20. Februar 2003 · Quelle: Opferperspektive / Berliner Zeitung / MAZ / MOZ

Angeklagter benennt erstmals Steinewerfer

Prozess um den gewalt­samen Tod von Kajrat Bateso­va nähert sich seinem Ende

Patrick Sch. schw­er belastet


Der Angeklagte Mar­co F. (21) scheint die zwei Wochen Prozess­pause viel nachgedacht zu haben. Am gestri­gen 11. Ver­hand­lungstag bekun­dete er in ein­er Ein­las­sung, dass der Mitangeklagte Patrick Sch. den Stein auf Kajrat Bateso­va gewor­fen haben soll. Zwar gab Mar­co F. an die Tat nicht mit eige­nen Augen gese­hen zu haben, Sch. habe ihm und anderen gegenüber jedoch den Wurf des 17 Kilo­gramm schw­eren Steines selb­st eingeräumt. Zuvor hat­te Patrick Sch. am gestri­gen Ver­hand­lungstag über seinen Anwalt eine Beteili­gung an dem Stein­wurf bestrit­ten. Die Zeu­g­in Nicole B. (20) bestätigte die Angaben von Mar­co F.. Sie selb­st sei zwar nicht an dem Abend anwe­send gewe­sen, sie habe jedoch noch am gle­ichen Tag von Mar­co F. und dem geson­dert Angeklagten Sebas­t­ian S. erfahren, dass Patrick Sch. zugegeben hätte den Stein gewor­fen zu haben. Die Tat und deren Umstände seien auch Dauerthe­ma im engeren Fre­un­deskreis von Mar­co F. gewe­sen, dem sie, so die Zeu­g­in, ange­höre.

Wir wür­den alles machen, um zu helfen“, so beschrieb die Zeu­g­in die getrof­fe­nen Übereinkün­fte und Absprachen. Sebas­t­ian S. habe ihr noch vor kurzem, bei einem Gelage in der Witt­stock­er Kneipe „Ali­bi“ erläutert, dass „Patrick für 15 Jahre in den Knast kommt“, wenn sie die die Wahrheit sage. An diesem „Kneipen­abend“, der kurz nach Prozess­be­ginn stattge­fun­den habe, seien noch weit­ere Per­so­n­en anwe­send gewe­sen, die im Ver­laufe des Prozess­es als Zeu­gen aufge­treten sind. Dazu gehörten, nach Aus­sage der Zeu­g­in, auch diejeni­gen, welche wegen Falschaus­sage oder unter­lassen­er Hil­feleitung aus dem Gerichtssaal her­aus vor­läu­fig festgenom­men wor­den sind.

„Ein Kartell des Schweigens“, so brachte ein Prozess­be­such­er seine Ein­drücke der Sit­u­a­tion auf den Punkt. Nicht aufgeben will die Vertre­tung der Neben­klage. In einem neuen Beweisantrag, dem die Kam­mer stattgab, forderte sie den Zeu­gen Tobias W. zu hören, dessen PKW nach Aus­sagen eines Haupt­be­las­tungszeu­gen den Tatort, kurz nach­dem die Angeklagten geflo­hen waren, ver­lassen haben soll. Der Zeuge ist für Fre­itag 9:00 Uhr geladen. Vom Gericht abgelehnt wurde ein zweit­er Beweisantrag der Neben­klage, in dem diese gefordert hat­te, Staat­san­walt Sauer­mann zu laden, der den geson­dert Angeklagten Michael L., nach sein­er vor­läu­fi­gen Ver­haf­tung aus dem Gerichtssaal am 24.01., ver­nom­men hat­te. Auf­schlussre­ich war die Begrün­dung des umfan­gre­ichen Antrages, weil darin die von Michael L. gemachte Aus­sage in den Gesamtzusam­men­hang gestellt wurde. L. hat­te in der dama­li­gen Hauptver­hand­lung, wie auch später in der staat­san­waltlichen Vernehmung, aus­ge­sagt, mit seinem Kol­le­gen Daniel G. zumin­d­est einen Teil des Angriffs gegen einen der bei­den Betroff­nen aus dem Auto ver­fol­gt, jedoch keinen Stein­wurf gese­hen zu haben. Bevor sie dann endgültig wegge­fahren seien, hät­ten sie noch Michael W. ver­sprochen, bei späteren Nach­fra­gen, zu bestäti­gen, dass dieser mit ihnen mit­ge­fahren sei. In den bish­er rekon­stru­ier­baren Tatver­lauf gestellt, ist diese Aus­sage ein weit­er­er deut­lich­er Hin­weis darauf, dass die Täter, noch vor Aus­führung der Tat, Absprache getrof­fen haben.

