19. April 2005 · Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten

Außenkommando Griebnitzsee auf Uni-Gelände

Pots­dam-Babels­berg — Eine Tafel zum Gedenken an die Häftlinge des Außenkom­man­dos Grieb­nitzsee, ein­er Außen­stelle des Konzen­tra­tionslagers (KZ) Sach­sen­hausen, ste­ht seit gestern vor der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek in Babels­berg-Grieb­nitzsee. Der Vere­in „Fre­undin­nen des Deutschen Sach­sen­hausenkomi­tees“ (FdDSk), das Links­bünd­nis „Mad­stop“ und der All­ge­meinen Studieren­den-Auss­chuss (Asta) der Uni­ver­sität Pots­dam haben sie gestern um 16.30 Uhr auf dem Uni­ver­sitäts­gelände aufgestellt.

Erin­nern soll die Tafel an die Inhaftierten, die zwis­chen Juli 1944 und März 1945 auf dem Gelände, auf dem sich heute die Uni­ver­sität befind­et, Zwangsar­beit ver­richt­en mussten. Für die Tief­bau­fir­ma „Polen­sky und Zöll­ner“ sollen etwa 100 KZ-Häftlinge auf dem dama­li­gen Are­al des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) einen mehrstöck­i­gen Luftschutzbunker gebaut haben. Genutzt hät­ten diesen Bunker haupt­säch­lich DRK-Mitar­beit­er und Bewohn­er der Babels­berg­er Umge­bung, sagt His­torik­erin Almuth Püschel.

Die Pots­damerin sei nur zufäl­lig bei Recherchen über das Gelän­des des ehe­ma­li­gen DRK-Prä­sid­i­ums zu ihrem Buch „Zwangsar­beit in Pots­dam“ auf Liefer­scheine über Kohlen für das Konzen­tra­tionslager gestoßen. Später habe sie für das Pro­jekt „Orte des Ter­rors“ der Tech­nis­chen Uni­ver­sität Berlin die Geschichte des KZ weit­er nachge­forscht. Bestand­slis­ten des Lagers Sach­sen­hausens, Aus­sagen eines ehe­ma­li­gen Häftlings und eine Zeitzeu­g­in, die während des Zweit­en Weltkriegs in der Vil­lenkolonie Neu Babels­berg in „direk­ter Nach­barschaft zu den Häftlin­gen hin­ter Stachel­draht“ wohnte, wür­den den Ein­satz der KZ-Häftlinge als Zwangsar­beit­er bele­gen. Außer­dem sei das Außenkom­man­do im großen Kat­a­log des DRK-Such­di­enst in Bad Arolsen bere­its 1969 erwäh­nt wor­den. Die Hochschulleitung genehmigte die Gedenk­tafel erst ein­mal als „pro­vi­sorische“ Erin­nerungsauf­forderung. „Auf Dauer“ soll den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus aber „ein angemessenes und würdi­ges Gedächt­nis bere­it­et wer­den“, so Bar­bara Eckardt von der Uni­ver­sität. Vera Dost von den FdDSk forderte gestern die Hochschule auf, die Tafel wirk­lich durch eine „dauer­hafte zu erset­zen, um das Gedenken auch in Zukun­ft möglich zu machen.“ An der feier­lichen Enthül­lung der Gedenk­tafel nah­men gestern knapp 50 Men­schen teil, darunter viele Stu­den­ten der Uni­ver­sität. Nils Naber von Bünd­nis 90/Die Grü­nen, legte gestern Blu­men an der Tafel nieder. Für ihn „bleibt es eine wichtige Auf­gabe, den Qualen der Häftlinge an den Orten des Ver­brechens zu gedenken.“ Der 60. Jahrestag der Befreiung des KZ sei laut Dost das erste Mal, dass den Häftlin­gen des Außenkom­man­dos Grieb­nitzsee gedacht wor­den sei.

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