10. März 2017 · Quelle: Sören Kohlhuber

Braunzonenkonzert in links-besetztem Haus?

Am 11.03.2017 sollen drei Bands mit zweifelhaften Hintergrund in dem besetzten Haus „Trebbe 12“ in Luckenwalde (Brandenburg) auftreten. Sie stammen aus Magdeburg, Bremerhaven, Wismar und spielten auch schon in dem besetzten Haus. Beworben wird das Konzert unter anderem vom ungarischen Ableger des neonazistischen Musiknetzwerks „Blood & Honour“.

Am 11.03.2017 sollen drei Bands mit zweifel­haften Hin­ter­grund in dem beset­zten Haus „Trebbe 12“ in Luck­en­walde (Bran­den­burg) auftreten. Sie stam­men aus Magde­burg, Bre­mer­haven, Wis­mar und spiel­ten auch schon in dem beset­zten Haus. Bewor­ben wird das Konz­ert unter anderem vom ungarischen Ableger des neon­azis­tis­chen Musiknet­zw­erks „Blood & Hon­our“.

Die Trebbe 12

Ver­anstal­tungs­fly­er für Oi-Konz­ert in der Trebbe 12

Die „Trebbe 12“, in der Treb­bin­er Straße in Luck­en­walde, wurde im Jahr 2000 von Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen beset­zt. Die Nutzer­schaft der „Trebbe 12“ rühmt sich damit, dass man weit­er­hin keinen Ver­trag und somit noch einen Beset­zer­sta­tus habe. Neben einem Konz­er­traum und ein­er Kneipe hat das Objekt Wohn­räume für bis zu 20 Men­schen.
Inzwis­chen scheint man sich vom ursprünglich linken Anspruch des alter­na­tiv­en Lebens und des Freiraums „emanzi­pa­torischen Aus­tausches“, wie es auf der Web­seite heißt, dis­tanziert zu haben. Bei ver­gan­genen Konz­erten gab man Flug­blät­ter als Werbe­mit­tel her­aus, auf denen vor poli­tis­ch­er Unko­r­rek­theit gewarnt wurde. Gle­ichzeit­ig nutzte man das antifaschis­tis­che Sym­bol, bei dem ein Hak­enkreuz in einen Mülleimer entsorgt wird, und erweit­erte es um das kom­mu­nis­tis­che Sym­bol dem Ham­mer und der Sichel. Sie beziehen dabei Posi­tion gegen sog. „Extrem­is­mus“, bzw. sehen sich als ein Raum, der frei von Poli­tik sein soll.
Eben­falls teilt der Face­book-Account der „Trebbe 12“ Inhalte von recht­en und ver­schwörungs­the­o­retis­chen Face­book-Seit­en, wie „KenFM“, „Der Wächter“, „Freie Medi­en“ oder Texte, die sich gegen sog. „Links­faschis­ten“ richt­en.

Die Bands

Rechte Inhalte auf dem öffentlich ein­se­hbaren Account der Trebbe 12

Alle drei Bands, „Rien ne va plus“ aus Magde­burg, „Loi!chtfeuer“ aus Bre­mer­haven und „4. Divi­sion Ost­front“ aus Wis­mar, sehen sich als „unpoli­tis­che“ Inter­pre­ten der Skin­head­szene und spie­len eine harte Musikrich­tung mit dem Namen „Oi!“. Doch die Texte, die Hin­ter­gründe und Kon­tak­te solch­er Bands sind oft alles andere als unpoli­tisch, weshalb Kri­tik­er hier häu­fig eine „Grau­zone“ aus­machen. Es han­delt sich dabei nicht um Neon­azis, aber Bands und/oder Musik­er bewe­gen sich in ein­deuti­gen Milieus, sowie im sog. „alter­na­tiv­en Raum“.
Die Wis­mar­er von „4. Divi­sion Ost­front“ als Beispiel besin­gen die Tötung von Antifaschis­ten im Lied „Antifa“. Dort heißt es u.a. „Ein Baum, ein Strick, ein Antifa­genick“. Auf der sel­ben Veröf­fentlichung befind­et sich auch das Lied „FC Anker Wis­mar“ über den lokalen Fußbal­lvere­in. Dessen Fan­szene verbindet eine enge Fre­und­schaft zu Dynamo Schw­erin, bei denen Fans sich im recht­en Hooli­ganspek­trum von HoGeSa-Nach­folgestruk­turen engagierten. Eben­falls ist man mit Dynamo Wis­mar befre­un­det. Dort ist ein­er der Spon­soren der NPD-Aktivist Stef­fen Mei­necke, welch­er zum Umfeld des „Thing­haus“ in Greves­mühlen gehören soll.
Die Band hat­te sich 2011 aufgelöst, ihr Sänger „Pöh­nisch“ half damals u.a. bei der RAC-Band „Ultio Reg­ni“ aus – bei­de Bands ver­band offen­bar eine Fre­und­schaft. „Ultio Reg­ni“ spielte Konz­erte in neon­azis­tis­chen Räum­lichkeit­en, wie dem „Thing­haus“ in Greves­mühlen. RAC ste­ht für „Rock Against Com­mu­nism“ und stammt als Label von Blood & Hon­our, welche unter diesem Mot­to in den 1980er Jahren Konz­erte in Großbri­tan­nien organ­isierten.