Eine Mehrzahl der Zeu­gen hat­te bei früheren Ver­hand­lungsta­gen darüber hin­aus bestätigt, dass Kajrat Bateso­va und Max K. schon in der Disko als „Russen“ erkan­nt wor­den waren. Eine ras­sis­tis­che Tat­mo­ti­va­tion jedoch stre­it­en die Täter ab, würde eine solche doch die Anklage von Totschlag zur Mord möglich machen. Dass das Leben eines Men­schen, der in Rus­s­land geboren ist, zumin­d­est bei einem Teil der Witt­stock­er Tech­noszene nur wenig zählt, drängt sich Prozess­beobachtern immer wieder beim Blick auf die Zuschauer­bänken auf. Dort ver­sam­meln sich regelmäßig Fre­unde der Angeklagten, für die es keine Rolle zu spie­len scheint, dass ein Men­sch aus niedrig­sten Beweg­grün­den erschla­gen wurde.

Rich­terin Taren-Deik machte gestern deut­lich, dass sie die Beweis­er­he­bung in kürze schließen möchte. Die Angeklagten hät­ten nach ihrem Zeit­plan nur noch am Fre­itag Zeit dafür, ihre bish­er gemacht­en, lück­en­haften Ein­las­sun­gen zu ver­voll­ständi­gen. Bleibt es bei der Ankündi­gung der Rich­terin, ist mit der Verkün­dung des Urteils am Dien­sta­gnach­mit­tag (25.02.) zu rech­nen.

Opfer­per­spek­tive Bran­den­burg

Angeklagter benen­nt erst­mals Steinew­er­fer

Wende im Prozess um Tod eines Spä­taussiedlers

(Berlin­er Zeitung, Katrin Bischoff) NEURUPPIN. “Dass von meinen so genan­nten Fre­un­den kein­er was gese­hen haben
soll oder will, kann ich nicht glauben. Das geht doch nicht, dass alle
davorge­s­tanden und nichts gese­hen haben.” Diese Zeilen schrieb Marko F. aus
der Unter­suchung­shaft an seine Fam­i­lie. Er habe keine Lust, für etwas in den
Knast zu gehen, was er nicht getan habe, hieß es in dem am Mittwoch vor dem
Landgericht in Neu­rup­pin ver­lese­nen Brief. Marko F. und vier sein­er Fre­unde
müssen sich hier wegen gemein­schaftlichen Totschlags ver­ant­worten. Sie
sollen im Mai 2002 den Rus­s­land­deutschen Kajrat Batesov (24) vor ein­er
Witt­stock­er Diskothek zusam­mengeschla­gen und ihm einen großen Feld­stein auf
die Brust gewor­fen haben. Der Spä­taussiedler erlag drei Wochen später den
Ver­let­zun­gen.

Inzwis­chen haben alle Angeklagten ges­tanden, Batesov geschla­gen und
getreten, nicht aber den Stein ange­fasst zu haben. Auch die rund 50
Tatortzeu­gen, die vor Gericht aus­ge­sagt haben, kön­nen sich an einen
Feld­stein nicht erin­nern. Gegen sieben von ihnen ermit­telt inzwis­chen der
Staat­san­walt wegen Falschaus­sage oder unter­lassen­er Hil­feleis­tung. Er ist
überzeugt, dass mehrere Zeu­gen den Stein­wurf beobachtet haben.

Am elften Ver­hand­lungstag hat­te Staat­san­walt Kai Clement eigentlich
plädieren wollen. Doch dann meldete sich Marko F., der als
Hauptbeschuldigter gilt, nochmals zu Wort. Weil er bis zulet­zt gehofft habe,
dass ein­er der Zeu­gen die Wahrheit sagen würde, komme seine Aus­sage so spät,
erk­lärte er. Auch habe er dem Mitangeklagten Patrick S. die Chance geben
wollen, sich selb­st zu äußern. “Noch in der Tat­nacht hat mir Patrick gesagt,
dass er den Stein geschmis­sen hat”, sagte Marko F. Später hät­ten er und sein
Kumpel beschlossen, darüber zu schweigen.
“Patrick, zu dir wollte ich sagen, du denkst jet­zt, ich wäre ein Ver­räter.
Aber du ver­rätst mich doch, indem du nichts sagst”, sagte Marko F. zu seinem
Nach­barn auf der Anklage­bank. Doch der 21-Jährige schüt­telte den Kopf und
ließ seinen Anwalt mit­teilen, dass er Der­ar­tiges nie zu Marko F. gesagt
habe. Auch die anderen Angeklagten blieben dabei: Sie haben den Stein­wurf
nicht gese­hen.

Das Gerichts muss nun bew­erten, ob die Aus­sage von Marko F. nur ein Ver­such
ist, im let­zten Moment den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Fest ste­ht
jedoch, dass auch Marko F. auf Kajrat Batesov eingeprügelt hat. Der
Gerichtsmedi­zin­er kon­nte nicht auss­chließen, dass die tödlichen Ver­let­zun­gen
Batesovs auf die Schläge und Tritte zurück­zuführen sind. Am Fre­itag wird die
Zeu­gen­vernehmung fort­ge­set­zt.

