21. Februar 2016 · Quelle: Refugee LBGTI Conference

Because Love has no Borders!

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In vie­len Nation­al­staat­en haben LGBTIs mit gesellschaftlich­er Aus­gren­zung und staatlich­er Repres­sion zu kämpfen. Mag es in eini­gen Großstädten noch Rück­zugsräume geben, in denen Men­schen sich frei ent­fal­ten kön­nen, so ist diese Anonymität in ländlichen Regio­nen nicht gegeben, sodass das alltägliche Leben extrem erschw­ert wird. Das Ausleben von Per­sön­lichkeit und sex­ueller Ori­en­tierung abseits von het­ero­nor­ma­tiv­en Iden­titäts- und Beziehungsvorstel­lun­gen ist nahezu unmöglich. Es dro­hen staatliche Ver­fol­gung, Aus­gren­zung, Über­griffe und teil­weise auch der Tod, wenn sich eine Per­son öffentlich zu ihrer Sex­u­al­ität und Iden­tität beken­nt.
Seit 2011 ver­schlechtert sich beispiel­sweise die Sit­u­a­tion für rus­sis­che LGBTIs rapi­de. Die ohne­hin prekäre Lage wird durch Geset­ze gegen „Homo­sex­uelle Pro­pa­gan­da“, unter dem Vor­wand Min­der­jährige vor Pädophilen zu schützen, ver­stärkt. Die zuerst auf kom­mu­naler und seit Juni 2013 auch auf föderaler Ebene gel­tenden Geset­ze machen das Leben als offen homo‑, bi‑, trans‑, inter­sex­uelle oder queere Per­son unmöglich. Neben den, vom Staat tolerierten, Belei­di­gun­gen, Erniedri­gun­gen und Angrif­f­en durch oft­mals patri­o­tis­che bis neon­azis­tis­che Grup­pen, dro­hen nun bei offen­em Beken­nt­nis in der ganzen Rus­sis­chen Föder­a­tion Geld- und Haft­strafen.
Die schwierige und mitunter (lebens-) gefährliche Sit­u­a­tion in Rus­s­land ist jedoch nur ein Beispiel von vie­len – in großen Teilen der Welt ist die Repres­sion und (kör­per­liche) Gefahr für LGBTIs ähn­lich oder größer, beson­ders sei hiebei auf afrikanis­che und ara­bis­che Län­dern hingewiesen, in denen zum Teil die Todesstrafe auf Homo­sex­u­al­ität ver­hängt wird.
Die logis­che Kon­se­quenz aus diesen Entwick­lun­gen und Sit­u­a­tio­nen ist, dass viele LGBTIs gezwun­gen sind ihr Herkun­ft­s­land zu ver­lassen. Ger­ade aus der Rus­sis­chen Föder­a­tion kom­men momen­tan viele Betrof­fene, auch nach Bran­den­burg an der Hav­el. Im Zuge dessen ent­stand in unser­er Stadt eine kleine rus­sis­che LGBTI-Com­mu­ni­ty. Bere­its die erste Per­son war von Angrif­f­en in der Geflüchtete­nun­terkun­ft und der Igno­ranz und Untätigkeit der Unterkun­ft­sleitung in Bezug auf ihre beson­dere Lage betrof­fen. Mit vie­len Prob­le­men wur­den wir durch die Begleitung von ihr erst­mals kon­fron­tiert. Wir mussten uns und nicht zulet­zt auch immer die Geflüchteten weit­er­bilden um mit den Prob­le­men umge­hen und let­z­tendlich viele lösen zu kön­nen. Durch diese stetige (Selb­st-) Bil­dung ist die betr­e­f­fende Per­son mit­tler­weile eine bun­desweite Ansprech­part­ner­in für rus­sis­che LGBTI-Geflüchtete gewor­den. Wir stell­ten mit großem Bedauern fest, dass Über­griffe auf LGBTIs in den Unterkün­ften eher die Regal statt die Aus­nahme ist. Einige Betrof­fene ver­lassen ihre Zim­mer nur im Not­fall und dies unter größter Angst. Das erhoffte Leben in Frei­heit und ohne Diskri­m­inierung rückt in weite Ferne. Beson­ders schlimm ist es für Geflüchtete in kleinen Gemein­den, in denen es keine Tre­ff­punk­te für LGBTIs oder anonyme Rück­zugsräume gibt. Mit­tler­weile haben LGBTI-Organ­i­sa­tio­nen in Deutsch­land dieses Prob­lem erkan­nt und es wurde jew­eils in Berlin und in Nürn­berg eine Unterkun­ft speziell für LGBTI-Geflüchtete ein­gerichtet. Auch in Dres­den gibt es Pro­jek­te, die sich zum Ziel geset­zt haben LGBTIs dezen­tral unterzubrin­gen. Des Weit­eren ist eine Spezial­isierung von Geflüchtetenunterstützer_innen sowie die Entste­hung neuer Grup­pen, wie auch die unsere, zu beobacht­en, die sich dieser speziellen Gruppe, die je nach Quelle zwis­chen einem und fünf Prozent unter den Geflüchteten aus­macht, wid­met.
Viele geflüchtete LGBTIs sind über soziale Net­zw­erke extrem gut miteinan­der ver­net­zt, so auch die Men­schen aus Bran­den­burg an der Hav­el. Wir als Geflüchtetenunterstützer_innen wur­den somit wieder­holt mit den speziellen Prob­le­men von LGBTIs in ganz Deutsch­land und ihrer Hil­flosigkeit und ihrer Isolierung kon­fron­tiert. Durch zahlre­iche Gespräche und Diskus­sio­nen mit LGBTIs vor Ort entwick­elte sich die Idee eines großen Tre­f­fens für geflüchtete LGBTIs und ihrer Unterstützer_innen. Es bildete sich ein Orgateam aus Einzelper­so­n­en mit den ver­schieden­sten poli­tis­chen und sozialen Hin­ter­grün­den. Einige sind schon seit Jahren in radikalen Grup­pen oder in poli­tis­chen Parteien aktiv, für andere ist es das erste poli­tis­che Pro­jekt, wieder andere sind geflüchtet und waren in ihren Herkun­ft­s­land poli­tisch aktiv. Schnell bilde­ten sich in Diskus­sio­nen drei Ziele für die nun „Refugee-LGBTI-Con­fer­ence“ genan­nte und auf das Woch­enende vom 15. bis 17. April ter­minierte Ver­anstal­tung her­aus:
1. (Weit­er-) Bil­dung für Geflüchtete und Unterstützer_innen,
2. Ken­nen­ler­nen, Net­zw­erken und Spaß haben
3. Öffentliche Aufmerk­samkeit für die Lage von LGBTI-Geflüchteten zu schaf­fen

