25. Mai 2006 · Quelle: www.ostblog.de

Ausstellung gegen Homophobie an der Viadrina verboten

UPDATE (24.05, 18:00 Uhr): Der Leit­er des Col­legium Polonicum Krzysztof Woj­ciechows­ki hat beschlossen mor­gen (pünk­tlich zum Pap­st­be­such am 25. Mai) die Fotos von gle­ichgeschlechtlichen Paaren durch den Tech­nis­chen Dienst des CP aus dem Gebäude ent­fer­nen zu lassen. Die Galerie wird so aus dem Uni­ver­sitäts-Foy­er, wo sie für eine bre­ite Öff­fentlichkeit frei zugänglich gewe­sen ist in einen abschlies­baren eso­ter­ischen Kun­st-Raum hin­aus­geekelt. Bra­vo Herr Woj­ciechows­ki für diese “inter­es­sant” inter­pretierte Gen­der-Main­stream­ing-Maß­nahme!

Die vor weniger als sechs Tagen am Col­legium Polonicum eröffnete Foto-Ausstel­lung gegen Hom­pho­bie unter dem Titel “Niech nas zobaczą” [Sollen sie uns doch sehen] soll nach Angaben der Ver­anstal­terIn­nen durch den Rek­tor der pol­nis­chen Part­neruni­ver­sität in Poz­nań ver­boten wer­den. Zwei pol­nis­che Lehrkräfte fan­den die im Foy­er der Ein­rich­tung aufge­hängten Fotos von gle­ichgeschlechtlichen Paaren anstößig und dro­ht­en damit ihre Tätigkeit an der Uni­ver­sität zu been­den „wenn diese weit­er­hin Wer­bung für Homo­sex­u­al­ität betreiben sollte“. Der Geolo­gie Pro­fes­sor Woj­ciech Stankows­ki soll dabei gedro­ht haben andere Lehrkräfte eventuell zu einem Boykott des Col­legiums aufzu­rufen. Inof­fiziell haben wir erfahren, dass der Rek­tor der Part­neruni­ver­sität in Poz­nań die Genehmi­gung für die Ausstel­lung aus diesem Grund nun zurückziehen will – erk­lärt Jola Gam­buś, Mitver­anstal­terin der Vernissage.

Protestschreiben kön­nen an den Leit­er des Col­legium Polonicum gerichtet wer­den:

Krzysztof Woj­ciechows­ki

Col­legium Polonicum

Große Schar­rn­straße 59

15230 Frank­furt (Oder)

Tel.: +49 (0) 335 5534 16 401

E‑mail: colpol@euv-frankfurt‑o.de

Die Fotos wur­den im Rah­men eines deutsch-pol­nis­chen Work­shops von Prof. Boże­na Chołuj (Ver­gle­ichende Mittel€pastudien) und Dr. Dorothea Dorn­hof (Trans­for­ma­tio­nen von Wis­sen, Men­sch und Geschlecht) zum The­ma „Kul­turelle Hege­monie und Geschlecht“ am Col­legium Polonicum vorgestellt. Das Col­legium Polonicum ist eine gemein­same wis­senschaftliche Ein­rich­tung der Europa-Uni­ver­sität Viad­ri­na und der Adam-Mick­iewicz Uni­ver­sität in Poz­nań. Sie ist eine wichtiges Begeg­nungszen­trum für den Bere­ich Wis­senschaft und Kul­tur zwis­chen bei­den Län­dern.

Ver­anstal­terIn­nen der Vernissage ist eine Gruppe junger Frauen die sich vor eini­gen Jahren in ein­er informellen Gruppe GENDA zusam­mengeschlossen hat und The­men wie Gle­ich­berech­ti­gung und Frauen­rechte bear­beit­et. Die Ausstel­lung ent­stand als ein Pro­jekt der pol­nis­chen Kam­pagne gegen Homo­pho­bie, ein­er seit 2001 täti­gen NGO, die Bil­dungs- und Aufk­lärungs­maß­nah­men gegen Schwu­len­feindlichkeit anbi­etet. Öffentliche Aufmerk­samkeit erlangte die NGO als Mitor­gan­isatorin der Gle­ich­berech­ti­gungs-Demos in Polen.

Die Ausstel­lung “Niech nas zobaczą” beste­ht aus 30 Fotos von gle­ichgeschlechtlichen Paaren. Es war nicht leicht 15 Män­ner und 15 Frauen in Polen zu find­en, die den Mut besitzen als Mod­el für die Galerie zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Einige haben aus Angst, nach dem die Ausstel­lung in anderen Städten ange­grif­f­en wurde, die weit­ere Ver­wen­dung ihrer Porträts unter­sagt.

Die Por­traits der Autorin Karoli­na Berguła scheinen jedoch wenig kon­tro­vers. Die Bilder strahlen vielmehr Monot­o­nie, ja Alltäglichkeit aus. Doch eben dieser Effekt war erwün­scht um die Nor­mal­ität des schwul-les­bis­chen Lebens wiederzugeben. Der Name der Ausstel­lung „Sollen sie uns doch sehen“ ist deshalb Pro­gramm. Schwul sein in Polen ist immer noch keines Wegs eine Alltäglichkeit. Erst vor weni­gen Tagen nahm das staatliche Fernse­hen
Wer­bung von Damen­binden, Tam­pons und Toi­let­ten­pa­pi­er aus dem Pro­gramm. Man möchte nicht das Anse­hen des Pap­stes Benedikt des XVI während seines Polen-Besuchs ver­let­zen, hieß es in der offiziellen Begrün­dung.

Mit der­sel­ben Begrün­dung wurde im Novem­ber ein Umzug der Gle­ich­berech­ti­gungs-Demo durch Poz­nan von dem dor­ti­gen Bürg­er­meis­ter Gro­bel­ny (PO) ver­boten.

„Die Foto-Ausstel­lung ist keine pri­vate Ini­tia­tive, son­dern eine Ver­anstal­tung im Rah­men des Deutsch-Pol­nis­chen Jahres. Sie wird vom deutschen Bil­dungsmin­is­teri­um finanziert. Aus diesem Grund erwarten wir eine schriftliche Begrün­dung der Rück­nahme der Genehmi­gung“ sagte gegenüber dem ost­blog Boże­na Chołuj.

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