Marko F. belastet seinen Fre­und

Mauer des Schweigens gebrochen / Über­raschende Wen­dung im Mord­prozess

NEURUPPIN Im Prozess um den Tod eines 24-jähri­gen Rus­s­land­deutschen aus Witt­stock ist die Mauer des Schweigens gestern eingestürzt. Erst­mals
erk­lärte ein Anklagter, er wisse, wer im Mai 2002 den 17,7 Kilo­gramm schw­eren Feld­stein auf den 24-jähri­gen Kajrat Batesov gewor­fen habe.

Der Haup­tangeklagte Marko F. belastete seinen Fre­und und Mitangeklagten
Patrick Sch. mas­siv im Neu­rup­pin­er Landgericht: Er habe ihm nach der T
at
ges­tanden, den Stein gewor­fen zu haben. Sie hät­ten beschlossen, nichts zu
sagen, doch während der Ver­hand­lung habe er erwartet, dass sich sein Fre­und
zu der Tat bekenne, sagte F. Nun könne er nicht länger schweigen. Den Wurf
selb­st will F. jedoch nicht selb­st gese­hen haben.

Diese Tatver­sion wurde von F.s Fre­undin, Nicole B., bestätigt. Noch ein
weit­er­er Zeuge habe ihr gegenüber zugegeben, mehr zu wis­sen, als er vor
Gericht aus­sagte. Nicole B. war bei der Tat nicht anwe­send.

Patrick Sch.s Anwalt wies die Anschuldigung als unwahr zurück. Die
über­raschende Wen­dung im Prozess führte zu ein­er Ver­schiebung der geplanten
Plä­doy­ers. Das Urteil wird für Dien­stag erwartet.

Wende im Prozess um Tod eines Rus­s­land­deutschen

(MOZ) Im Prozess um den gewalt­samen Tod eines
Rus­s­land­deutschen aus Witt­stock hat es eine über­raschende Wen­dung gegeben.
Wider­sprüch­liche Aus­sagen der Angeklagten sorgten am Mittwoch für Ver­wirrung
im Gerichtssaal. Deshalb mussten die Plä­doy­ers von Staat­san­waltschaft und
Neben­klage ver­schoben wer­den.

Erst­mals gab der Angeklagte Patrick S. eine Erk­lärung vor Gericht ab. Darin
sagte der 22-Jährige, er sei von einem anderen Spä­taussiedler, dem Begleit­er
des späteren Opfers, ange­grif­f­en wor­den und habe sich lediglich gewehrt.
Daraufhin meldete sich sein Mitangeklagter Marko F. zu Wort. Er sagte aus,
dass Patrick S. den Stein nach dem Rus­s­land­deutschen gewor­fen habe. Dies
habe er allerd­ings nicht selb­st gese­hen. Patrick S. habe ihm dies nach der
Tat ges­tanden. Die Staat­san­waltschaft war in der Anklageschrift davon
aus­ge­gan­gen, dass Marko F. das 24-jährige Opfer mit einem Stein erschla­gen
hat.

In dem Prozess müssen sich fünf Män­ner wegen Totschlags und ver­sucht­en
Totschlags ver­ant­worten. Sie sollen den Rus­s­land­deutschen im Mai 2002 vor
ein­er Tanz­gast­stätte ange­grif­f­en haben. Der Angeklagte Markus F. soll das
Opfer dann mit einem Stein erschla­gen. In dem Mam­mutver­fahren waren über 50
Zeu­gen und mehrere Gutachter gehört wor­den.
«Jet­zt muss abge­wartet wer­den, wie die Kam­mer das bew­ertet», sagte ein
Sprech­er des Landgericht­es. Die Neben­klage habe auf Grund der neuen
Sit­u­a­tion beantragt, am Fre­itag einen weit­eren Zeu­gen zu hören. Danach
kön­nten dann noch am Fre­itag die Plä­doy­ers von Staat­san­waltschaft und
Neben­klage und am Mon­tag der Schlussvor­trag der Vertei­di­gung gehört wer­den.

Am Dien­stag wird nach Angaben des Sprech­ers voraus­sichtlich das Urteil
gesprochen.
ste­hen die Plä­doy­ers an. Die Kam­mer will den Pla­nun­gen zufolge am Mittwoch
(9.00 Uhr) zunächst die Anträge von Staat­san­waltschaft und Neben­klage hören,
sagte ein Sprech­er des Landgerichts Neu­rup­pin. Am Fre­itag sollen dann die
Schlussvorträge der Vertei­di­ger fol­gen. Das Urteil wird für Mon­tag erwartet.

In dem Prozess müssen sich fünf Män­ner wegen Totschlags und ver­sucht­en
Totschlags ver­ant­worten. Sie sollen den Rus­s­land­deutschen im Mai 2002 vor
ein­er Tanz­gast­stätte ange­grif­f­en haben. Der Haup­tangeklagte Markus F. (21)
habe das 24-jährige Opfer dann mit einem Stein erschla­gen. In dem
Mam­mutver­fahren waren über 50 Zeu­gen und mehrere Gutachter gehört wor­den.

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