17. April 2004 · Quelle: Tagesspiegel

Afrikaner vor Disko schwer verletzt / Polizei meldete den Vorfall nicht

(Tagesspiegel, 16.4.) Frank­furt (Oder). Ein 30-jähriger Asyl­be­wer­ber aus Sier­ra Leone ist vor ein­er Frank­furter Diskothek zusam­mengeschla­gen wor­den. Der Vor­fall ereignete
sich bere­its in der Nacht zum 4. April, wurde aber erst jet­zt durch eine Mit­teilung der Opfer­per­spek­tive bekan­nt. Danach waren Bene­dict A. und der 23-jährige Cher­if­nach A. aus Kamerun bere­its in der Disko “B5” von Deutschen
provoziert wor­den. So hat­te man ihnen Zigaret­ten­s­tum­mel in die Gläs­er gewor­fen. Um Stre­it zu ver­mei­den, ver­ließen die bei­den Afrikan­er die Disko, wur­den jedoch — so die Darstel­lung der Opfer­per­spek­tive — von acht Män­nern
ver­fol­gt, die “Scheiß Neger” riefen und sofort auf Bene­dict A. ein­schlu­gen und ‑trat­en. Als vier zufäl­lig vor­bei kom­mende Asyl­be­wer­ber den Ange­grif­f­e­nen zu Hil­fe kamen, flüchteten die Schläger. Bene­dict A. wurde mit
schw­eren Kopfver­let­zun­gen ins Kranken­haus gebracht, wo er erst nach sechs Stun­den aus dem Koma erwacht sein soll.

Die zuständi­ge Staat­san­wältin weiß davon nichts: “Nach meinen Unter­la­gen,
trug der Geschädigte zwar schwere Gesichtsver­let­zun­gen — unter anderem einen
Nasen­bein­bruch — davon, diese waren jedoch nicht lebens­ge­fährlich”, sagte
Kon­stanze Dali­cho gestern dem Tagesspiegel: “Wir haben zwei der drei
deutschen Tatverdächti­gen ver­nom­men, ein­er von ihnen hat eingeräumt, auf den
Afrikan­er eingeschla­gen zu haben. Als Grund dafür gibt er per­sön­liche
Belei­di­gun­gen an. Er sei aber nicht frem­den­feindlich.”

Der Polizei war der Vor­fall nicht ein­mal eine Mel­dung wert: “Für uns stellte
sich das als harm­lose Kneipen­schlägerei dar”, sagte ihr Sprech­er Dieter
Schulze. “Von einem schw­er Ver­let­zten stand nichts im Bericht, dafür von
zwei deutschen Geschädigten, die auch Anzeige erstat­teten.”

Für die betrof­fe­nen Asyl­be­wer­ber ist das Ver­hal­ten der deutschen Behör­den
schw­er zu ver­ste­hen. Sie seien stun­den­lang auf der Wache fest­ge­hal­ten
wor­den, bekla­gen sie. Man habe sie behan­delt wie Täter, nicht wie Opfer.
Auch hätte die Polizei keine Rück­sicht darauf genom­men, dass sie ohne ihre
Anwälte keine Aus­sagen machen woll­ten. Bene­dict A. hat das Kranken­haus am
Mittwoch wieder ver­lassen kön­nen. Die Angst aber, sagt er, die ist
geblieben.


(Infori­ot) Siehe dazu auch den Infori­ot-Beitrag Erneut Bru­taler Naz­iüber­fall nach „B5“-Besuch in Frankfurt/Oder vom 7. April.

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