27. Mai 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Aktion Noteingang in Mahlow

MAHLOW Sonnabend­vor­mit­tag in Mahlow, Treb­bin­er, Ecke Bahn­hof­s­traße. Die Arbeits­gruppe Tol­er­antes Mahlow hat einen Stand aufge­baut. Weit sicht­bar kün­det ein Trans­par­ent am Tisch vom Anliegen: Aktion Notein­gang. Ein älter­er Pas­sant, dem Cordy­line Bartz einen Fly­er in die Hand drück­en will, schüt­telt den Kopf und geht rasch weit­er. Dann hält ein Ehep­aar unterm Regen­schirm an, lässt sich Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al und auch einen Ansteck­er geben.

“Wir haben heute schon viele gute Gespräche gehabt, einige Mahlow­er sind vor­sichtig und mis­strauisch, aber es gibt auch welche, die uns die Fly­er förm­lich aus den Hän­den reißen”, sagt Cordy­line Bartz von der Arbeits­gruppe Aktion Notein­gang. Die Ehre­namtlichen trat­en am Sonnabend zum ersten Mal mit ihrem Anliegen in der Öffentlichkeit auf. “Wir wollen mobil­isieren gegen alle Form von Gewalt und die Mahlow­er ermuntern, Flagge zu zeigen”, erk­lärt Heinz-Jür­gen Oster­mann. Dazu sollen die grell­roten Aufk­le­ber dienen, die, an Läden oder Ein­rich­tun­gen ange­bracht, sig­nal­isieren: “Wir bieten Schutz vor ras­sis­tis­chen Übergriffen!”

In acht Geschäften, zum Beispiel in einem Mod­e­sa­lon und Schreib­waren­laden, hat Regi­na Bomke inner­halb ein­er Stunde um Ver­bün­dete gewor­ben, nur in zweien holte sie sich eine Absage. “Doch die bei­den haben das sehr sach­lich begrün­det. Sie sagen, die Ein­gren­zung auf ras­sis­tis­che Über­griffe ist ihnen zu wenig, sie wollen sich damit nicht in die Naziecke drän­gen lassen.”

Eigentlich brauche ich dieses Schild nicht. Für mich ist es selb­stver­ständlich, jeman­den in Not zu helfen”, betont Geschäfts­frau Mar­ti­na Bell­mann vom Uhren- und Schmuck­laden. “Aber wer weiß denn, ob es einen nicht selb­st mal trifft?”
“Weg­guck­en finde ich doof”, meint spon­tan Hun­de­friseurin Wulze. Sie hat sofort ja zur “Aktion Notein­gang” gesagt. “Wir brin­gen das Schild an, defin­i­tiv, aber vorher wird noch das Fen­ster geputzt”, teilt sie auch im Namen der Inhab­erin des Heimtierbe­darfs mit, mit der sie sich das Geschäft teilt. “Meine beste Fre­undin ist Türkin und ich habe afrikanis­che Bekan­nte, also, ich denke, es gibt immer Möglichkeit­en, etwas zu tun”, begrün­det die Hun­depflegerin ihre Entscheidung.

Die acht Ehre­namtlichen von der Aktion Notein­gang wis­sen um die Vor­be­halte manch­er Mahlow­er und gehen behut­sam vor. Dumme Antworten habe man nicht erhal­ten, wohl aber ängstliche Bedenken. “Man muss den Leuten erst mal die Chance geben, sich mit dem Mate­r­i­al ver­traut zu machen, es geht ja hier nicht um ein Haustürgeschäft son­dern um Zivil­courage”, so Heinz-Jür­gen Oster­mann. Der Mahlow­er hat­te der Gemein­de­v­ertre­tung die Aktion vorgestellt und sich dafür stark gemacht, dass die Abge­ord­neten sich dazu posi­tion­ierten. Die öffentlichen Ein­rich­tun­gen hät­ten jet­zt alle von der Gemeinde ein Schreiben erhal­ten. “Wir suchen sie in der kom­menden Woche auf und erk­lären, worum es geht. Auf dem Fly­er erfährt man auch, wie man sich im Fall der Fälle ver­hal­ten soll.” Damit rech­net Regi­na Bomke nicht so vorder­gründig: “Es geht vor allem um ein öffentlich­es Beken­nt­nis der Mahlow­er, dass sie Gewalt ablehnen.”
Nach Auskun­ft von Cordy­line Bartz kleben in Mahlow inzwis­chen etwa 15 bis 20 rote Schilder an Geschäften, aber auch bei Pri­vatleuten. Er ist opti­mistisch: “Jet­zt dauerts noch ein paar Tage, dann sinds mehr.”

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