9. Mai 2012 · Quelle: Antifaschistische Aktion Bernau

Bernau: 230 Menschen erinnern an Tag der Befreiung

Am Dien­stagabend kamen über 230 Men­schen in Bernau zusam­men, um an die Zer­schla­gung des nation­al­sozial­is­tis­chen Regimes vor 67 Jahren zu erin­nern. Mit­tler­weile hat der 8. Mai in Bernau tra­di­tionell drei Sta­tio­nen:

Am Sow­jetis­chen Ehren­mal wur­den Blu­men niedergelegt und den sow­jetis­chen Sol­dat­en, die im Kampf gegen die Nazis fie­len, gedacht. Am gegenüber­liegen­den Deser­teur­denkmal wurde an jene erin­nert, die dem Nazisys­tem ver­sagten, Wider­stand leis­teten und Courage zeigten. Abschließend fand ein Festessen auf dem Mark­t­platz statt, um den Abend in gemein­samen Gesprächen ausklin­gen zu lassen und daran zu erin­nern, dass es für viele Ver­fol­gte des Nation­al­sozial­is­mus ein glück­lich­er und befreien­der Tag war.

 

 

Aufruf zur Zivil­courage

Faschis­mus ist ein Sys­tem, das per­vers­er nicht sein kann“, erin­nert ein Vertreter der Linken in einem Rede­beitrag vor dem Sow­jetis­chen Ehren­mal in der Müh­len­straße. Auch heute, haben wir weit­er­hin ein Prob­leme mit Nazis. Es brauche Zivil­courage und ein starkes Bünd­nis gegen rechte Gewalt, mah­nt er. In Bernau gibt es ein solch­es Bünd­nis: Das Net­zw­erk für Tol­er­anz und Weltof­fen­heit. Das über­parteiliche Net­zw­erk ist auch an diesem Abend dabei, sie haben ein­ge­laden zum heuti­gen Gedenken. Auch Hubert Hand­ke, Bürg­er­meis­ter der Stadt Bernau, fol­gte der Ver­anstal­tung und legte als ein­er der ersten Blu­men nieder. Eben­falls anwe­send waren zwei Vertreter der rus­sis­chen Botschaft in Berlin. Der Zuständi­ge für Kul­tur der Rus­sis­chen Botschaft, erk­lärte, er empfinde die Ein­ladung für die Gedenkver­anstal­tung als ein „Zeichen der Sol­i­dar­ität“ und des „Miteinan­ders“.

 

Nach den Rede­beiträ­gen ging es auf die andere Straßen­seite, dort befind­et sich ein Bronz­ere­lief, das allen Deser­teure und Kriegs­di­en­stver­weiger­er gedenkt. In Gedicht­en und Tex­ten wurde auf die Morde des NSU (Nation­al­sozial­is­tis­ch­er Unter­grund) und die „Vergif­tung des Kli­mas“ durch NSU, NPD und Co, aufmerk­sam gemacht. Engagierte Jugendliche und Erwach­sene der evan­ge­lis­chen Kirchenge­meinde riefen auf zu mehr Zivil­courage, denn „Wegschauen und Ver­harm­lo­sung unter­stütze die Recht­en“. Als mah­nen­des Beispiel sprachen sie über Diet­rich Bon­ho­ef­fer, der während des Nation­al­sozial­is­mus Courage zeigte und Wider­stand leis­tete.

 

 

Gle­ich­set­zung der Opfer von Krieg und Gewalt

Das Net­zw­erk für Tol­er­anz und Weltof­fen­heit, das zum „mah­nen­den Gedenken“ aufrief, hat­te sich zuvor im Aufruf einen Fau­pax erlaubt, der in den Rede­beiträ­gen zum Glück nicht mehr zu hören war . Unter anderem hieße es im Aufruf, man solle nicht jene Men­schen vergessen, „deren Leid erst mit dem 8. Mai begann“ (den ganzen Aufruf des Net­zw­erkes hier). Weit­er heißt es zwar, dass „zugle­ich, der sechs Mil­lio­nen Juden“ gedacht­en wer­den solle, doch stellt ins­beson­dere das „zugle­ich“ im Kon­text des Aufrufes eine Rel­a­tivierung der Ver­brechen des Nation­al­sozial­is­mus dar. Die Opfer des deutschen Ver­nich­tungswahn sind eben nicht gle­ich mit jenen, die aus den östlichen Gebi­eten durch die sow­jetis­che Armee gen West­en gedrängt wur­den. Es verk­lärt eben­so die Umstände der Ver­nich­tung und des Krieges durch die Deutschen.

 

 

Spa­si­bo heißt Danke“

In der Bürg­er­meis­ter­straße lud der Jugendtr­e­ff DOSTO zu Suppe und Kuchen ein. Der 8. Mai ist ein Tag des Gedenkens an die Ermorde­ten der Shoah, die ermorde­ten Homo­sex­uellen, Roma und Sin­ti, Euthanasie-Opfer, „Asozialen“ und poli­tis­chen Gegner_innen des Nation­al­sozial­is­mus. Der 8. Mai ist auch ein Tag des Feierns: Wir feiern die Nieder­lage des deutschen Reich­es, das Ende von Mord und Unter­drück­ung, die Befreiung der Gefan­genen aus den Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslagern und danken jenen, die dem bru­tal­en Wahn der Deutschen ein Ende set­zten. Die Rote Armee hat­te am 20./21. April 1945 unter Führung des Kom­man­dan­ten Leonid S. Daniljuk die Stadt Bernau auf ihrem Weg nach Berlin ein­genom­men. Nur wenige Tage später kapit­uliert das „Deutsche Reich“ bzw. das was noch vom ihm übrig war.

 

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