26. April 2005 · Quelle: Inforiot / BesetzerInnen / MOZ

Besetztes Haus geräumt

INFORIOT Das beset­zte Haus in Frankfurt/Oder wurde am Dien­stag von der Polizei geräumt. Um 17 Uhr wird gegen die Räu­mung eine Demon­stra­tion vom Karl-Marx-Denkmal in der Frank­furter Innen­stadt aus starten. Dies teil­ten die Beset­zerIn­nen am Dien­stag Nach­mit­tag mit. Unten in diesem Beitrag ein Zeitungsar­tikel und eine Erk­lärung der Beset­zerIn­nen vom Mon­tag.

Haus­be­set­zer nehmen Vil­la in Beschlag

(MOZ) Das leer ste­hende Haus an der Ecke Rosa-Lux­em­burg-/Wieckestraße ist seit dem
Woch­enende ein beset­ztes Haus. Junge Frank­furter haben die Lan­des­im­mo­bilie
in Beschlag genom­men. Sie wollen dort ein soziales Zen­trum ein­richt­en. Von
der Stadt wird die Aktion abgelehnt. Das Land hat Gesprächs­bere­itschaft
sig­nal­isiert, will den Haus­be­set­zern Alter­na­tiv­en vorschla­gen.

Sie sind Frank­furter, zwis­chen 18 und 25. Gym­nasi­as­ten, Azu­bis, Stu­den­ten.
Oder arbeit­s­los. Und sie beze­ich­nen sich als linksalter­na­tiv. 15 junge Leute
gehören, wie sie selb­st sagen, zum Kern der Haus­be­set­zer. Dass der Einzug in
das Gebäude unge­set­zlich ist, wis­sen sie. “Das müssen wir in Kauf nehmen,
wenn die Stadt für links-alter­na­tive Jugendliche keinen Ort zur Ver­fü­gung
stellt”, sagt ein junger Mann, der sich Ron­ny nen­nt und Wort­führer der
Haus­be­set­zer ist. Und er erzählt von Jugend­clubs in Frank­furt, “wo die
Recht­en sind und wir nicht reinkom­men”, und davon, dass andere
Räum­lichkeit­en zu klein oder zu teuer seien.

Am Sam­stagabend haben die jun­gen Frauen und Män­ner das Haus in Besitz
genom­men. Hier wollen sie ein soziales Zen­trum auf­bauen. Hoch­parterre ist
bere­its ein Büro ein­gerichtet, da wer­den Konzepte, Fly­er und
Presseerk­lärun­gen geschrieben. Ideen für “ihr” Haus haben die Beset­zer
einige. Von Sem­i­narver­anstal­tun­gen, Schüler­café, Sprachkursen für Migranten,
Konz­erten und Par­tys ist die Rede. “Von Jugendlichen für Jugendliche” soll
das Mot­to sein. Eine Vere­ins­grün­dung ist angedacht. Im Obergeschoss wollen
sie eine Art WG ein­richt­en, “für die Leute, die das Pro­jekt am Leben
hal­ten”, wie Ron­ny sagt. Er set­zt auf Gespräche mit der Stadt.
Dien­stag, 26. April 2005 (08:44)

