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Antifaschismus

Mehr als 1000 Menschen demonstrieren gegen Rechts und für mehr Solidarität

Auf Pots­dams Straßen spiegelte sich heute wider, was ganz Europa bewegt. Unter dem Mot­to “Wer schweigt, stimmt zu. Gegen Recht­sruck und für eine sol­i­darische Gesellschaft” zog ein bunter Zug antifaschis­tis­ch­er Kräfte vom Babels­berg­er Luther­platz durch Zen­trum Ost bis zum Platz der Ein­heit in der Pots­damer Innen­stadt. Bei den bevorste­hen­den Land­tagswahlen geht es ums Ganze. Am Platz der Ein­heit grüßte die Ver­samm­lung die Coal and Boat Demon­stra­tion, welche für den Kohleausstieg in Bran­den­burg unter­wegs war. Viele Straßen Pots­dams waren durch bei­de Ver­anstal­tun­gen für cir­ca vier Stun­den lahm gelegt. Und bei­de The­men hän­gen zusammen.
Die AfD und andere recht­sna­tion­al­is­tis­che Kräfte leug­nen die Schuld der Indus­trielän­der an der Kli­maverän­derung. Sie het­zen gegen diejeni­gen, die den glob­alen Nor­den in der Ver­ant­wor­tung sehen: Denn wo es keine Mitschuld gibt, gäbe es schließlich auch keine Pflicht, Men­schen in Europa aufzunehmen, die wegen kli­ma­tis­chen Bedin­gun­gen sowie daraus resul­tieren­den poli­tis­chen Bedro­hungsla­gen flücht­en müssen. “Ich finde
es toll, dass in Pots­dam heute bei­de Bewe­gun­gen auf die Straße gehen und so deut­lich wird, dass wir in Bran­den­burg nicht nur Nazis haben, son­dern auch viele Men­schen, die sich für Klim­agerechtigkeit und Men­schen­rechte ein­set­zen!” sagte eine Teilnehmerin.
Grüße wur­den auch aus Bran­den­burg an der Hav­el ver­lesen: Zur sel­ben Zeit ver­anstal­tete die AfD dort ein soge­nan­ntes” Bürg­er­fest”. Kalb­itz und Gauland brin­gen dort ihre manip­u­la­tive Het­zte mit­samt Bratwürstchen unter die Leute. In Rufweite hat sich bunter Gegen­protest auf dem Kathari­nenkirch­platz zusam­menge­fun­den: Bürger*innen, Parteien, Jugend- und Geflüchtetenor­gan­i­sa­tio­nen stell­ten sich hier den ganzen Tag gegen nation­al­istsche Pro­pa­gan­da und organ­isierten ein lebendi­ges Fam­i­lien­fest mit live-Musik. Nach dis­em Tag ist eines gewiss: Wahler­folge hin oder her, Bran­den­burg ist stärk­er als der rechte Irrsinn.

Wir haben nichts zu ver­lieren. Wir haben eine Welt zu gewinnen!

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Klima & Umwelt Parlamentarismus

Solidarität mit #Lausitz23 — lieber Haft als Kohlekraft

Am heuti­gen Mor­gen, des 20.Februar 2019, haben wir in Form ein­er Kle­in­grup­pen-Aktion einen Bag­ger im Mit­teldeutschen Braunkohle Revi­er beset­zt. Mit unser­er direk­ten Aktion möcht­en wir nicht nur Kohle-Infra­struk­tur block­ieren, wir zeigen uns vor allem sol­i­darisch mit den immer noch 3 inhaftierten Aktivisti der #Lausitz23 und Eule. Es ist uns wichtig klar zu zeigen, dass wed­er ansteigende Repres­sio­nen, noch eine ver­schobene öffentliche Debat­te unseren Kampf für Klim­agerechtigkeit eindäm­men kön­nen. Repres­sion schwächt uns nicht. Im Gegen­teil sie deckt die Absur­dität von Straflogik auf und bestätigt uns in unserem Handeln.

Die Sym­bo­l­ik unser­er Aktion soll auch den Umgang mit Repres­sio­nen nicht außen vor lassen. Als Men­schen, die wir ver­suchen unsere Priv­i­legien zu reflek­tieren, sehen wir Iden­titätsver­weigerung nicht nur als Schutz unser­er eige­nen Per­son und zur Wahrung unser­er Anonymität an. Sie ist ein poli­tis­ch­er Akt, mit welchem wir uns sol­i­darisch gegenüber allen Men­schen zeigen wollen, welche nicht das Priv­i­leg besitzen sich ausweisen zu kön­nen bzw. Doku­mente besitzen, welche es ihnen ermöglichen sich frei zu bewe­gen. Im Kampf für eine Welt ohne Nation­al­staat­en und Gren­zen, lehnen wir dieses Priv­i­leg mit allen Mit­teln ab. Sol­i­dar­ität ist eine Waffe und wir soll­ten alle reflek­tieren wie wir sie nutzen!

Vor dem Hin­ter­grund der Repres­sio­nen gegen die Aktivisti der #Lausitz23 und Eule machen wir uns nicht nur zu unver­hält­nis­mäßi­gen Maß­nah­men Gedanken. Wir wün­schen uns, dass eine generelle Kri­tik an Logik und Vol­lzug von Haf­tanstal­ten im Grun­dansatz the­ma­tisiert wird. Diese zu hin­ter­fra­gen sollte auch Teil der öffentlichen Debat­te wer­den. Unser­er Auf­fas­sung nach sind nicht über­zo­gene Maß­nah­men gegen Kli­ma-Aktivisti oder das „Sta­tu­ieren eines Exem­pels“ das Prob­lem. Jenes Grund­konzept von Haft und Aus­gren­zung einzel­ner Indi­viduen aus gesellschaftlichen Kon­tex­ten bedarf genug Kri­tik. Unsere Wut sollte sich nicht nur gegen Bran­den­bur­gis­che oder Nor­drhein-West­fälis­che Jus­tizbe­hör­den richt­en, sie trifft alle die nach dieser Logik Han­deln. Uns sollte stets Bewusst sein das über­zo­gene Anwen­dun­gen von Haft, Repres­sio­nen und Aus­gren­zun­gen kein Phänomen der Kli­ma-Gerechtigkeits-Bewe­gung sind. Sie sind alltäglich und fest in gesellschaftlichen Struk­turen ver­ankert. Haft generell abzulehnen vere­int uns in diesem Kampf gegen Repressionen.

