17. Januar 2003 · Quelle: Märkische Allgemeine

Asylbewerberheim Ludwigsfelde zieht ins ehemalige Lehrlingswohnheim

LUDWIGSFELDE Im ehe­ma­li­gen Lehrlingswohn­heim Birken­grund in
Ludwigsfelde
wird gehäm­mert und gebohrt, zurzeit sind Maler und Elek­trik­er im
Gebäude.
Auch Fahrzeuge vom Fuß­bo­den­leger ste­hen schon vor der Tür. Am 1. März
sollen
die 90 Asyl­be­wer­ber aus der Baracke nebe­nan hier einziehen. Das Haus
gehört
dem Kreis und ste­ht seit Eröff­nung des neuen Ober­stufen­zen­trums leer.
Für
Mar­ti­na Lehmann ist alles neu: das alte und das bish­erige Dom­izil. Sie
leit­et das Lud­wigs­felder Asyl­be­wer­ber­heim erst seit Jahres­be­ginn. Noch
hat
sie Mühe, Bewohn­er und Gäste auseinan­der zu hal­ten, geschweige denn,
dass
sie schon Namen der zum größten Teil aus Afri­ka Kom­menden kennt.
Erfahrung
mit Men­schen auf der Durchreise in solchen Heimen hat die 42-jährige
Sozialar­bei­t­erin allerd­ings: Sie leit­ete vier Jahre lang das Heim in
Jüter­bog. Jet­zt lernt sie die Örtlichkeit­en ken­nen und man­agt neben dem
dien­stlichen Umzug den pri­vat­en von Jüter­bog nach Berlin. Doch kein
Klopfen
an der Tür, keine Bitte der Män­ner oder der Mitar­beit­er und kein
Tele­fon­klin­geln brin­gen sie aus der Ruhe. Zwis­chen­durch schaut sie sich
Schränke an und muss fest­stellen, dass einige nicht mal mehr ein
Verrücken
über­leben wür­den. “Alle Möbel wer­den wir nicht mit rüber nehmen können,
aber
einiges muss noch hal­ten”, erk­lärt sie. Und dann ist da die
Zimmerbelegung:
Die Baracke hat 120 Plätze in Zwei- bis Sechs-Bett-Zim­mern, das neue
Domizil
hat auss­chließlich Drei-Bett-Zim­mer. “Da müssen wir schon ein bisschen
auf­passen und Wün­sche berück­sichti­gen, damit alle miteinan­der klar
kommen”,
sagt Mar­ti­na Lehmann. Aber eines weiß sie schon genau: “Es wird dort
drüben
auf jeden Fall ruhiger — das Haus hat dicke Wände.” Im Gegen­satz zur
Baracke, wo man laute Worte auch noch zwei Zim­mer weit­er hört.
Illusionen
über die Hil­fe der Asyl­be­wer­ber selb­st beim Umziehen und Ein­räu­men hat
sie
keine: “Wer ger­ade kommt, bringt vielle­icht noch Elan mit. Aber wer
sieht,
dass er keine Chance hat hierzubleiben und weiß, dass es für ihn zurück
geht
…” Einige warten schon zwei Jahre nach Ablehnung ihres Asylantrags
auf
Heimkehr. “Das kann es geben wenn der Pass fehlt und die Identität
nicht
gek­lärt ist”, sagt Mar­ti­na Lehmann. Einige der in Lud­wigs­felde lebenden
Asyl­be­wer­ber wohnen seit Eröff­nung des Heims 1992 in dieser Baracke.
Beherbergt hat­te die schon zu DDR-Zeit­en Aus­län­der: vietnamesische
Ver­tragsar­beit­er, die ins IFA-Autow­erk geholt wur­den. Bei
Sicher­heit­skon­trollen, die der Kreis regelmäßig machen lassen muss, war
nun
seit län­gerem fest­gestellt wor­den, dass die Elek­troan­lage dringend
sanierungs­bedürftig ist, dass Wände der San­itär­räume nass sind und
schim­meln. Auch wenn bei den zweit­stel­li­gen Minus­graden der zurück
liegenden
Wochen nie­mand frieren musste — “es ist wirk­lich nicht mehr zumutbar,
Men­schen dort wohnen zu lassen”, sagt Karin Schreiber, Erste
Beigeordnete
des Kreis­es. 210 000 Euro darf der Umzug ins neue Über­gangswohn­heim für
Asyl­be­wer­ber kosten, so viel Geld ist im diesjähri­gen Kreishaushalt
dafür
vorgesehen.

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