Die Gruppe „Rien ne va plus“ aus Magde­burg hat da noch nähere Kon­tak­te. Ihre CDs find­et man in ein­schlägi­gen neon­azis­tis­chen Ver­sän­den, wie „Opos Records“. Ange­boten wird deren Musik unter anderem mit dem Begriff „RAC“. Die Labels auf denen „Rien ne va plus“ die Musik ver­legten, nen­nen sich „Feind­kon­takt Records“ oder „Aggres­sive Zone Records.“ Eine CD trägt den Titel „Schützt die Heimat vor frem­den Fah­nen“. Bei ihrem aktuellen Label „Aggres­sive Zone“ find­en sich im Fan­shop Klei­dungsstücke, die in der recht­en Szene beliebt sind, sowie ver­schiedene Ton­träger von Neonazibands.Darunter CDs der 1981 gegrün­de­ten Recht­sr­ck-Band End­stufe, welche mit den bei „Aggres­sive Zone“ gelis­teten Bands „Last Resort“ gemein­sam CDs pro­duzierten. Weit­ere CDs, die ange­boten wer­den, kom­men von mit­tler­weile aufgelösten Recht­srock- und Nazipunkbands wie „Ulti­ma Thule“ oder „Migdards Sön­er“.
Bere­its in der Ver­gan­gen­heit trat­en „Rien ne va plus“ mit Bands aus dem Bere­ich Grau­zone bis Braun­zone auf.


„Polit­i­cal­ly Incor­rect. Keine PC Fotzen. Keine Extreme. Keine Jihadis­ten“

Bei der drit­ten Band, „Loi!chtfeuer“ aus Bre­mer­haven wird es sog­ar noch deut­lich­er. Deren Sänger, Michael Schäfer, war NPD-Funk­tionär in Bre­mer­haven, sein Mit­musik­er Lasse Krüger Aktivist der NPD-Jugen­dor­gan­i­sa­tion „Junge Nation­aldemokrat­en“ (JN). Bei­de behaupten von sich, inzwis­chen aus der recht­en Szene aus­gestiegen zu sein. Michael Schäfer vol­l­zog Mitte der 2000er Jahre schon ein­mal einen solchen „Ausstieg“ und lan­dete am Ende auf dem Posten des stel­lvertrete­nen Lan­desvor­sitzen­den der NPD. Lasse Krüger soll u.a. die NPD-Jugend in Lüneb­urg geleit­et und bis Ende 2014 auf der Bühne der HoGeSa (Hooli­gans gegen Salafisten)-Demonstration in Han­nover – als Red­ner und Mitor­gan­isator ges­tanden haben.
Es ist also kein Wun­der, wenn „Lo1chtfeuer“ ankündi­gen, dass bei diesem Konz­ert „Keine PC Fotzen. Keine Extreme. Keine Jihadis­ten“ erwün­scht seien. Der neon­azis­tis­che HoGeSa-Kon­text set­zt sich trotz des ver­meintlichen Ausstieges fort.