Pris­ons are for burning!

Twit­ter: @ReiseDigger

Für Rück­fra­gen bitte E‑mails an: cli­mate­jus­ti­cenow (at) rise­up . net

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Klima & Umwelt Law & Order

Brief #1 von Stanley, Nonta & Vincent

Liebe Men­schen da draußen,

der Kli­mawan­del schre­it­et immer schneller voran. Beson­ders hart trifft er schon jet­zt die Men­schen im Glob­alen Süden, die am wenig­sten zu sein­er Entste­hung beige­tra­gen haben. Doch auch vor Deutsch­land macht der Kli­mawan­del, wie wir am Dür­re­som­mer 2018 gese­hen haben, nicht Halt.

Doch das ist lei­der erst der Anfang. In den kom­menden 20–30 Jahren wer­den wir Kipp­punk­te über­schre­it­en, die nicht mehr rück­gängig zu machen sind. Noch kön­nen wir das Schlimm­ste ver­hin­dern, indem wir sofort han­deln und eine freie und gerechte Gesellschaft erschaf­fen, die nicht nur Wert auf Arbeit und Kon­sum legt, son­dern auf Beziehun­gen zwis­chen Men­schen, einen wahren Kon­takt zur Natur, Kun­st und Liebe.

Aber die Poli­tik schläft und wir bleiben auf einem zer­störerischen Kurs. Die Lösungsvorschläge sind lächer­lich, viel zu langsam und reichen in kein­ster Weise um der Kli­makrise zu begeg­nen. Der „soge­nan­nte Kohlekom­pro­miss der Kohlekom­mis­sion“ (Zitat aus unserem Haft­be­fehl) ist dafür das per­fek­te Beispiel. Jahre­lang gab es Demon­stra­tio­nen, Unter­schrifte­nak­tio­nen und Kundge­bun­gen. Und was ist passiert? Fast nichts!

Darum haben wir uns zusam­mengeschlossen und Kohle­bag­ger beset­zt, weshalb uns jet­zt Haus­friedens­bruch vorge­wor­fen wird – ein Bagatellde­likt in den Worten eines unser­er Haftrichter. Doch da die Poli­tik ins Schwitzen gerät, wird bei uns mit der ganzen Härte des Staates reagiert. Die Unter­suchung­shaft wurde auf­grund unser­er Iden­titätsver­weigerung ange­ord­net. Das Amts­gericht Cot­tbus han­delt hier offen­sichtlich poli­tisch und ver­sucht ein Exem­pel zu sta­tu­ieren. So soll die Klim­agerechtigkeits­be­we­gung eingeschüchtert und fol­gende Aktio­nen ver­hin­dert wer­den. Das ist ein Skan­dal, den wir uns nicht gefall­en lassen!

Denn auch Iden­titätsver­weigerung ist ein poli­tis­ch­er Akt. Natür­lich kön­nten wir ein­fach unsere Iden­tität preis­geben und wären spätestens nach 3 Tagen aus der U‑Haft ent­lassen, doch ein Pass oder Aufen­thaltssta­tus sollte kein Kri­teri­um für poli­tis­che Arbeit sein. Indem viele Men­schen, denen die Preis­gabe der Iden­tität nicht schaden würde, ihre Iden­tität ver­weigern kön­nen auch jene Men­schen mit­machen, deren Iden­tität schützenswert ist, beispiel­sweise Men­schen, die keinen gesicherten Aufen­thalt­sti­tel haben.

Bei Klim­agerechtigkeit geht es um Sol­i­dar­ität mit Men­schen, die weniger für die Kli­makrise ver­ant­wortlich sind, jedoch viel stärk­er unter ihr lei­den. Fakt ist, wir zer­stören die Lebens­grund­lage von Mil­liar­den Men­schen und Tieren. Und unsere Poli­tik stellt dem nichts ent­ge­gen und macht weit­er wie bish­er. Doch langsam knickt die Regierung ein und es ist jet­zt der Moment gekom­men den Druck noch zu erhöhen. Kohleausstieg ist Han­dar­beit und wir brauchen ihn sofort!
Lasst euch nicht ein­schüchtern, beset­zt weit­er Braunkohle­in­fra­struk­tur oder macht was euch son­st so ein­fällt. Gemein­sam schaf­fen wir ein Kli­ma der Gerechtigkeit. Bleibt stark und kämpft weiter!

Sol­i­darische Grüße,
Non­ta, Stan­ley & Vincent

Ps.: Über Briefe zu uns in die JVA Cot­tbus freuen wir uns sehr!

Anmerkung Infori­ot
Adressen der Gefangenen:

Stan­ley: de&en
UMP02/Stanley, 84 Gs 19/19, JVA Cot­tbus-Dissenchen, Ost­straße 2, 03052 Cottbus

Non­ta: de&en
UMP03/Nonta, 84 Gs 20/19, JVA Cot­tbus-Dissenchen, Ost­straße 2, 03052 Cottbus

Vin­cent: de&en
UMP04/Vincent, 84 Gs 21/19, JVA Cot­tbus-Dissenchen, Ost­straße 2, 03052 Cottbus 

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Klima & Umwelt Law & Order

Die Lausitz23 – eine Übersicht

AKTION

4. Feb­ru­ar 2019: Die Bag­ger ste­hen still: Aktivist*innen von Ende Gelände & Robin Wood beset­zen in der Früh mehrere Bag­ger in den Kohlere­vieren Lausitz und im Leipziger Land. Darunter die Lausitz23 in den Tage­bauen Wel­zow Süd und Jän­schwalde. Die Beset­zung ist Teil ein­er Aktionswoche für den sofor­ti­gen Kohleausstieg und damit gegen den Abschluss­bericht der Kohlekommission.

FESTNAHME&GESA

Sämtliche Aktivist*innen wer­den von der Polizei geräumt und zur Iden­titäts­fest­stel­lung auf Polizeiprä­si­di­en gebracht. Sie mussten sich mehrfach nackt ausziehen. Vie­len Aktivist*innen wur­den die Tele­fo­nan­rufe ver­weigert. In der Lausitz wur­den einige Men­schen unter anderem über fünf Stun­den lang in gepark­ten, unge­heizten Fahrzeu­gen in Hand­fes­seln ohne Wass­er oder Tele­fon­möglichkeit fest­ge­hal­ten. Trotz teil­weise Durch­fall und Peri­ode wurde der Zugang zu Toi­let­ten ver­weigert. Im Gewahrsam wurde Men­schen die medi­zinis­che Behand­lung ohne die Angaben der Per­son­alien ver­weigert. Nach ihrer Ent­las­sung berichteten mehrere der Freige­lasse­nen über erfahrene Polizeige­walt in Form von Schlä­gen und Tritten.

