3. Juli 2002 · Quelle: tagesspiegel

Beim “Crashkurs Asyl” starten alle als arme Schlucker

FRANKFURT (ODER). Das Brettspiel ist eine Mis­chung aus Monop­oly und Spiel des Wis­sens. Doch während man zu Beginn ein­er Monop­oly-Runde immer­hin mit ein wenig Geld aus­ges­tat­tet ist starten bei „Crashkurs Asyl” alle als arme Schluck­er. Und im Ver­lauf des Spiels, bei dem man sich unter anderen auf die Felder Polizei (grün), Jus­tiz (braun) oder Heim (blau) wür­felt, wird das für die meis­ten nicht bess­er: Um etwas zu kaufen, gibt es Gutscheine, kein Geld. Und nur 1 bis 5 Prozent kom­men über­haupt durch, heißt es lakonisch in der Spielan­leitung. Den Crashkurs haben sich Jugendliche aus Cot­tbus aus­gedacht. Eine etwas andere Art, zu ver­mit­teln, wie sich Asyl­be­wer­ber hierzu­lande fühlen. Und auch wenn die Erfol­gschan­cen bei dem Spiel ger­ing sind (Ziel ist es, eine Aufen­thalts­befug­nis zu erhal­ten), mit dem Spiel hat­ten die Cot­tbuser gute Aus­sicht­en, am Mon­tag im Rathaus in Frank­furt (Oder) einen Preis zu gewin­nen. Vor 200 Besuch­ern im Rathaus­saal präsen­tierten sich die Cot­tbuser und weit­ere neun Grup­pen als Teil­nehmer des anti­ras­sis­tis­chen Jugendwet­tbe­werbs „Aktion Analyse” und zeigten ihre Wet­tbe­werb­s­beiträge. Die Cot­tbuser haben nicht nur den Crashkurs ent­wor­fen. Eine Befra­gung der Cot­tbuser zum The­ma Ras­sis­mus gehörte eben­so zu ihrem Wet­tbe­werb­s­beitrag wie ein Kurz­film über die Lebens­be­din­gun­gen von Flüchtlin­gen in der Stadt. Der Wet­tbe­werb wurde nach einem ungewöhn­lichen Modus aus­gew­ertet. Die zehn Grup­pen hat­ten ihre Wün­sche aufge­lis­tet. Jede Gruppe kon­nte sagen, was sie für ihre Arbeit alles brauchen kön­nte. Eine lange Liste war zusam­mengekom­men: Ein Faxgerät, ein Scan­ner, ein Sem­i­nar, Zeitungsabon­nements oder auch Büch­er. Mit der Liste waren die Aus­lober des Wet­tbe­werbs los­ge­zo­gen und hat­ten Spenden gesam­melt. Am Mon­tag macht­en die Grup­pen dann untere­inan­der aus, wer welchen Preis erhält. Die Idee dieses Wet­tbe­werbs war, nach den vie­len Jahren, in denen ras­sis­tis­che Gewalt in Bran­den­burg nicht entschei­dend nachge­lassen hat, die Ursachen zu ergrün­den. Ein Pro­jekt der Bran­den­burg­er Jugen­dini­tia­tive „Aktion Notein­gang”. Die Mach­er des kleinen schwarz-gel­ben Aufk­le­bers, auf der eine flüch­t­ende Gestalt zu sehen ist, wur­den mit dem Aach­en­er Frieden­spreis aus­geze­ich­net. Heute fürchtet die Aktion um ihre weit­ere Finanzierung.

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