator*in der Aktion Selb­st­bes­timmte Wer­be­vit­ri­nen für Emanzi­pa­tion und Herrschafts­frei­heit (SWfEuH)“ und sel­ber Wer­be­vit­rine, die oft unter sex­is­tis­ch­er Wer­bung lei­den muss.

Beitrag der Wer­bung zur Pots­damer Frauen­woche

Anlässlich des Frauenkampf­tages am 8. März ist in der bran­den­bur­gis­chen Lan­deshaupt­stadt Pots­dam Frauen­woche. Unter dem Mot­to „Frauen Macht faire Chan­cen“ wird mit vie­len Ver­anstal­tun­gen auf die lei­der weit­er beste­hen­den Diskri­m­inierun­gen von allem, was nicht männlich, weiß und het­ero­sex­uell ist, hingewiesen. Ein beson­deres High­light ist dabei die Ausstel­lung „Wer braucht Fem­i­nis­mus?“ im Rathaus. Die Ange­bote scheinen der­art überzeu­gend zu sein, dass sich in der Nacht vom 11. auf den 12.3.2017 einige Wer­betafeln in der Pots­damer Innen­stadt der fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung anschlossen und mit­tels Überkle­ber auf sex­is­tis­che Wer­bung aufmerk­sam macht­en.

Rathaus

Mit dabei sind zwei Wer­betafeln am Rathaus. Auf ein­er Wer­bung für Par­füm fragt der abge­bildete Frauenkopf nun: „Warum sind Frauenkör­p­er nur Eye­catch­er?“ Gegenüber zeigte eine Wer­betafel ursprünglich Wer­bung für ein Einkauf­szen­trum und bildete dabei eine weiße Klis­chee-Kle­in­fam­i­lie ab. Die Wer­betafel schloss sich dem Protest an und ergänzte sich dazu um einen Überkle­ber. Statt „Gen­er­a­tion Stern-Cen­ter“ lautet der Slo­gan nun „Gen­er­a­tion Patri­ar­chat“ und „Unsere Wer­bung: Sex­is­tisch“.

Platz der Ein­heit

Auch am Platz der Ein­heit drei Wer­be­vit­ri­nen offen­sichtlich unzufrieden mit den Wer­bekam­pag­nen ihrer Mieter*innen. Die Wer­bung für das Einkauf­szen­trum änderte sich auf „Gen­er­a­tion Sex­is­mus“   und wahlweise „Unsere Mode: Rock und Hose“ oder „Boys in blue. Girls in pink“. Eine weit­ere Vari­ante ergänzte sich um eine Sprech­blase. Eine der weib­lich gele­se­nen Per­so­n­en kom­men­tiert das Plakat nun mit den Worten: „Gut, dass ich diese Show nur für‘s Bild ertra­gen muss…“.

Bil­dungs­fo­rum

Am Bil­dungs­fo­rum verän­derte sich u.a. eine Wer­bung für Zigaret­ten. In der ursprünglichen Ver­sion zeigt das Plakat eine männlich gele­sene Per­son, die in mack­riger Pose neben einem Motor­rad sitzt. Die Schrift lautete „1 Bike. 3 Stun­den Tun­ing. 5 Minuten Frei­heit“. Nun ste­ht dort: „1 Bike. 3 Stun­den Tun­ing. Alle Klis­chees bedi­ent“ und „Geschlechter-Stereo­type über­winden!“ Die bere­its oben beschriebe Par­fümwer­bung ergänzte sich über Nacht um die die Abbil­dung kom­men­tierende Frage: „(Warum) haben Frauen keine Achsel­haare?“ Die Wer­bung für eine Internet-Partner*innenvermittlung hat­te auch keine Lust mehr auf die Repro­duk­tion sex­is­tis­ch­er Wahrnehmungsmuster. Dem Kom­men­tar „Ein Auss­chnitt sex­is­tis­ch­er Kackscheiße“ ist wohl nichts hinzu zu fügen.

Nach­trag: Blöde Geschichte am Schloss/Landtag

Viel Glück hat­te die Aktion Selb­st­bes­timmte Wer­be­vit­ri­nen für Emanzi­pa­tion und Herrschafts­frei­heit (SWfEuH) am als Bran­den­bur­gis­ch­er Land­tag genutzten Pots­damer Stadtschloss. Hier fiel der Aktion­s­gruppe ein vom Platz der Ein­heit zunächst mit Blaulicht her­an­rasender Streifen­wa­gen auf. Beim Ein­fahren auf die Straßen­bahn­spur schal­teten die Beamt*innen das Blaulicht ab. Das Muster der soge­nan­nten Stillen Fah­n­dung erken­nend, set­zen sich die heim­lichen Werbevitrinen-Veränderer*innen unauf­fäl­lig ab.

Unbeteiligte von Polizei behel­ligt

Weniger Glück hat­ten Passant*innen, die neugierig vor den Wer­be­vit­rine ste­hen blieben. Als der Streifen­wa­gen die Per­so­n­en erre­ichte, ver­sucht­en die Beamt*innen ver­mut­lich, sich diese vorzuknöpfen. Das führte dazu, dass die Per­so­n­en ver­sucht­en, wegzuren­nen (wir wollen gar nicht darüber spekulieren, wieso, es gibt genug gute Gründe, warum man in ein­er Sam­stag Nacht keine Lust auf Polizei haben kön­nte, und eine Menge davon sind erst mal sym­pa­thisch…). Lei­der scheint die Streifen­wa­genbe­satzung min­destens eine Per­son gestellt zu haben.

Bitte um Ver­ständ­nis

Wir haben das Geschehen nicht weit­er ver­fol­gt und die Gun­st der Stunde genutzt, dass die Cops mit irgendwelchen Leute beschäftigt sind, um ein paar Meter zwis­chen uns und das Geschehen zu brin­gen. Wir möcht­en dafür auf diesem Wege für Ver­ständ­nis bit­ten. Falls irgendwelche Leute da draußen jet­zt Stress wegen uns haben soll­ten, meldet euch bitte bei unser­er Mailadresse (swfeuh@riseup.net). Wenn ihr nicht ger­ade Nazis seid, und sie euch jet­zt nicht aus­gerech­net wegen Nazikram Ärg­er machen, bemühen wir uns, bei dem Tra­gen der Fol­gen einen Beitrag zu leis­ten.

Aktion Selb­st­bes­timmte Wer­be­vit­ri­nen für Emanzi­pa­tion und Herrschafts­frei­heit (SWfEuH)

Bilder zu der Aktion gibt es hier.

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