28. Juni 2004 · Quelle: MOZ

Bauern wehren sich gegen den Anbau von Gen-Mais

(MOZ, 27.6.04) Frank­furt (Oder) Dass auf vier märkischen Feldern Gen-Mais ange­baut wird, sorgt bei vie­len Bauern für Arg­wohn. Ein neues Bünd­nis will nun die Gen­tech­nik aus Bran­den­burgs Land­wirtschaft ver­ban­nen.

“Gen­tech­nikfreie Region Märkisch-Oder­land” — das klingt nach Öko-Aktivis­mus. Und doch sind nur vier Biobauern unter den 30 Land­wirten, die sich im Mai verpflichtet haben, auf ihren ins­ge­samt 16000 Hek­tar bei Seelow keine
gen­tech­nisch verän­derten Organ­is­men anzupflanzen. “Wir haben Angst, dass wir durch den Anbau in Mitlei­den­schaft gezo­gen wer­den”, sagt Nils Klop­progge. Die Risiken, die sich aus der Auskreuzung von manip­ulierten Pflanzen auf
Nach­bar­feldern ergeben kön­nten, seien noch über­haupt nicht abschätzbar.

Auch im Spree­wald und an der Gren­ze von Barn­im und Uck­er­mark gibt es solche Zusam­men­schlüsse. “Auf Dauer führt dieses Reser­vats­denken aber nicht weit­er”, sagt Jakob Gan­ten, Sprech­er des “Aktions­bünd­niss­es gen­tech­nikfreie
Land­wirtschaft Berlin-Bran­den­burg”. Die Land­wirte, Anbau­ver­bände, Umwel­tor­gan­i­sa­tio­nen und übri­gen Grup­pen, die das Bünd­nis unlängst gegrün­det haben, wollen Biotech-Gewächse ganz aus Bran­den­burg ver­ban­nen. “Als näch­stes wollen wir weit­ere gen­tech­nikfreie Regio­nen organ­isieren”, sagt Nora Mannhardt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen Gen-Arbeits­gruppe das Bünd­nis angeschoben hat­te. Schw­er­punkt werde aber die
Öffentlichkeit­sar­beit sein; konkrete Aktio­nen wür­den beim näch­sten Tre­f­fen am 1. Juli geplant.

Den Lan­des­bauern­ver­band haben die Aktivis­ten dabei nicht auf ihrer Seite. Zwar sagt dessen Sprech­er Hol­ger Brantsch: “Die gen­tech­nikfreien Zonen sind eine tolle Sache, wenn die das durch­hal­ten kön­nen.” Das Bünd­nis habe aber eine
“ein­deutige Ori­en­tierung”, die der Ver­band nicht mit­tra­gen könne: “Wir sprechen uns nicht für oder gegen Gen­tech­nik aus, son­dern sind für die Koex­is­tenz aller For­men der Land­wirtschaft.”

Ein “Herumgeiere” sei das, find­et Rein­hard Jung, Geschäfts­führer des konkur­ri­eren­den Bauern­bun­des, der rund 200 Fam­i­lien­be­triebe ver­tritt: “Es kann keine Koex­is­tenz geben, weil eine Ver­mis­chung der Pflanzen auch über
große Dis­tanzen hin­weg möglich ist.” Retorten-Gemüse sei über­flüs­sig, weil es lediglich Bewirtschaf­tungs­fehler kaschiere: Halte man etwa die Frucht­folge
ein, brauche man keinen Schädlings-resisten­ten Mais, weil der oft als Beispiel ange­führte Maiszünsler dann gar nicht erst auftrete. Set­ze sich die Hochtech­nolo­gie durch, wür­den zudem kleine Saatgut­fir­men durch inter­na­tionale
Konz­erne ver­drängt, die dann die Preise dik­tieren kön­nten. “An dem Bünd­nis wird sich der Bauern­bund auf jedem Fall beteili­gen”, kündigt Jung an.

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