21. November 2001 · Quelle: Märkische Allgemeine

Ausgeliefert: Mahnmal soll an die jüdischen Bürger Neuruppins erinnern

NEURUPPIN Nor­bert Arndt hat Prob­leme damit, den Zettel festzuhal­ten, auf dem er sich Noti­zen gemacht hat. Seine Fin­ger zit­tern eben­so wie seine Stimme. Der Ver­wal­ter des Neu­rup­pin­er evan­ge­lis­chen Fried­hofes ringt mit den Trä­nen. Sein Blick trifft auf erstar­rte Gesichter. Neu­rup­pin­er Ein­wohn­er lauschen seinen Worten. Sie sind ergriffen.
Eigentlich sollte dies ein Tag der Freude sein, denn das Mah­n­mal “Aus­geliefert” für die jüdis­chen Bürg­er Neu­rup­pins kon­nte gestern auf dem Fried­hof der Öffentlichkeit übergeben wer­den. Aber Arndt und den rund 100 Gästen war nicht nach Freude zu Mute. Schließlich verbinde sich mit dem Mah­n­mal eines der dunkel­sten Kapi­tel Neu­rup­pin­er Geschichte.
Arndt erin­nerte an die vie­len Juden, die ver­fol­gt und meist auch deportiert wur­den, und warnte davor, den Blick abzuwen­den, die Augen vor Hass und Recht­sradikalis­mus zu ver­schließen. Mit der von Wieland Schmiedel ent­wor­fe­nen Fig­uren­gruppe solle an die dun­kle Ver­gan­gen­heit erin­nert wer­den. Ger­ade vor dem Hin­ter­grund der Ereignisse in den USA und des Krieges in Afghanistan sei Rückbesin­nung erforder­lich. “Der tapfere deutsche Sol­dat wird wieder poli­tik­fähig”, so Arndt. Dies müsse kri­tisch reflek­tiert werden.
Dieser Ansicht ist auch Andreas Nachama. Der Vor­sitzende der Berlin­er Ausstel­lung “Topogra­phie des Ter­rors” betonte, dass Mord niemals die richtige Antwort auf Ter­ror sein könne. Die demokratisch gesin­nten Men­schen müssten sich wehren, indem sie aufeinan­der zugehen.
Viele Neu­rup­pin­er zeigten sich glück­lich, dass nun endlich der jüdis­che Fried­hof eine “angemessene Umrah­mung” gefun­den habe. Heinz-Joachim Karau, der sich selb­st viel mit der Geschichte jüdis­ch­er Bürg­er beschäftigt hat, hofft, dass Schmiedels Werk ein Stolper­stein wird. Der frühere Neu­rup­pin­er Pfar­rer sieht in den sieben Fig­uren ein Mah­n­mal und eine Auf­forderung zum Nach­denken über jüdis­che Geschichte. Erin­nern, ver­ste­hen, disku­tieren: Was sich mit dem Denkmal verbinden soll, lebten gut 150 Gäste bere­its gestern Abend in der Aula des Schinkel­gym­na­si­ums aus. Sie fol­gten His­torik­er-Vorträ­gen zur Geschichte der Neu­rup­pin­er Juden und zur Rolle von Denkmälern in Deutschland. 

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