Grüne und Linke fordern eine Aufar­beitung der Polizeimaß­nah­men im Recht­sauss­chuss des Bran­den­burg­er Land­tages: LINK zum Zeitungsbericht.

VORFÜHRUNG VOR DIE ZUSTÄNDIGE HAFTRICHTERIN

5. Feb­ru­ar 2019: Die Lausitz23 wer­den zwis­chen 14 und 23 Uhr der zuständi­gen Haftrich­terin vorge­führt. Unter­suchung­shaft bei leichteren Tat­en nach § 113 StPO wird ange­dro­ht: Der Tatvor­wurf Haus­friedens­bruch nach § 123 StGB ste­ht im Raum. Haft­grund ist Flucht­ge­fahr, da die Per­son­alien nicht bekan­nt sind. 5 Per­so­n­en geben ihre Per­son­alien an und wer­den ent­lassen. Draußen warten über 20 sol­i­darische Men­schen auf die Freige­lasse­nen, um sie in Emp­fang zu nehmen.

Ins­ge­samt 18 Per­so­n­en ver­weigern vor­erst weit­er­hin Angaben zur Per­son wer­den noch in dieser Nacht in JVAs überführt.

Pressemit­teilung von Ende Gelände: LINK

Zusam­men­fas­sung im neuen deutsch­land: LINK (Im Artikel wird fälschlicher­weise der Vor­wurf des Land­friedens­bruchs angegeben, der Vor­wurf lautet aber Hausfriedensbruch.)

UNTERSUCHUNGSHAFT&ENTLASSUNGEN

6. — 8. Feb­ru­ar 2019: Die 18 Men­schen, die die Angabe ihrer Per­son­alien ver­weigert haben, sind auf die JVAs Bran­den­burg (Hav­el), Luck­au-Duben und Cot­tbus-Dissenchen aufgeteilt. 15 Per­so­n­en geben am 6. und 7. Feb­ru­ar ihre Per­son­alien an. Bei der Vor­führung vor die zuständi­ge Haftrich­terin am Tag zuvor war es noch möglich gewe­sen, die Per­son­alien mündlich anzugeben, um frei zu kom­men. Nun ord­net die Rich­terin an, dass die Polizei jede Per­son mit ihrem* Per­son­alausweis abgle­icht und in ihren Daten­banken über­prüft. Die Bürokratie ver­langte dann die Aufhe­bung des Haft­be­fehls durch die zuständi­ge Rich­terin sowie deren Bestä­ti­gung per Fax an die jew­eili­gen JVAs, so dass die Per­so­n­en erst mehr als 24 Stun­den nach der Angabe ihrer Per­son­alien frei gelassen werden.

Artikel im neuen deutsch­land zur U‑Haft: LINK

STANLEY, NONTA & VINCENT

8.Februar 2019: Von den Lausitz23 bleiben am Fre­itag Abend nach wie vor 3 Aktivis­ten anonym und damit in Unter­suchung­shaft. Der erste Brief von Stan­ley, Non­ta und Vin­cent aus der Haft ist hier zu finden.

14. Feb­ru­ar 2019: Die Lausitz3 sind nun seit über ein­er Woche gefan­gen und warten auf die Hauptver­hand­lung. Hier soll der Vor­wurf Haus­friedens­bruch geprüft wer­den. Laut Staat­san­waltschaft Cot­tbus wird diese ein beschle­u­nigtes Ver­fahren nach § 417 StPO beantra­gen, so dass die Ver­hand­lung in der näch­sten Woche zu erwarten ist. Juris­tis­che Hin­ter­gründe dazu fol­gen eventuell.

Die Gefan­genen erfahren seit Beginn ihrer Inhaftierung viel Unter­stützung von außer­halb der Gefäng­nis­mauern. Die Unterstützer*innen ste­hen u.a. tele­fonisch mit den dreien in Kon­takt. Auch die ersten Briefe sind mit­tler­weile angekom­men, die Gefan­genen freuen sich über weitere.

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Antifaschismus

Extrem rechtes Bürgerbündnis will wieder aktiver werden

Nach eini­gen Wochen Pause set­zte die extrem rechte Vere­ini­gung „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ am Dien­stagabend ihre Ver­samm­lungsrei­he auf dem Märkischen Platz in Rathenow fort. Die sta­tionäre Kundge­bung stand unter dem Mot­to: „Merkel muss weg“. Sie sollte offen­bar an ähn­liche Ver­anstal­tun­gen in Ham­burg, Mainz und Berlin anknüpfen, die seit kurzem regelmäßig stattfinden.
Neue Sym­pa­thisierende kon­nte das „Bürg­er­bünd­nis“ dabei jedoch nicht akquiri­eren. Die ins­ge­samt 27 Teil­nehmenden stammten aus Rathenow, Prem­nitz, Beet­zsee, Bran­den­burg an der Hav­el sowie Berlin und sind seit Monat­en, einige seit Jahren, im PEGI­DA-Milieu aktiv.
Auch die Reden der vier Vor­tra­gen­den hat­ten den üblichen Charak­ter. Belei­di­gende und extrem rechte Äußerun­gen, mehrere Redende sprachen von „Umvolkung“ und äußerten sich ras­sis­tisch, eine weit­ere Per­son deutete u.a. den „Hit­ler­gruß“ an, gin­gen ein­her mit der Ankündi­gung kün­ftig mehr in der Kom­mu­nalpoli­tik mit­mis­chen zu wollen. Dazu kündigte der Vere­insvor­sitzende und ehe­ma­lige Bürg­er­meis­terkan­di­dat Chris­t­ian Kaiser die Bil­dung ein­er Wäh­lerge­mein­schaft anlässlich der im kom­menden Jahr stat­tfind­en­den Kom­mu­nal­wahlen an. Genaueres nan­nte er aber nicht. In seinem Rede­beitrag skandierte er jedoch heute die NPD Parole „Sozial geht nur National“.
Darüber hin­aus besucht­en Kaiser und weit­ere Mit­glieder des Bürg­er­bünd­niss­es bere­its am ver­gan­genen Mittwoch einen Stammtisch der AfD im Rathenow­er Restau­rant „Harlekin“.
Eine ursprünglich für densel­ben Tag im Inter­net angekündigte Ver­samm­lung unter dem Mot­to: „Merkel muss weg“ fiel jedoch ohne Angabe von Grün­den aus. Die Ver­anstal­tung sollte vor dem „Harlekin“, auf dem Märkischen Platz stattfinden.
Trotz der momen­tan gerin­gen Anziehungskraft der Ver­samm­lun­gen des „Bürg­er­bünd­niss­es“ soll dieses Ver­anstal­tungskonzept offen­bar auch in den näch­sten Wochen fort­ge­set­zt wer­den. Dies­bezüglich kündigte Kaiser u.a. an nun im Zwei-Wochen-Rhyth­mus jew­eils Mon­tags Kundge­bun­gen in Rathenow abhal­ten zu wollen. Die Polizei solle sich schon ein­mal auf weit­ere Über­stun­den ein­stellen, so der Chef des Bürgerbündnisses.
Fotos: https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/albums/72157694770730604

