4. März 2005 · Quelle: Juri Eber

Bad Freienwalde und die Zustände

Bad Freien­walde ist eine Kle­in­stadt, wie es viele im Land Bran­den­burg gibt.
Pöbeleien auf offen­er Straße gegen alter­na­tive, obdachlose und nicht-rechte
Jugendliche sind an der Tage­sor­d­nung, gar all­ge­gen­wär­tig. Die Stadt leugnet ein
Vorhan­den­sein rechter Struk­turen und so sehen auch die Gegen­maß­nah­men aus: es gibt
keine.

Einzig und allein die Bad Freien­walder Alter­na­tive und die JungdemokratIn­nen / Junge
Linke Bad Freien­walde posi­tion­ieren sich klar gegen alltäglichen Ras­sis­mus und
Neo-Nazis in Bad Freien­walde und ander­swo. Dieses Engage­ment macht sie immer wieder
zum Ziel der Neo-Nazis. In den let­zten Monat­en wird das Asyl (von der Bad
Freien­walder Alter­na­tive ver­wal­tete Räume, die einzi­gen links-alter­na­tiv­en Räume in
Bad Freien­walde) immer wieder ange­grif­f­en und belagert.

Einige dieser Tage …

Am 6.1.05 beispiel­sweise war die örtliche “Offi-Dis­co” mal wieder mit Neo-Nazis
gefüllt. Begrüßt wird sich dort nicht sel­ten mit dem “Hitler — Gruß” oder mit “Heil
— Hitler” — rufen. Als sich die Par­ty dem Ende neigte, schlu­gen sie einen
Jugendlichen zusam­men, der sich dabei das Nasen­bein brach. Es musste der
Kranken­wa­gen geholt wer­den.

Am darauf fol­gen­den Tag “besuchte” ein Mob von 15 — 20 Neo-Nazis aber­mals das Asyl,
war­fen Flaschen auf BesucherIn­nen und belagerten es stun­den­lang, bis die Polizei
ein­traf.

Diese “Besuche” gab es des öfteren und so wurde mehrmals die Klin­gel abgeschla­gen,
Aufk­le­ber des “Nationalen und Sozialen Aktions­bünd­niss­es Mit­teldeutsch­land (NSAM)”
verklebt, Plakate der “Anti ‑Antifa” plakatiert und Sprayere­in mit den Kürzel “NSBA
und AN MOL an der Wand des Asyls aufge­fun­den.

Am ver­gan­genen Fre­itag, den 25.2. gab es wieder­holt Auseinan­der­set­zun­gen. Neo-Nazis
ran­dalierten vor dem Offi und trat­en gegen die Türen des Asyls, um die meist
jugendlichen BesucherIn­nen einzuschüchtern. Die eingetrof­fene Polizei erteilte
eini­gen Neo-Nazis Platzver­weise und beschlagnahmte einen Base­ballschläger.

Prob­leme mit nation­al­sozial­is­tisch Denk­enden sind nicht neu in Bad Freien­walde.
Selb­st die let­zen großen Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen Linken und Recht­en erregte
keine spür­bare Aufmerk­samkeit der “son­st so engagierten Zivilge­sellschaft”. Ob es
nach Massen­schlägereien von 1998/1999 ist, wo u.a. auch Gor­don Rhein­holz teil­nahm
oder nach der Het­z­jagd auf alter­na­tive Jugendliche im Herb­st vorheri­gen Jahres — die
“Stad­to­ber­häupter” beschäfti­gen sich weit­er mit Aus­besserun­gen von Straßen die zum
Moor­bad führen.

infos unter www.jdjl-frw.de.vu und www.bfa2001.net

Chronolo­gie Rechter Über­griffe seit Juni 2003

25.02.2005 — Bad Freien­walde — Asyl — Neo-Nazis ran­dalierten vor dem Offi und trat­en
gegen die Türen des Asyls zur Ein­schüchterung. Die eingetrof­fene Polizei erteilte
eini­gen Neo-Nazis Platzver­weise und beschlagnahmte einen Base­ballschläger.

07.01.2005 — Bad Freien­walde — Asyl — 15 — 20 Neo-Nazis “besucht­en” aber­mals das
Asyl, war­fen Flaschen auf BesucherIn­nen und belagerten es stun­den, bis die Polizei
ein­traf.

06.01.2005 — Bad Freien­walde — Asyl — Als sich eine Par­ty des Off­is dem Ende neigte,
schlu­gen sie einen Jugendlichen zusam­men, der sich dabei das Nasen­bein brach. Es
musste der Kranken­wa­gen geholt wer­den.

29.09.2004 — Wriezen — 4 jugendliche Neon­azis sind unter Sieg-Heil-rufen grölend
durch die Stadt gezo­gen. Die Polizei wurde gerufen. In der Zeit, die die Polizei
brauchte gin­gen die jugendlichen zum Bahn­hof und fragten dort jeman­dem nach ein­er
Zigarette. Der­jenige war taub-stumm, kon­nte sie also nicht ver­ste­hen. Er wurde
daraufhin zusam­mengeschla­gen. Die bald ein­tr­e­f­fende Polizei nahm die 4 fest. 3 aus
Wriezen, ein­er aus Wöl­sick­endorf.

