18. Juli 2007 · Quelle: Neues Deutschland

Besetztes Haus geräumt

Andreas Fritsche Ursprünglich hat­ten die Haus­be­set­zer nicht erwartet, dass man sie fast eine Woche lang gewähren lässt. Dann ging es aber doch schneller als geglaubt. Am Dien­stag­mor­gen räumte die Polizei die alte Wäscherei an der Hen­nigs­dor­fer Park­straße. In der linken Szene kur­sierten gle­ich Gerüchte, dass ver­mummte Spezialein­satzkräfte, Wasser­w­er­fer und Räumpanz­er aufkreuzen wür­den, was sich aber als Falschmel­dung erwies.
Das schwere Gerät blieb in der Garage und auch von SEK-Beamten keine Spur. Neben grün eingek­lei­de­ten Polizis­ten des Schutzbere­ich­es Ober­hav­el waren auch Bere­itschaft­spolizis­ten im Ein­satz, die schon mit den neuen dunkel­blauen Uni­for­men aus­gerüstet sind. Das Dunkel­blau sei von den Beset­zern wohl mit dem Schwarz der SEK-Leute ver­wech­selt wor­den, ver­mutet Polizeis­prech­er Mar­tin Wern­er. Die Räu­mung ver­lief nach Angaben bei­der Seit­en friedlich. Die Polizei traf in dem ver­fal­l­enen Gebäude 26 Per­so­n­en im Alter von 12 bis 49 Jahren an.
Die Beset­zer, unter ihnen haupt­säch­lich Schüler und Stu­den­ten, woll­ten ein Alter­na­tives Jugendzen­trum. Zunächst lief es bess­er als gedacht. Man räumte Müll weg, strich eine Wand weiß, schaffte Möbel her­an. »Die Anwohn­er fan­den das gut, eine hat uns sog­ar mal Suppe gekocht«, erzählte die Sprecherin der Beset­zer. Schließlich habe das Gebäude zehn Jahre lang leer ges­tanden. Am Tag der Beset­zung sei ein Polizist anger­adelt gekom­men, habe sich fre­undlich erkundigt, umge­se­hen und sei dann wieder gefahren. Erst als Nazis die Wäscherei ange­grif­f­en hat­ten, stand immer ein Polizeiau­to in der Nähe. Die Beset­zer fühlten sich von der Staats­macht eher beschützt als bedro­ht.
Doch die Polizei zögerte nur, weil die Rechts­grund­lage für ein Ein­greifen fehlte. Zwar hat­te die Stadt, der das Grund­stück gehört, schnell Anzeige erstat­tet. Doch der Eigen­tümer des Gebäudes – ein Pri­vat­mann aus Nor­drhein-West­falen – rührte sich nicht. Er machte ahnungs­los Urlaub und stellte erst Strafantrag, als die Kom­mune ihn informierte. Jet­zt mussten die Beset­zer ent­täuscht abziehen.

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