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Antifaschismus jüdisches Leben & Antisemitismus Law & Order

Tag der politischen Gefangenen in Potsdam

Für den heuti­gen Son­ntag hat­ten Neon­azis aus dem Bran­den­burg­er Nord­west­en eine Kundge­bung vor dem Jus­tizzen­trum angemeldet. Ihr Plan war es, sich einen linken Kampf- und Gedenk­tag anzueignen. In dieser Form ein Novum. Rund 40 Neon­azis forderten hier unter anderem Frei­heit für die Holo­caustleugner­in Ursu­la Haver­beck. Weit­ere Beiträge gab es zu dem §130 (Volkver­het­zungspara­graphen) und dem Neon­azi Horst Mahler.
Bei dem Anmelder han­delt es sich offen­bar um Nick Zschirnt von den ‚Freie Kräfte Neu­rup­pin‘, der auch schon bei Pogi­da in Pots­dam mit­ge­laufen ist. Auf der Kundge­bung gesprochen haben der Anwalt der recht­ster­ror­is­tis­chen ‚Gruppe Fre­ital‘ Mar­tin Kohlmann sowie Zschirnt selb­st. Zur musikalis­chen Unter­malung wur­den Lieder von der Recht­srock­band Die Lunikoff Ver­schwörung gespielt. Der ein­schlägig bekan­nte Neon­azi und rechte Gewaltäter Dave Trick erk­lärte nach ein­er knap­pen Stunde die Ver­samm­lung für beendet.
Für uns ein Tag zum Kämpfen und Erin­nern, für die Nazis ein Tag mit einem lächer­lichen Ver­such in Pots­dam ein Zeichen zu set­zen. So demon­stri­erten auf ein­er linken Ver­anstal­tung rund 700 Per­so­n­en gegen Nazis und Knäste. Bei ein­er Ver­anstal­tung von Pots­dam beken­nt Farbe waren weit­ere 150 Nazigegner*innen. Einige Kandidat*innen für die Oberbürgermeister*innenwahl im Herb­st nutzten die Gele­gen­heit, um sich in Szene zu set­zen. Am Rande der Ver­anstal­tun­gen kam es zu über­flüs­si­gen Ver­haf­tun­gen von 6 linken Aktivist*innen.
Die Abreise der Nazis war eine Farce. So mussten 37 von ihnen mit Polizeigeleit durch den Park Sanssouci zum Bahn­hof Sanssouci gebracht wer­den. Hier­bei kam es zu bru­tal­en Über­grif­f­en seit­ens der Polizei. Da wur­den auch schon mal Fahrradfahrer_innen zu Boden geris­sen. Hier stellt sich uns die große Frage, wie es sein kann, dass die Stiftung Preußis­che Schlöss­er und Gärten Berlin-Bran­den­burg es nicht für nötig gehal­ten hat, einzu­greifen und von ihrem Haus­recht Gebrauch zu machen. Hier muss eine Aufk­lärung der Stiftung fol­gen, warum sie Neon­azis auf dem Gelände dulden!
Für die Zukun­ft merken wir uns: wenn wir früher auf­ste­hen, kann auch eine Anreise zur Farce wer­den. Ein riesiges Polizeiaufge­bot von 450 Beamt_innen, einem Hub­schrauber, 2 Wasser­w­er­fern (bei minus 3 °C) und eine Hun­destaffel wur­den für nötig erachtet. Nur so kon­nte offen­bar ein Spazier­gang der Faschos durch den Park gewährleis­tet werden.
Der Tag der poli­tis­chen Gefan­genen* bleibt unser! Nieder mit den Knästen! Für eine befre­ite Gesellschaft!
#pots­dambleibt­sta­bil #antifa­heißt­frühauf­ste­hen #dankean­tifa

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Antifaschismus Law & Order

Der 18.3. ist unser Tag!