Haus­be­set­zung der Wieckestraße in Frank­furt (Oder) hält an

Gespräche wer­den fort­ge­set­zt / Unter­stützung benötigt, kommt vor­bei

(Beset­zerIn­nen) Am Nach­mit­tag des 23.April haben wir, linke Jun­gendliche aus Frank­furt
(Oder) mit Unter­stützerIn­nen aus aus der Region, ein Haus in der
Wieckestraße im Frank­furter Stadtzen­trum beset­zt.
Das ehe­ma­lige “Haus des Lehrers” stand seit ca. 3 Jahren leer und sollte
unter Ver­wal­tung des Liegen­schaft­samtes veräußert wer­den. Wie gut der
Zus­tand des Haus­es ist zeigt sich daran, dass nach weni­gen Hand­grif­f­en im
gesamten Haus Strom aus der Steck­dose, Beleuch­tung aus den vorhan­de­nen
Lam­p­en und fließend Wass­er aus der Leitung zur Ver­fü­gung standen. Das
Objekt, zu dem auch zwei Neben­ge­lasse und großzügige Auße­nan­la­gen gehören,
hat nach Angaben der Behörde einen Verkehr­swert von 1,3mio Euro. Kurz und
knapp: Genau der richtige Ort zur Etablierung eines Sozialen Jugend- und
Kul­turzen­trums.
Nach­dem das Haus mit zahlre­ichen Fah­nen uns Trans­par­enten geschmückt war
wur­den Presse und Stadtöf­fentlichkeit über den neuen Freiraum informiert.
Sichtlich über­rascht von so viel Selb­st­ständigkeit kon­nten gegen 18.00 Uhr
mehrere VertreterIn­nen aus dem Stadt­par­la­ment und ein Land­tagsab­ge­ord­neter
am Haus begrüßt wer­den. Unter ihnen auch die amtierende Bürg­er­meis­terin der
Stadt, Kat­ja Wolle (SPD). Ihrem Wun­sch nach ein­er aus­führlichen Führung mit
dem neuen Nutzungskonzept in der Hand wurde gern nachgekom­men. Am Ende stand
fest: Die Beset­zung wird von Seit­en der Stadt über das Woch­enende geduldet
und am Mon­tag gibts gemein­same Gespräche. Diese Zusicherung im Rück­en und
die abrück­ende Polizei vor Augen sor­gen für aus­ge­lassene Stim­mung bei den
inzwis­chen 100 Anwe­senden. Das Konz­ert mit “Joeys Ami­gos” kon­nte ohne
Prob­leme stat­tfind­en.

Nach ein­er etwas kühlen Nacht ging es am Son­ntag an die Ein­rich­tung des
Haus­es. Als Teil ein­er notwendi­gen Infra­struck­tur wurde ein Com­put­er­raum
geschaf­fen. Bei strahlen­dem Son­nen­schein kon­nten auch wieder viele
BesucherIn­nen im Haus begrüßt wer­den. Für erneuten Jubel sorgte dann gegen
16.00 Uhr die Über­schre­itung der vom Law-and-Order Innen­min­is­ter
Bran­den­burgs, Jörg Schön­bohm aufgestell­ten 24-Stun­den-Richtlin­ie zur Räu­mung
beset­zter Häuser. Der preussis­che Hau­drauf hat­te wohl immer­noch mit dem
Kater vom Fre­itag zu kämpfen, als er in Ham­burg an einem Fes­tkom­mers des
“Ham­burg­er Waf­fen­rings” teil­nahm.

Die heuti­gen Gespräche am Tisch der Stadt mit VertreterIn­nen des
Liegen­schaft­samtes und der Polizei bracht­en erwartungs­gemäß wenig
Erbauen­des. So beste­ht das Amt auf die frei­willige Räu­mung des Haus­es um es
poten­tiellen Kaufin­ter­essen­ten freizuhal­ten. Da sich das Objekt im
Lan­de­seigen­tum befind­et tritt die Stadt lediglich in der Rolle der
Ver­mit­t­lerin auf. Die näch­sten Gespräche, dies­mal direkt im
Liegen­schaft­samt, ste­hen am Dien­stag Vor­mit­tag an.
Schon jet­zt ist abzuse­hen, dass es von dieser Seite wenig Ent­ge­genkom­men
geben wird. Men­sch werde alle Möglichkeit­en auss­chöpfen das Haus wieder
dicht zu machen hieß es aus der Behörde.
Aber auch unsere Posi­tion bleibt klar: Auch wenn wir bere­it sind unser
Anliegen in anderen Räum­lichkeit­en zu ver­wirk­lichen, wer­den wir unser
Druck­mit­tel nicht frei­willig aus der Hand geben ehe ein konkretes
Auswe­i­chob­jekt ste­ht. Frank­furt braucht das Soziale Zen­trum und dieser
Bedarf lässt sich nicht (weg)räumen.

Um das Haus durchzuset­zen brauchen wir eure Hil­fe. Kommt vor­bei und
unter­stützt die Beset­zerIn­nen, Platz ist immer und VoKü ist leck­er. Wir
sehen uns in der Wieckestraße.

Wir sind gekom­men um zu blieben!

Für ein selb­st­bes­timmtes Soziales Zen­trum in Frank­furt (Oder)!
Sol­i­dar­ität mit der York­straße 59 und allen bedro­ht­en Wohn­pro­jek­ten!

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