3. Juni 2002 · Quelle: Ruppiner Anzeiger

Am 7.Juni Schweigemarsch in Wittstock für Kajrat

WITTSTOCK Mit einem Schweige­marsch soll am Fre­itag, 7.Juni, in Witt­stock des getöteten Rus­s­land­deutschen Kajrat B. gedacht wer­den. Dazu will der Vere­in “Tol­er­antes Witt­stock — couragiert gegen Rechts” aufrufen. 

Gestern trafen sich im Gemein­de­haus der evan­ge­lis­chen Kirche in der Witt­stock­er St. Marien­straße Vertreter des Vere­ins mit Aussiedlern. Zu Beginn der Beratung erhoben sich die Teil­nehmer während ein­er Gedenkminute für Kajrat von ihren Plätzen. Unter den Anwe­senden war auch Manuela Friksche, die Aussiedlern Deutschunter­richt erteilt. Zu ihrer Klasse gehörte auch der 24jährige Kajrat. Sie schilderte das Mor­dopfer gegenüber dem RA als stillen, fre­undlichen Men­schen. Die Fam­i­lie des Opfers wollte von Freyen­stein nach Witt­stock umziehen. “Kajrat hat­te ger­ade die Woh­nung ren­oviert, in die er mit sein­er Mut­ter und der Schwest­er einziehen wollte. Ich weiß noch, wie er sich gefreut hat. Drei Tage nach der Schlüs­selüber­gabe wurde er dann so bru­tal zusam­mengeschla­gen. Es ist furcht­bar”, sagte Manuela Friksche. 

In der Beratung forderte die Lehrerin dazu auf, deut­lich zu zeigen, dass die Tat nicht von den Bürg­ern hin­genom­men wird. Sie habe das Gefühl, dass die Witt­stock­er gegen rechte Gewalt zu tol­er­ant seien. Der Super­in­ten­dent des Kirchenkreis­es Ost­prig­nitz-Rup­pin, Heinz-Joachim Lohmann, ver­wies darauf, dass es am 8.Dezember vorigen Jahres einen Schweige­marsch und am 20.April diesen Jahres ein Rock­konz­ert gegen Rechts in der Doss­es­tadt gab. 

Eck­hard Raatz vom weißen Ring, ein­er Hil­f­sor­gan­i­sa­tion für Opfer von Straftat­en, berichtete von der Betreu­ung der Ange­höri­gen Kajrats durch den Weißen Ring. Zugle­ich kri­tisierte er, dass der Kon­takt zwis­chen den Aussiedlern und der Polizei gestört ist. Die Aussiedler fühlten sich mit ihren Beschw­er­den nicht ernst genom­men. Dem wider­sprach der Leit­er der Witt­stock­er Polizei­wache, Peter Benedikt. “Wir gehen jedem Hin­weis nach. Soll­ten sprach­liche Prob­leme auf­tauchen, wird ein Dol­metch­er besorgt”, sagte Benedikt. Im Fall der ermorde­ten Kajrat B. ermit­tle eine 25-köp­fige Son­derkom­mis­sion mit Hochdruck. Benedikt sagte, die Polizei habe derzeit keine Beweise dafür, dass das Tötungsver­brechen in Alt Daber auf das Kon­to von Recht­sex­trem­is­ten geht. In ein­er Mit­teilung der Staat­san­waltschaft hat­te es geheißen, dass es für die Tat ein frem­den­feindlich­es Motiv gibt.
In der Beratung kam zur Sprache, dass die Beiset­zung Kajrats in Krautheim in Baden-Würt­tem­berg sein wird, wo die Fam­i­lie nach ihrer Aussied­lung aus Kasach­stan zunächst lebte. Der Vere­in Opfer­per­spek­tive will auch den Ange­höri­gen sein­er Deutschk­lasse die Teil­nahme an der Beerdi­gung ermöglichen und sam­melt dafür Geld. Heinz-Joachim Lohmann schlug vor, mit Ober­stleut­nant Wolf­gang Engel, Kom­man­dant des Trup­penübungsplatzes Kyritz-Rup­pin­er Hei­de, Verbindung aufzunehmen. Vielle­icht könne die Bun­deswehr einen Bus bere­it stellen. Auf der Beratung wurde beschlossen, am Tag der Beiset­zung von Kajrat in Alt Daber am Ort des Ver­brechens eine geistliche Besin­nung abzuhalten.
Auf dem Tre­f­fen wurde auch über das Ver­hält­nis der Aussiedler­fam­i­lien zur alteinge­sesse­nen Bevölkerung gesprochen. Die Aussied­lerin Laris­sa Lezin beklagte, dass es beson­ders in der Schule Prob­leme gebe. “Die Kinder sind nicht fre­undlich zueinan­der. Meine Tochter und mein Sohn weinen oft, wenn sie aus der Schule nach Hause kom­men”, sagte sie. Ihr sech­sjähriger Sohn Sergej habe wiederhlot in die Hose nässen müssen, weil ihn Klassenkam­er­aden nicht auf die Toi­lette ließen. 

Heinz-Joachim Lohmann regte an, zu einem Gespräch einzu­laden, dass sich dem Zusam­men­leben von Alt- und Neu-Witt­stock­ern wid­men solle. Zus­tim­mung fand der Vorschlag, dazu auch die Leit­er und Lehrer der Witt­stock­er Schulen einzuladen. 

Der Schweige­marsch für Kajrat am 7.Juni in Witt­stock begin­nt um 17 Uhr an der St- Marienkirche. Er führt zum Markt. Dort ist eine Kundge­bung geplant.

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