An diesem Woch­enende wollen Nazis in Pots­dam eine Sol­i­dar­ität­skundge­bung für einen wegen anti­semi­tis­ch­er Belei­di­gun­gen verurteil­ten Neon­azi durch­führen. Das Datum, das sie sich dafür aus­ge­sucht haben, ist der 18. März, der Tag der poli­tis­chen Gefan­genen. Dies ist nur ein weit­er­er, wenn auch beson­ders dum­mer Ver­such von (Neo-)faschistInnen, sich Dat­en und Sym­bole link­er Bewe­gun­gen anzueignen.
1923 erk­lärte die Inter­na­tionale Rote Hil­fe (IRH) den 18. März zum „Inter­na­tionalen Tag der Hil­fe für die poli­tis­chen Gefan­genen“. Das Datum wurde in Erin­nerung an den Beginn der Paris­er Com­mune am 18. März 1871 gewählt. Die Paris­er Com­mune war ein Sig­nal des Auf­bruchs und der Hoff­nung für die Linke weltweit. Ent­standen während des Deutsch-Franzö­sis­chen Krieges verkör­perte sie einen Gege­nen­twurf zu Nation­al­is­mus und Chau­vin­is­mus. In der Erin­nerungskul­tur der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung stand dieses Datum für das Gedenken ein­er­seits an einen der ersten poli­tis­chen Erfolge der rev­o­lu­tionären Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung und ander­er­seits an die Opfer, die die Nieder­schla­gung der Rev­o­lu­tion in Paris kostete. 25.000 Men­schen fie­len dem kon­ter­rev­o­lu­tionären Ter­ror unmit­tel­bar zum Opfer, weit­ere 3000 star­ben in den Knästen und 13700 wur­den zu meist lebenslänglichen Haft­strafen verurteilt. Nach der Nieder­schla­gung der rev­o­lu­tionären Kämpfe Anfang der 1920er Jahre saßen weltweit wieder viele Rev­o­lu­tionärIn­nen im Knast, mussten unter­tauchen und wur­den ver­fol­gt. Um die Kämpfe gegen diese Ver­fol­gung zu bün­deln führte die IRH den Tag der poli­tis­chen Gefan­genen ein. Er war ein Sym­bol ein­er inter­na­tionalen sol­i­darischen Emanzi­pa­tions­be­we­gung, die sich auch dem aufk­om­menden Faschis­mus ent­ge­gen­stellte. In den Rei­hen der Roten Hil­fe Deutsch­lands (RHD) engagierten sich viele Linke mit einem jüdis­chen Hin­ter­grund, viele jüdis­che JuristIn­nen und Intellek­tuelle unter­stützen die RHD.
Seit den 1990er Jahren bege­ht die Rote Hil­fe als linke strö­mungsüber­greifende Sol­i­dar­ität­sor­gan­i­sa­tion den 18. März wieder als Tag der poli­tis­chen Gefan­genen. An diesem Tag erin­nern wir an Men­schen, die wegen ihres Ein­tretens für eine Welt ohne Krieg, Aus­beu­tung und Ras­sis­mus in den Knästen sitzen. Wir stellen uns damit in die Tra­di­tion inter­na­tionaler Kämpfe um Emanzipation.
Das Vorhaben der Nazis ste­ht diesen Tra­di­tio­nen und damit der Idee des „Tages der poli­tis­chen Gefan­genen“ diame­tral ent­ge­gen. Als Rote Hil­fe Pots­dam rufen wir deshalb dazu auf, am 18. März die Nazikundge­bung vor dem Landgericht Pots­dam zu verhindern.

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Neonaziaufmarsch zum 18. März

01_2018.03.13_14 Wustermark OT Elstal Loewen Adler Kaserne _ Kulisse fuer Neonazimobi PDM1803 (5)

Sol­i­dar­ität­skundge­bung für verurteilte Neon­azi-Funk­tionäre geplant / Kaser­nen in Elstal als Kulisse für Mobil­isierungsvideos / Freie Kräfte spie­len Haup­trol­le / Gefan­gene­nun­ter­stützung bei Neon­azis Dauerthe­ma / Ver­such der Beset­zung von linken und  anti­ras­sis­tis­chen Aktion­sta­gen /  Gegen­proteste angekündigt

Am kom­menden Son­ntag beab­sichti­gen Neon­azis in Pots­dam eine Kundge­bung abzuhal­ten. Für diese geplante Ver­anstal­tung wird derzeit in den sozialen Medi­en u.a. mit Video­clips und Aktions­fo­tos gewor­ben. Tat­säch­lich liegt, laut Infor­ma­tio­nen von PNN und MAZ, eine Ver­samm­lungsan­mel­dung bei der Polizei vor. Dem­nach beab­sichtigt eine nicht näher genan­nte Pri­vat­per­son eine Kundge­bung vor dem Jus­tizzen­trum in der Jäger­allee durchzuführen. Hin­ter­grund der Ver­samm­lung soll der „Tag der poli­tis­chen Gefan­genen“ sein. Gegen die Kundge­bung wur­den bere­its zwei Protestver­anstal­tun­gen angemeldet.

Sol­i­dar­ität­skundge­bung für verurteilte Neonazi-Funktionäre

02_2012.08.04 Bad Nenndorf Ursula Haverbeck spricht auf Neonaziaufmarsch
Kult­fig­ur des neon­azis­tis­chen Milieus: Holo­caustleugner­in Ursu­la Haver­beck. Hier während eines Neon­azi­auf­marsches am 4. August 2012 in Bad Nen­ndorf (Nieder­sach­sen)

Wer sich hin­ter den Organ­isieren­den der Neon­azi-Kundge­bung am kom­menden Son­ntag ver­birgt ist jedoch derzeit noch nicht abschließend gek­lärt. Die Ver­anstal­tenden sel­ber hal­ten sich auf ihren Mobil­isierungs­seit­en jeden­falls eher bedeckt. Sie fordern dort u.a. allerd­ings die Freilas­sung von verurteil­ten Führungs­fig­uren aus dem neon­azis­tis­chen Milieu, darunter der Holo­caustleugner­in Ursu­la Haver­beck und des Anti­semiten Sascha Krolzig (DIE RECHTE). Bei­de wur­den unlängst wieder wegen Volksver­het­zung verurteilt. Haver­beck hat­te am 30. Jan­u­ar 2016 in ein­er Berlin­er Gast­stätte wieder­holt den Holo­caust geleugnet, Krolzig den Vor­sitzen­den der jüdis­chen Gemeinde Herford/Detmold in einem Online Bericht 2016 als „frechen Juden­funk­tionär“ bezeichnet.

02_2017.03.18 Leipzig Sascha Krolzig sprucht bei Aufmarsch Die Rechte
Anti­semit Sascha Krolzig (DIE RECHTE) beze­ich­nete den Vor­sitzen­den der jüdis­chen Gemeinde Her­ford / Det­mold als „frechen Juden­funk­tionär“. Das Foto zeigt Krolzig während eines Neon­azi­auf­marsches am 18. März 2017 in Leipzig (Sach­sen).

Bei­de besitzen auch über neon­azis­tis­che Partei­gren­zen hin­aus eine gewisse Pop­u­lar­ität im Milieu, so dass beispiel­sweise der kür­zliche Rück­tritt des gesamten Bran­den­burg­er Lan­desvor­standes von DIE RECHTE sowie dessen Empfehlung an alle 36 Mit­glieder des Lan­desver­ban­des bis Ende Jan­u­ar 2018 die Partei zu ver­lassen nicht unbe­d­ingt eine Rolle spielt.

Andere Bran­den­burg­er Neon­azistruk­turen küm­mern sich offen­bar um die Bewer­bung der geplanten Ver­anstal­tung in Potsdam.

Kaser­nen in Elstal als Kulisse für Mobilisierungsvideos 

01_2018.03.13_14 Wustermark OT Elstal Loewen Adler Kaserne _ Kulisse fuer Neonazimobi PDM1803 (2)
Die Löwen-Adler-Kaser­nen in Elstal nutzten Neon­azis als Kulisse für Mobilisierungsaufnahmen.

