24. Januar 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Aktion Noteingang in Rheinsberg

RHEINSBERG Kai engagiert sich gegen Gewalt. Warum? Vor fünf Jahren wurde der Vater des 18-Jähri­gen offen­bar von Recht­en zusam­mengeschla­gen. Bei dem bru­tal­en Angriff hat der Vater einige Zähne ver­loren. Der Schüler selb­st wurde schon bedro­ht. „Man hat mir ein­mal ein Mess­er an den Hals gehal­ten“, sagt Kai.

„Aktion Notein­gang“ heißt das Pro­jekt, für das sich Kai und drei andere Jugendliche in Rheins­berg couragiert ein­set­zen. Die Aktion wurde 1998 von Bernauer Jugendlichen als Zeichen gegen Gewalt und Frem­den­feindlichkeit ins Leben gerufen. Aufk­le­ber mit der Auf­schrift „Wir bieten Schutz und Infor­ma­tio­nen bei ras­sis­tis­chen und frem­den­feindlichen Über­grif­f­en“ zeigen, wer mit­macht.

Möglichst viele Mit­stre­it­er wollen die Schüler auch in Rheins­berg gewin­nen und sind ger­ade dabei, Frage­bö­gen in etwa 100 Geschäften, Restau­rants, Kneipen und öffentlichen Ein­rich­tun­gen zu verteilen. Sie wollen her­aus­find­en, wer sich an der Aktion beteiligt und eben­falls durch einen Aufk­le­ber seine Hil­fe für den Ern­st­fall sig­nal­isiert.
„Viele sind der Mei­n­ung, das The­ma sei nicht akut, weil in Rheins­berg keine Gewalt existiert“, resümiert Kevin. Den 18-Jähri­gen freut, dass die meis­ten der Ange­sproch­enen sich Zeit nehmen für das Anliegen und man ins Gespräch komme. „Viele sagen, sie wür­den helfen“, so Kevin.
Aber ich glaube, sie haben sich über die konkrete Sit­u­a­tion, wenn ein Gewal­topfer vor ihnen ste­ht, noch keine Gedanken gemacht.“

Bis zum 31.Januar kön­nen die Frage­bö­gen, die anonym aus­ge­füllt wer­den, bei der Stadtju­gendpflegerin Alexan­dra Willers in der Schlossstraße 17 zurück­gegeben wer­den.

Danach wer­den die Antworten aus­gew­ertet und die Aufk­le­ber verteilt. „Das Ende der Aktion ist offen“, sagt Alexan­dra Willers. Das Hauptziel sei aber mit dem Anbrin­gen der Aufk­le­ber erre­icht. „Der Bürg­er­meis­ter, das Haup­tamt, die Schule und die Bib­lio­thek“ haben schon klare Sig­nale gegeben“, so die Stadtju­gendpflegerin.

In ihrem Büro war Kevin beim Blät­tern in ein­er Zeitschrift auf die „Aktion Notein­gang“ aufmerk­sam gewor­den und es war Ehren­sache für ihn mitzu­machen. „man muss doch öffentlich Zeichen set­zen“, so der Schüler, der bish­er nur ver­bale Gewalt erfahren hat.

Kevin und Kai sind auf das Ergeb­nis der Aktion ges­pan­nt. Kai wäre zufrieden, wenn 70 bis 80 Prozent der Ange­sproch­enen den Aufk­le­ber anbrin­gen wür­den, Kevin hält 30 Prozent für real­is­tisch.

Für ihren Ein­satz haben die bei­den Schüler in ihrer Schule auch schon aggres­sive Blicke oder ein Grin­sen kassiert. Davon zeigen sie sich unbeir­rt. Sie ste­hen zu ihrem Engage­ment und glauben, dass sie einen Ein­druck hin­ter­lassen und zumin­d­est eine Diskus­sion in Gang set­zen.

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