26. Dezember 2016 · Quelle: Refugee-LGBTIQ*-Conference

Because Love Still Has No Borders

Nach­dem dem Ende des sum­mer of migra­tion und der Schließung der europäis­chen Außen­gren­zen ist ist die Zahl der ank­om­menden, schutz­suchen­den Men­schen in Europa zurück­ge­gan­gen. Die Ursachen hier­für sind nicht etwa, die Lösung der Prob­leme, die die Men­schen dazu treibt alles aufzugeben und zu fliehen, son­dern die Ver­schär­fung der Geset­ze, die Kon­trolle der europäis­chen Außen­gren­zen und das Abkom­men mit der Türkei.
Flüch­t­ende Men­schen wer­den gezwun­gen an Europas Außen­gren­zen in Lagern zu vere­len­den oder ver­suchen auf immer gefährlicheren Routen nach Europa zu gelan­gen und viele ster­ben dabei. Wenn sie es doch nach Deutsch­land schaf­fen wer­den alle Reg­is­ter gezo­gen um ihren Antrag abzulehnen und ihnen das Leben wie die Inte­gra­tion zu erschw­eren: Dublin-III-Abkom­men, der Def­i­n­i­tion von ange­blich sichere Drittstaat­en und Herkun­ft­slän­dern, die Erschwerung des Fam­i­li­en­nachzugs, kaum Zugang und Benachteili­gung auf dem Arbeits­markt, Diskri­m­inierung durch die Behör­den.
LGBTIQ*s erwarten noch weit­ere Schwierigkeit­en, so zum Beispiel wenn ver­langt wird, dass sie ihre sex­uelle Aus­rich­tung beweisen, ihre Beziehun­gen und Lebenspart­ner­schaften nicht anerkan­nt wer­den, Sozialarbeiter_innen nicht genü­gend sen­si­bil­isiert sind und den Betrof­fe­nen rat­en ihre Sex­u­al­ität in den Masse­nun­terkün­ften zu ver­ber­gen um Ärg­er mit anderen Bewohner_innen vorzubeu­gen. Teil­weise sind Sozialarbeiter_innen und das BAMF kaum oder gar nicht sen­si­bil­isiert und kön­nen oder wollen bei (sex­u­al­isiert­er) Gewalt, egal ob ver­bal, psy­chisch oder kör­per­lich, nicht ein­greifen.
Während LGBTIQ* in vie­len Staat­en nicht nur gesellschaftlich­er Aus­gren­zung, son­dern auch struk­tureller Diskri­m­inierung und staatlich­er Repres­sion aus­ge­set­zt sind, die oft mit Haft, Folter und/oder Mord, min­destens aber mit dem Ver­bot eines Auslebens der eige­nen Sex­u­al­ität ein­her geht, sieht sich Deutsch­land gern in der Rolle des Morala­pos­tels. Doch auch hier gibt es die Aus­gren­zung von Lebensen­twür­fen jen­seits der Het­ero­nor­ma­tiv­ität, sei es die Anerken­nung ein­er Ehe, die Frage ob LGBTIQ*-Paare Kinder haben soll­ten oder über­haupt dür­fen oder die sim­ple Erwäh­nung nicht-het­ero­nor­ma­tiv­er Sex­u­a­len­twürfe im Rah­men des Sex­u­alkun­de­un­ter­richts.
Und all dies spiegelt sich im Umgang mit geflüchteten LGBTIQ*s wieder. Während es inner­halb des let­zten Jahres viele Fortschritte auf diesem Gebi­et gab, genan­nt seien hier spezielle Unterkün­fte oder neu geschaf­fene Ver­net­zun­gen, so bleiben doch alte Prob­leme weit­er­hin beste­hen, denn diese Verän­derun­gen betr­e­f­fen primär große Städte und die Ange­bote wer­den von NGOs geschaf­fen. Von staatlich­er Seite hat sich dies­bezüglich nahezu nichts geän­dert.
Um diesen Prob­le­men sowie der repres­siv­en und diskri­m­inieren­den Asyl­prax­is ent­ge­gen­zutreten, ist eine weit­ere Ver­net­zung von Geflüchteten wie Unterstützer_innen, (Selb­st-) Bil­dung und Sen­si­bil­isierung der Öffentlichkeit für die speziellen Bedürfnisse und Prob­le­men von geflüchteten LGBTIQ*s notwendig. Eben­so unab­d­ing­bar ist es einen Raum zu schaf­fen in dem Betrof­fene Zeit mit anderen Betrof­fe­nen ver­brin­gen kön­nen, unter sich sind und sich aus­tauschen kön­nen, und das nicht nur mit Per­so­n­en aus der gle­ichen Region, son­dern bun­desweit, denn meist sind die Men­schen in ihren Unterkün­ften isoliert und haben nur via Inter­net Kon­takt zu anderen LGBTIQ*s. Aus diesen Notwendigkeit­en und der pos­i­tiv­en Res­o­nanz der Teilnehmer_innen der let­zten Kon­ferenz stand für uns schon schnell fest, dass es ein weit­eres Pro­jekt geben wird. Die Ziele sind iden­tisch mit denen der let­zten Kon­ferenz:
1. (Weit­er-) Bil­dung für Geflüchtete und Unterstützer_innen
2. Ken­nen­ler­nen, Net­zw­erken, Aus­tauschen und Spaß haben
3. Öffentliche Aufmerk­samkeit für die Lage von LGBTIQ*-Geflüchtete schaf­fen

Ein Schritt weit­er – von der LGBTI-Con­fer­ence zur LGBTIQ*-Conference
Schon let­ztes Jahr erre­icht­en uns von Zeit zu Zeit die Frage warum wir lediglich den Begriff LGBTI statt LGBTIQ* oder eine andere (voll­ständi­gere) Vari­ante nutzen. Dies und auch die jet­zige Änderung wollen wir kurz erk­lären. Wir möcht­en anmerken, dass wir bei weit­em keine Expert_innen sind und auch keinen Anspruch auf einen richti­gen Begriff haben (wollen).
Seit dem Jahr 2014 ken­nen wir LGBTIQ*-Geflüchtete, die aus der Rus­sis­chen Föder­a­tion geflo­hen sind. Inner­halb der Gemein­schaft vor Ort ist die gängige Selb­st­beze­ich­nung LGBT. Wir als Unterstützer_innen emp­fan­den es als anmaßend eine über Jahre gewach­sene und anerkan­nte Selb­st­beze­ich­nung in Frage zu stellen. Da im deutschen Kon­text statt LGBT eher LGBTI ver­wen­det wird, erweit­erten wir in Absprache mit den Betrof­fe­nen die Selb­st­beze­ich­nung LGBT durch das I.
Als wir Ende des Som­mers das Lay­out für die Kon­ferenz 2017 disku­tierten, blieben wir am Begriff hän­gen und erin­nerten uns an den Nachgeschmack aus dem let­zten Jahr keinen wirk­lich umfassenden Begriff gewählt zu haben und somit Men­schen, die wir expliz­it ansprechen woll­ten, schon mit der Über­schrift unbe­ab­sichtigt auszuschließen. Deshalb erweit­erten wir den Begriff noch um Q und * um zu sagen:
Liebe Les­bian-, Gay-, Bi-, Trans-, Inter-, Queer- und sich anders definieren­den Men­schen, ihr seid her­zlich zur Refugee-LGBTIQ*-Conference ein­ge­laden!

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