Als Aus­drucksmit­tel dienen offen­bar in der Region gefer­tigte Aktions­fo­tos und Video­clips. Ein Großteil der auf der entsprechen­den Social­me­dia-Seite zum „Tag der poli­tis­chen Gefan­genen“ veröf­fentlicht­en Auf­nah­men ent­standen beispiel­sweise in den leer ste­hen­den Löwen-Adler-Kaser­nen in Wuster­mark OT Elstal (Land­kreis Havelland).

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Auch dieses Gebäude auf dem Kaser­nen­gelände diente als Kulisse

Auf den Fotos und Videos sind mehrere ver­mummte Per­so­n­en erkennbar die wahlweise Parolen an Wände schreiben, Luft­bal­lons steigen lassen oder Fah­nen und Ban­ner zeigen. Auf einem Spruch­band wurde u.a. ein­mal mehr die Freilas­sung von Ursu­la Haver­beck gefordert. Weit­er­hin sind auf den Auf­nah­men die Bran­den­bur­gis­che Lan­des­flagge, eine schwarz-weiß-rote Reichs­fahne sowie eine schwarze Fahne von „Freien Kräften“ deut­lich erkennbar.

01_2018.03.13_14 Wustermark OT Elstal Loewen Adler Kaserne _ Kulisse fuer Neonazimobi PDM1803 (3)
In einem Raum ein­er mehrstöck­i­gen Kaserne hin­ter­ließen die Neon­azis einen Aufruf für den 18. März

Die ehe­ma­li­gen Mil­itärein­rich­tun­gen in Elstal wur­den in den 1930er Jahren ursprünglich für das Heer des NS Staates errichtet. Unter anderem waren dort Infan­terie­ver­bände der Wehrma­cht sta­tion­iert. Nach dem Zweit­en Weltkrieg wur­den dort zunächst Geflüchtete unterge­bracht. 1947 bis 1992 war das Gelände Teil ein­er großen Gar­ni­son der sow­jetis­chen Armee.

Seit dem Abzug des Mil­itärs ste­hen die Kaser­nen leer. Sie sind heute in einem ver­wahrlosten Zus­tand und rel­a­tiv leicht begehbar.

Freie Kräfte spie­len Hauptrolle

2016.03.22 Potsdam POGIDA Marsch Aktionsgemeinschaft Asylhuette
Pots­damer Neon­azis und Sym­pa­thisierende der „Freien Kräfte Neu­rup­pin – Osthavel­land“ liefen im Früh­jahr 2016 als Aktion­s­ge­mein­schaft „Asyl­huette in Pots­dam? Kannste Knick­en!“ bei POGI­DA-Aufmärschen in Pots­dam mit.

An Hand der bish­er veröf­fentlicht­en Mobil­isierungsaufrufe zum geplanten „Tag der poli­tis­chen Gefan­genen“ , ins­beson­dere dem Video­ma­te­r­i­al aus Elstal, scheinen vor allem so genan­nte „Freie Kräfte“ aus West­bran­den­burg  eine fed­er­führende Rolle in der Organ­isierung der Ver­samm­lung zu spielen.

Ins­beson­dere die „Freien Kräfte Prig­nitz“ und die „Freien Kräfte Neu­rup­pin – Osthavel­land“ (FKN) treten darüber hin­aus bei der Bewer­bung der Kundge­bung auf ihren Social­me­dia-Seit­en in den Vorder­grund. Einzelne bekan­nte Akteure dieser Grup­pierun­gen sind zu dem, trotz Ver­schleierung der Gesichter, auf Mobil­isierungsauf­nah­men, die auf der Social­me­dia-Seite „Tag der poli­tis­chen Gefan­genen“ erstveröf­fentlicht wur­den, erkennbar.

Aktivis­ten der FKN trat­en in der jüng­sten Ver­gan­gen­heit auch gemein­sam mit Pots­damer Neon­azis unter dem Label „Asyl­huette in Pots­dam? Kannste knick­en!“ in Erschei­n­ung. Mehrfach wur­den Ban­ner dieser Aktion­s­ge­mein­schaft beispiel­sweise bei Aufzü­gen des Pots­damer PEGI­DA-Ablegers POGIDA im Früh­jahr 2016 gezeigt.

Gefan­gene­nun­ter­stützung bei Neon­azis Dauerthema

04_2015.10.24 Neuruppin Kundgebung von NPD und Freien Kraeften
Braune Gefan­genen­hil­fe: Neon­azikundge­bung am 24. Okto­ber 2015 vor dem Amts­gericht in Neuruppin.

Es ist übri­gens auch nicht das erste mal das Neon­azis aus West­bran­den­burg Sol­i­dar­ität­skundge­bun­gen für verurteilte und/oder inhaftierte Gesin­nungsgenossen organisieren.

Am 5. Juli 2014 ver­anstal­tete eine „Alter­na­tive Jugend Havel­land“ eine Kundge­bung mit 25 Teil­nehmenden, der Großteil bekan­nte Sym­pa­thisierende der „Freien Kräfte Neu­rup­pin – Osthavel­land“, in Bran­den­burg an der Hav­el. Dabei wurde sich u.a. mit dem in ein­er örtlichen JVA inhaftierten Holo­caustleugn­er Horst Mahler solidarisiert.

Am 25. Okto­ber 2014 ver­anstal­tete die neon­azis­tis­che „Gefan­genen­hil­fe“ unter dem Mot­to: „Sol­i­dar­ität gegen staatliche Repres­sio­nen – Gemein­sam gegen Iso­la­tion“ eine Ver­samm­lung in Bran­den­burg an der Hav­el. Unter den 80 Teil­nehmenden waren vor allem Partei­funk­tionäre von NPD und JN, vom III. Weg sowie bekan­nte Akteure „Freier Kräfte“ aus Westbrandenburg.

Am 24. Okto­ber 2015 ver­sam­melten sich 80 Neon­azis unter dem Mot­to: „Die Gedanken sind frei…“ zu ein­er Kundge­bung vor dem Amts­gericht in Neu­rup­pin (Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin). In einem Rede­beitrag erin­nerte u.a. ein führen­der Kopf der „Freien Kräfte Neu­rup­pin-Osthavel­land“ an die Inhaftierten Holo­caustleug­nen­den Ursu­la Haver­beck, Horst Mahler und Ernst Zündel.

