7. Juni 2010 · Quelle: Antifa Bad Freienwalde

Alte Malzfabrik kurzzeitig besetzt

Haus kurzzeitig besetzt / Interview mit Besetzer

In der Nacht vom Sam­stag zum Son­ntag wurde in Bad Freien­walde die Rück­seite der alten Malz­fab­rik, in der Karl-Marx-Straße 7, kurzzeit­ig beset­zt. Diese Aktion soll sowohl die Forderung nach einem alter­na­tiv­en Jugendzen­trum als auch die Erin­nerung an den Bran­dan­schlag von Neon­azis im Jahre 2008, erin­nern. Zudem soll durch die klare antifaschis­tis­che Akzen­tu­ierung verdeut­licht wer­den, dass es ein mas­sives Neon­aziprob­lem in der Stadt gibt, dem vor allem mit der Stärkung ein­er erneuten alter­na­tiv­en Jugend­kul­tur ent­ge­gengewirkt wer­den kann.

Wir sprachen daher mit Ben von der Ini­tia­tive “Für alter­na­tive (Frei-) Räume“.

Antifa Bad Freien­walde: Hal­lo, was habt Ihr gemacht und warum?

Ben: Hal­lo, wir haben in der Nacht vom Sam­stag zum Son­ntag die Rück­seite der alten Malz­fab­rik, in der Karl-Marx-Straße 7, scheinbe­set­zt, sprich wir haben das leer­ste­hende Objekt betreten und an diesem poli­tis­che Trans­par­ente ange­bracht um unsere Forderun­gen nach außen zu tra­gen. Mit dieser Aktion wollen wir uns für ein alter­na­tives Jugendzen­trum in der Stadt stark machen, und das aus ver­schiede­nen Grün­den: In Bad Freien­walde und Umge­bung gibt es seit mehreren Jahren eine stark präsente Neon­azi-Szene, die offen und gewalt­tätig gegen ver­meintlich poli­tis­che Gegner_innen oder gegen eine bes­timmte Gruppe von Men­schen auf­grund deren Äußeren vorge­ht. Unser­er Auf­fas­sung nach, kann nur die Förderung und Stärkung von alter­na­tiv­en, antifaschis­tis­chen Jugend­kul­turen die von Neon­azis angestrebte rechte Hege­monie erfol­gre­ich zurück­drän­gen.

Außer­dem lehnen wir die kap­i­tal­is­tis­che Ver­w­er­tungslogik, die eben solche Erschei­n­ungs­for­men repro­duziert, ab. Wir wollen einen nichtkom­merziellen Freiraum schaf­fen, in dem wir uns aus­pro­bieren, selb­stor­gan­isiert leben und alter­na­tive, emanzi­pa­torische Gesellschaftsmod­elle entwick­eln kön­nen. Diese Aktion richtet sich also auch gegen die herrschen­den Ver­hält­nisse.

Antifa Bad Freien­walde: Habt ihr bewusst dieses Datum gewählt oder war das eher zufäl­lig?

Ben: Wir haben uns für den 05. Juni 2010 entsch­ieden. Nicht zulet­zt um gegen den geplanten Auf­marsch von Neon­azis der so genan­nten “Kam­er­ad­schaft Märkisch Oder Barn­im“ am 12. Juni zu wer­ben. Sie fordern ein “Freies Jugendzen­trum“, welch­es bess­er als “nationales Jugendzen­trum“ begrif­f­en wer­den kann. Damit knüpfen sie an berlin-bran­den­burg­weite Kam­pang­nen von Neon­azis an, die zum Ende des Jahres in Berlin oder wahlweise in Königs Wuster­hausen in regelmäßi­gen Abstän­den, in Form von Demon­stra­tio­nen, durchge­führt wer­den.

Natür­lich spielt auch der Jahrestag des Bran­dan­schlags auf das alter­na­tive Jugendzen­trum “Maquis“ eine große Rolle in der Durch­führung unser­er Beset­zung. Das Ereig­nis wird von den Nazis der KMOB ver­schwiegen und das ist unser­er Ansicht nach mehr als dreist!

Antifa Bad Freien­walde: Was erhofft ihr euch von eur­er Aktion im Speziellen?

Ben: Zum einen soll natür­lich die Bevölkerung Freien­waldes dafür sen­si­bil­isiert wer­den, dass ein Bedürf­nis nach einem solchen Zen­trum unter den Jugendlichen beste­ht. Natür­lich gibt es bere­its ein Jugendzen­trum in Freien­walde, aber dies entspricht nicht in allen Hin­sicht­en unseren Vorstel­lun­gen von frei­heitlichem und autarkem Han­deln. Zum anderen sollen die Nazis der KMOB merken, dass sie ihre Ansprüche hier kein Vor­recht besitzen — im Gegen­teil. Während sie nur davon reden, beziehungsweise durch die Stadt spazieren wollen ohne in der Lage zu sein spez­i­fis­che Inhalte zu ver­mit­teln, schre­it­en wir zu Tat­en und set­zen somit Zeichen.

Antifa Bad Freien­walde: Ein ähn­lich­es Zeichen soll auch die von uns organ­isierte antifaschis­tis­che Demon­stra­tion sein. Wie ste­ht ihr dazu, da du ger­ade von “durch die Stadt spazieren“ gesprochen hast?

Ben (lacht): Ja, da hast du recht. Aber ich habe mir bere­its euren Aufruf durchge­le­sen und stimme euch voll und ganz zu. Ich habe den Ein­druck, ihr geht auf die Straße um eine Botschaft zu ver­mit­teln, eine ähn­liche wie wir sie haben und deswe­gen werde ich mich auch an der Demo beteili­gen.

Antifa Bad Freien­walde: Das freut uns natür­lich zu hören. Wir wün­schen euch viel Erfolg bei euren zukün­fti­gen Aktio­nen und hof­fen, ihr kön­nt eure Ziele erre­ichen. Vie­len Dank, dass du dir Zeit für das Inter­view genom­men hast!

 

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