Um all diesen Punk­ten gerecht zu wer­den, wird es ver­schiedene Aktions­for­men geben. So ist eine Podi­ums­diskus­sion mit anschließen­der Par­ty für den Fre­itag geplant. Am Sam­stag wird es diverse Work­shops speziell für Geflüchtete und Unterstützer_innen geben, diese haben zum Ziel die Men­schen auf die bevorste­hen­den Inter­views und das weit­ere Leben in Deutsch­land vorzu­bere­it­en. Auch dem Aspekt der Diskri­m­inierung und kör­per­lichen Angrif­f­en in den Unterkün­ften wird durch einen Selb­stvertei­di­gungswork­shop Rech­nung getra­gen. Am Son­ntag wer­den wir dann alle gemein­sam durch die Straßen der Havel­stadt ziehen und mit ein­er Gaypride-Demon­stra­tion auf die Lage von LGBTI-Geflüchteten aufmerk­sam machen. Ganz beson­ders liegt uns das Ken­nen­ler­nen und Ver­net­zen am Herzen, so haben wir geplant gemein­sam zu essen und viel Freiraum für den Aus­tausch zu lassen.
Infos unter: lgbti-conference.org
BECAUSE LOVE HAS NO BORDERSREFUGEE-LGBTI-CONFERENCE – 15. — 17. APRIL IN BRANDENBURG AN DER HAVEL

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