23.08.2004 — Bad Freien­walde — Polizist von Ruh­estör­er ange­grif­f­en — Sam­stagabend
schrit­ten Polizeibeamte gegen 22:00 Uhr wegen mehrerer Ruh­estörun­gen in der
Karl-Marx-Straße (Markt) ein und stell­ten die Per­son­alien ein­er Gruppe von
Jugendlichen fest. Ein 22-Jähriger weigerte sich, seine Per­son­alien anzugeben und
wurde zunächst ver­bal aggres­siv. Nach­dem er zur Iden­titäts­fest­stel­lung in Gewahrsam
genom­men wer­den sollte, set­zte er den Beamten erhe­bliche kör­per­liche Gewalt
ent­ge­gen, so daß ihm Hand­fes­seln angelegt wer­den mußten. Eine Atemalko­holkon­trolle
ergab einen Wert von über 2,2 Promille. Gegen ihn wird nun unter anderem wegen
Wider­stands gegen Voll­streck­ungs­beamte und wegen Ver­wen­dens von Kennze­ichen
ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen ermit­telt. (Quelle: MAZ)

22.08.2004 — Wriezen — Drei Recht­sradikale im Alter von 18 und 19 Jahren
beschädigten vom 22.08.04 bis zum 24.08.04 an fünf Asia- und Dön­er-Imbis­sen in
Wriezen, Letschin und Neuhard­en­berg. Der Schaden beläuft sich auf 9000 Euro.
(Quelle: MAZ — 27.08.04)

20.08.2004 — Bad Freien­walde — Het­z­jagd auf alter­na­tive Jugendliche in Bad
Freien­walde — 2 Jugendliche wer­den mit Sieg-Heil “begrüßt”. Ihnen wer­den Flaschen
hin­ter­her gewor­fen.

04.06.2004 — Wriezen — Ein 15-jähriger geistig behin­dert­er Jugendlich­er wurde gegen
19 Uhr auf dem Mark­platz von einem gle­ichal­tri­gen Mäd­chen ras­sis­tisch belei­digt und
mit ein­er Rasierklinge am Hals lebens­ge­fährlich ver­let­zt. (Quelle: MOZ)

09.10.2003 — Wriezen — Ein 33-jähriger Asyl­be­wer­ber aus Kamerun wurde am Abend auf
dem Weg in das Heim Kuners­dorf von drei 16- bis 21-jähri­gen Recht­sradikalen
ras­sis­tisch beschimpft und mehrmals ins Gesicht geschla­gen und ver­let­zt. Eine
18-jährige Frau bespuck­te ihn dann. (Quelle: MAZ)

27.06.2003 — Bad Freienwalde/Berliner Berg — Auf dem Weg vom “Parkeck” zur Wald­stadt
wurde 3 Män­nern im Alter von 16–17 Jahren aufge­lauert und von 2 unbekan­nten
Muskulösen Män­ner (Alter ca. 25) mit ein­er Axt bedro­ht.

27.06.2003 — Bad Freienwalde/Berliner Berg — 2 Mäd­chen wurde aufge­lauert und sie
wur­den von 2 unbekan­nten Muskulösen Män­ner (Alter ca. 25) mit ein­er Axt bedro­ht

05.06.2003 — Neuen­hagen — Rechte prügel­ten am Her­rentag — Eine Gruppe etwa sieben
alter­na­tiv ausse­hen­den Jugendlichen grillte und feierte den ganzen Tag über am
Strand des Debbe­sees. Nach einiger Zeit park­te ein mit Recht­en beset­ztes Auto nur
wenige Meter weit ent­fer­nt von der feiern­den Gruppe. Die Recht­en pöbel­ten und hörten
laut Naz­imusik, bericht­en Zeu­gen des Vor­falls.
Die Sit­u­a­tion blieb den­noch lange Zeit friedlich, bis am Abend weit­ere Rechte -
offen­bar per Mobil­tele­fon her­beigerufen — vor Ort erschienen. Sogle­ich fin­gen die
nun etwa 15 bis 20 Nazis an, auf die Gruppe der von ihnen als “Zeck­en”
iden­ti­fizierten Jugendlichen einzuprügeln. Die Bilanz der Schlägerei: ein ver­let­zter
Nazi und ins­ge­samt drei Ver­let­zte unter den Ange­grif­f­e­nen — ein Opfer erlitt einen
Nasen­bein­bruch, der operiert wer­den musste, ein weit­er­er eine Gehirn­er­schüt­terung.
Schätzungsweise eine Stunde nach dem Angriff traf die Polizei ein. Die Haupt­täter
waren zu diesem Zeit­punkt — so die Zeu­gen — schon ver­schwun­den, einige andere Rechte
aber noch vor Ort. Anzeige wegen des Über­griffs wurde erstat­tet.

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