Ver­such der Beset­zung von linken und anti­ras­sis­tis­chen Aktionstagen

Bemerkenswert ist jedoch, dass Neon­azis ihre Gefan­genen­hil­fe erst­mals am 18. März zu propagieren und damit offen­bar ein­mal mehr ver­suchen einen Aktion­stag der radikalen Linken für die Ver­bre­itung  neon­azis­tis­ch­er Ide­olo­gie zu besetzen.

Der 18. März wurde näm­lich ursprünglich 1923 unter dem Mot­to: „Inter­na­tionaler Tag der Hil­fe für die poli­tis­chen Gefan­genen“ von der „Inter­na­tionalen Roten Hil­fe“ ins Leben gerufen und 1996 als „Tag der poli­tis­chen Gefan­genen“ von der Roten Hil­fe eV wiederbelebt.

Das Datum soll an den Auf­s­tand der Paris­er Kom­mune im Jahr 1871, deren Zer­schla­gung sowie an die anschließende Verurteilung von mehreren tausend Kom­mu­nar­den zu meist lebenslanger Haft erinnern.

Des Weit­eren find­en im Zeitraum vom 12. zum 25. März 2018 die „inter­na­tionalen Wochen gegen Ras­sis­mus“ statt. In Pots­dam wird es in diesem Rah­men u.a. Work­shopange­bote und Lesun­gen geben. Hin­ter­grund dieser Ver­anstal­tun­gen ist der „Inter­na­tionale Tag für die Besei­t­i­gung ras­sis­tis­ch­er Diskri­m­inierung“ (21. März).

Gegen­proteste angekündigt 

Indes rief das zivilge­sellschaftliche Aktions­bünd­nis „Pots­dam beken­nt Farbe“ im Social­me­dia zu Protesten gegen die neon­azis­tis­che Ver­samm­lung auf. „Wenn neona­tion­al­sozial­is­tis­che Kräfte in unser­er Stadt Geschicht­sre­vi­sion­is­mus betreiben, müssen sie selb­stver­ständlich mit entsch­ieden­em Wider­spruch rech­nen“, so das Bünd­nis im Socialmedia.

Ab 14:00 Uhr ist beispiel­sweise eine Kundge­bung unter dem Mot­to: „Für eine men­schen­fre­undliche Gesellschaft ohne Hass“ in der südlichen Jäger­allee, in der Nähe der Neon­aziver­samm­lung, geplant.

Eine weit­ere Demon­stra­tion gegen die Neon­azis wurde von ein­er Poli­tik­erin der Partei DIE.LINKE angemeldet und soll außer­dem ab 13.00 Uhr am Platz der Ein­heit starten. End­punkt dieser Ver­samm­lung wird das nördliche Ende der Jäger­allee, eben­falls in Nähe zur Neon­aziver­samm­lung, sein.

Foto­ma­te­r­i­al auf Flickr: HIER

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Spendenaufruf: Bus nach antirassistischer Demo zerstört

Nach der Demon­stra­tion „Frauen* gemein­sam gegen Ras­sis­mus und Ungerechtigkeit“ am Samstag
10.03.2018 in der Cot­tbuser Innen­stadt wurde der Bus des Pro­jek­ts „OTTO“ von Chance e.V.
ver­mut­lich durch Rechte mutwillig zer­stört. Der Sach­schaden beläuft sich auf mehrere Tausend
Euro. Daher rufen die Vere­ine Chance e.V., die Opfer­per­spek­tive e.V. und Women in Exile &
friends drin­gend dazu auf für die Reparatur zu spenden.
Auf­grund eines leicht­en tech­nis­chen Defek­ts blieb der Bus zunächst nach dem Ende der Demon­stra­tion am Sam­stag auf dem Park­platz am Oberkirch­platz in Cot­tbus ste­hen. Bere­its in der Nacht zu Son­ntag wurde dort durch Unbekan­nte der Aus­puff mit Bauschaum aus­ge­sprüht. Der Bus war dadurch nicht mehr fahrtauglich. In der Nacht zu Mon­tag wur­den dann, von ver­mut­lich mehreren Tätern, zwölf Scheiben eingeschla­gen. Da der Bus sehr klar der sol­i­darischen Demon­stra­tion am Sam­stag zugerech­net wurde, kann von einem geziel­ten Vorge­hen von recht­en Tätern aus­ge­gan­gen wer­den. Der Bus wurde als Sym­bol und stel­lvertre­tend für Alle ange­grif­f­en, die an dem Tag in Cot­tbus für eine sol­i­darische Gesellschaft und gegen Ras­sis­mus auf die Straße gegan­gen sind.
Der Bus wird aktuell für das Kul­tur- und Begeg­nung­spro­jekt „OTTO – der Bus“ des Vere­ins Chance e.V. in der Region Märkisch-Oder­land gebraucht und ste­ht diesem auf­grund der Beschädi­gun­gen derzeit nicht mehr zur Ver­fü­gung. Das Pro­jekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert und gehörte zu den Gewin­ner­pro­jek­ten im Pro­gramm „Neu­land“, welch­es sich für eine demokratis­che Entwick­lung des ländlichen Raums stark macht.
Der Vere­in Chance e.V. will unbe­d­ingt das Pro­jekt weit­er führen und bit­tet daher um finanzielle Unter­stützung für die Reparatur des Busses.
Spenden bitte auf fol­gen­des Konto:
Opfer­per­spek­tive e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE34100205000003813100
BIC: BFSWDE33BE
Betr­e­ff: Bus-Schaden Cot­tbus (bitte unbe­d­ingt angeben!)