Blood & Hon­our

Das rechte Musiknet­zw­erk „Blood & Hon­our“ ent­stand 1987 in Großbri­tan­nien und sollte der sub­kul­tureller Vor­bau der mil­i­tan­ten Neon­aziszene darstellen. Ini­tia­tor war der Skrew­driv­er-Sänger Ian Stu­art Don­alds­son. Mit­glieder der Band wur­den am Rande von ras­sis­tis­chen Auss­chre­itun­gen in Cot­tbus Anfang der 1990er Jahre festgenom­men. Don­alds­son starb 1993 in Folge eines Verkehrsun­falls. An seinem Todestag find­en in Europa immer wieder Gedenkkonz­erte statt.
Das Net­zw­erk besitzt einen paramil­itärischen Ter­ro­rarm mit dem Namen „Com­bat 18“, wobei die 18 für den ersten und acht­en Buch­staben des Alpha­bets ste­ht. Der Name lautet über­set­zt also „Schlacht Adolf Hitler“. Im Jahr 2000 erfol­gte das Ver­bot des „Blood & Hon­our“ Net­zw­erkes in Deutsch­land, inzwis­chen fungieren sie mit dem Zahlen­code „28“. Aktivis­ten der „Blood & Hon­our“ Sach­sen sollen wichtige Unter­stützer der NSU-Ter­ror­is­ten gewe­sen sein. Ähn­lich wie der NSU, entwick­elte sich auch in Dort­mund eine bewaffnete Zelle des „Com­bat 18“-Netzwerkes, ver­sorgte sich mit Waf­fen und die lokale Band „Oidox­ie“ gehört eben­falls diesem Net­zw­erk an.
Auch in Bran­den­burg war „Blood & Hon­our“ bis zum Ver­bot aktiv. So pro­duzierte man unter anderem einen Sam­pler der „Blood & Hon­our Bran­den­burg“, auf dem ver­schiedene bekan­nte Neon­az­ibands aus Berlin und Bran­den­burg ver­sam­melt wur­den. Nach dem Ver­bot wich die Postadresse von Berlin nach Lehnin aus. Der NPD-Aktivist Ste­fan Rietz aus Lehnin saß 2008 vor Gericht, da er und andere Neon­azis das ver­botene Net­zw­erk weit­erge­führt und Konz­erte organ­isiert haben sollen. Ein Bran­den­burg­er der eben­falls die ver­botene Struk­tur weit­er­führte, wurde Später V‑Mann des Bran­den­burg­er Ver­fas­sungss­chutzes. Auch Toni Stadler, V‑Mann des Bran­den­burg­er Ver­fas­sungss­chutzes und aktiv im Umfeld des NSU, soll aus dem „Blood & Honour“-Netzwerk stam­men, auch wenn „nie­mand per­sön­lich ken­nen“ möchte.
Viel an Wer­bung läuft über die Seite der ungarischen „Blood & Hon­our“ Sek­tion. In der Über­sicht aus dem Okto­ber für „NS & Oi Konz­erte“ find­et man den Fly­er für das Konz­ert der Trebbe. Ein Screen­shot der Seite ist hier hin­ter­legt: LINK

Bran­den­burg-Ungarn-Con­nec­tion

Bran­den­burg­er Neon­azis in Budapest bei Blood & Hon­our-Marsch. Vorder­grund Robert Wolin­s­ki, rechter Rand Maik Schnei­der © Infori­ot

Auch zum ungarischen Ableger des Musiknet­zw­erkes gibt es direk­te Verbindun­gen nach Bran­den­burg. Rund um den 11. Feb­ru­ar ver­anstal­tet das Net­zw­erk jährlich in Budapest einen „Marsch der Ehre“ und simuliert dabei den Aus­bruchsver­such der Achsen­mächte aus dem sow­jetis­chen Kessel. 2014 nahm auch eine NPD-Del­e­ga­tion am Aufzug teil. Unter ihnen befand sich der Vel­tener Robert Wolin­s­ki. Er ist neben der Parteiar­beit auch im Recht­srock­geschäft umtriebig. Vor Jahren ver­trieb er Musik im inzwis­chen gelöscht­en neon­azis­tis­chen „Thi­azi-Forum“, was zu Ermit­tlun­gen und Haus­durch­suchun­gen bei ihm führte. Auch soll er am Ver­trieb ein­er CD der Berlin­er Neon­az­iband „Deutsch, Stolz, Treue“ beteiligt gewe­sen sein. Inzwis­chen organ­isiert er sel­ber Konz­erte, vor­wiegend in Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Doch auch inter­na­tion­al hat er Kon­tak­te zu Neon­azis hergestellt. Nicht nur nach Ungarn, son­dern auch nach Ital­ien und Skan­di­navien – eben­falls Län­der mit starken „Blood & Honour“-Strukturen.
Ein ander­er Bran­den­burg­er, der damals teil­nahm wurde vor einem Monat vom Landgericht Pots­dam zu ein­er fast zehn­jähri­gen Haft­strafe verurteilt. Maik Schnei­der lief direkt hin­ter Robert Wolin­s­ki, inzwis­chen hat man sich wohl eher ent­fremdet. Während Wolin­s­ki und seine NPD mit den Abendspaziergän­gen in Ober­hav­el ver­suchte auf Bürg­er­lichkeit zu set­zen, ging Maik Schnei­der den Weg des Recht­ster­ror­is­mus. Er soll Rädels­führer eines Net­zw­erkes gewe­sen sein, welch­es mehrere Anschläge in Nauen an öffentlichen Plätzen, dem Linksparteibüro und ein­er poten­tiellen Asy­lun­terkun­ft verübt hat. Gegen das Urteil haben Schnei­der und ein­er sein­er Mitangeklagten Revi­sion ein­gelegt, welch­es nun vom Bun­des­gericht­shof geprüft wird.

Wieso das ungarischen Neon­azinet­zw­erk aus­gerech­net darauf kommt diese Ver­anstal­tung zu bewer­ben ist nicht bekan­nt. Aber die Verbindun­gen Bran­den­burg­er Neon­azis ins Net­zw­erk und die Auswahl der Bands kön­nte hier­für dur­chaus eine Rolle gespielt haben. Laut den Ver­anstal­tern ist das Konz­ert bere­its ausverkauft.

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