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Anzahl rechter Gewalttaten ungebrochen hoch

Der Vere­in Opfer­per­spek­tive e.V. hat 2017 im Land Bran­den­burg 171 rechte Angriffe reg­istri­ert. Dies stellt einen Rück­gang gegenüber den Vor­jahren (2016: 221, 2015: 203) dar. Die Zahl der recht­en Gewalt­tat­en liegt immer noch deut­lich über dem Niveau des Zeitraums von 2002 bis 2014. Die Summe der gezählten Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te (148) ist die zwei­thöch­ste Zahl, die jemals im Rah­men des Mon­i­tor­ings durch die Beratungsstelle erfasst wurde.
Das häu­fig­ste Tat­mo­tiv war 2017 Ras­sis­mus: 84 Prozent aller Tat­en lag diese Moti­va­tion zu Grunde. Dies ist ein erneuter Anstieg gegenüber 2016 (79 Prozent). In der Mehrzahl dieser Fälle waren Geflüchtete von den Attack­en betrof­fen. Hierzu erk­lärt Judith Porath, Geschäfts­führerin der Opfer­per­spek­tive: „Die ras­sis­tis­che Gewaltwelle, die vor allem geflüchtete Men­schen bet­rifft, muss endlich gestoppt wer­den. Eine Gesellschaft, in der sich Alteinge­sessene und Neuangekommene auf Augen­höhe begeg­nen kön­nen, ist nicht möglich, solange die Orte fehlen, an denen sich Geflüchtete angst­frei bewe­gen können.“
Neben den 143 durch die Opfer­per­spek­tive reg­istri­erten ras­sis­tis­chen Gewalt­tat­en (2016: 175) wur­den 25 (2016: 24) Angriffe durch Rechte auf poli­tis­che Gegner_innen verübt. Zwei Über­griffe auf nicht-rechte und alter­na­tive Per­so­n­en (2016: 14) wur­den erfasst, außer­dem ein Angriff aus ein­er sozial­dar­win­is­tis­chen Moti­va­tion her­aus. Mehrheitlich han­delte es sich bei den der Beratungsstelle bekan­nt gewor­de­nen Gewalt­tat­en um Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te, davon 79 ein­fache und 69 gefährliche Kör­per­ver­let­zun­gen (2016: 85/101). In Bran­den­burg wur­den 2017 zwei rechtsmo­tivierte Brand­s­tiftun­gen, in Tem­plin und Krem­men, verübt (2016: 9). Der Molo­tow­cock­tail-Anschlag von Krem­men wird durch die Opfer­per­spek­tive als ver­sucht­es Tötungs­de­likt gew­ertet. Des weit­eren wur­den eine ver­suchte schwere Kör­per­ver­let­zung, 13 Fälle von Nöti­gung und Bedro­hung (2016: 13), 3 mas­sive Sachbeschädi­gun­gen (2016: 6), ein rechtsmo­tiviert­er Raub und ein Fall von Land­friedens­bruch sta­tis­tisch erfasst. In zwei Fällen ver­sucht­en ras­sis­tisch motivierte Täter mit­tels Kraft­fahrzeu­gen, Per­so­n­en zu verletzen.
Von den Angrif­f­en waren 2017 264 Per­so­n­en direkt betrof­fen (2016: 335) und 161 Per­so­n­en indi­rekt (2016: 196), z.B. als Zeug_innen oder Ange­hörige. Von einem großen Dunkelfeld ist nach Ansicht der Opfer­per­spek­tive auszuge­hen. Deut­lich zugenom­men hat die Zahl der betrof­fe­nen Kinder (vol­len­detes 13. Leben­s­jahr oder jünger). Die Opfer­per­spek­tive erlangte Ken­nt­nis von 35 Kindern, die 2017 Opfer rechter Gewalt­täter wur­den – eine deut­liche Zunahme gegenüber 2016 (22) und 2015 (26).
Der schon 2016 erkennbare Trend der regionalen Aus­d­if­feren­zierung bezüglich rechter Gewalt­tat­en hat sich auch 2017 fort­ge­set­zt und weit­er ver­stärkt. Die kre­is­freie Stadt Cot­tbus ist mit 32 rechtsmo­tivierten Angrif­f­en erneut der Ort mit den meis­ten reg­istri­erten Angrif­f­en. Dies stellt die zwei­thöch­ste Zahl rechter Über­griffe dar, die durch die Opfer­per­spek­tive jemals in einem Land­kreis bzw. ein­er kre­is­freien Stadt reg­istri­ert wurde (Höch­stzahl 41, eben­falls Cot­tbus, 2016). Gle­ichzeit­ig gibt es in anderen Regio­nen teils erhe­bliche Rück­gänge: In Spree-Neiße (von 27 Angrif­f­en auf 8 Angriffe), Frank­furt (Oder) (von 16 Angrif­f­en auf 5 Angriffe), in Märkisch-Oder­land (von 13 Angrif­f­en auf 2 Angriffe) und im Havel­land (von 11 Angrif­f­en auf 2 Angriffe) zeigt sich diese Entwick­lung beson­ders deut­lich. Dem ent­ge­gen ste­hen Steigerun­gen der Angriff­szahlen in Tel­tow-Fläming (14, 2016:11), Ober­hav­el (12, 2016:11), Barn­im (11, 2016: 5) und der Prig­nitz (8, 2016: 5). Neben Cot­tbus bleibt der Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin mit 16 recht­en Gewalt­de­lik­ten (2016: 21) ein Schw­er­punkt rechter Gewalt in Brandenburg.
In Cot­tbus hat sich in der Stadt eine gewalt­tätige Stim­mung, vor allem gegenüber Geflüchteten, ver­fes­tigt. Mit den Demon­stra­tio­nen des ras­sis­tis­chen Vere­ins „Zukun­ft Heimat“ ist eine Mobil­isierungsplat­tform ent­standen, die unter­schiedlich­ste Strö­mungen des lokalen, regionalen und über­re­gionalen recht­en Spek­trums vere­int und ver­net­zt. „Ras­sis­tis­che Gewalt wird durch die aktuelle Straßen­mo­bil­isierung legit­imiert, indem sie als „Notwehr“ gegen einen ange­blichen, durch Zuwan­derung bed­ingten „Volk­saus­tausch“ umgedeutet wird“, erläutert Judith Porath. Auch die örtliche rechte Hooli­gan­szene besucht die Demon­stra­tio­nen in Cot­tbus. So kommt es im Umfeld dieser Ver­anstal­tun­gen wieder­holt zu Über­grif­f­en auf poli­tis­che Gegner_innen aus diesem Per­so­n­enkreis. Die Opfer­per­spek­tive sieht die Gefahr, dass Cot­tbus zum Vor­bild für ras­sis­tis­che Kam­pag­nen in weit­eren Kom­munen im Land Bran­den­burg wird.
Anbei Sie das Hin­ter­grund­pa­pi­er der Opfer­per­spek­tive zur Veröf­fentlichung der Jahressta­tis­tik 2017 mit aus­führlichen Analy­sen sowie die grafis­che Aufar­beitung der Sta­tis­tik. Die Grafiken sind unter Nen­nung der Quelle (Peer Neumann/ Opfer­per­spek­tive) frei verwendbar.

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