8. November 2004 · Quelle: MAZ

Brandanschlag auf Agentur für Arbeit

Pas­san­ten bemerken am frühen Sam­stag Abend Rauch im Erdgeschoss des Gebäudes

(MAZ, Joachim Wil­isch) RATHENOW Ein Bran­dan­schlag auf das Gebäude der Agen­tur für Arbeit been­dete am Sam­stag
gegen 18.10 Uhr die bis dahin beschauliche Woch­enen­druhe in der
west­havel­ländis­chen Prov­inz.

Für die Nach­barn kaum zu hören zer­barsten die Scheiben eines Fen­sters im
Erdgeschoss rechts neben dem Hauptein­gang der Agen­tur für Arbeit in der
Rathenow­er Puschkin­straße. Plöt­zlich quoll Rauch aus dem Fen­ster. Das
bemerk­ten Pas­san­ten, die sofort Polizei und Feuer­wehr informierten. Viel gab
es für die Brand­schützer nicht mehr zu tun, als sie mit drei Ein­satzwa­gen
gegen 18.20 Uhr in der Puschkin­straße ein­trafen. Die Polizeibeamten hat­ten
bere­its mit ein­fachem Löschgerät Erfolg.

Zwar rück­te die Feuer­wehr schnell wieder ab, doch für die Polizei begann
jet­zt eine Arbeit, die sich bis in die Nacht hinein hin­zog. Schnell fan­den
die Beamten her­aus, dass jemand einen Brand­satz durch die Fen­ster­scheibe
gewor­fen hat­te.

Die Krim­i­nalpolizei und die Mitar­beit­er der krim­inal­tech­nis­chen
Spuren­sicherung wur­den gerufen. Inzwis­chen traf Joachim Rad­er,
Geschäfts­führer der Rathenow­er Agen­tur, ein. Später kam auch Knut Corte,
Chef der Agen­tur Neu­rup­pin — die Rathenow­er Geschäftsstelle ist eine Fil­iale
— hinzu. Sie beobachteten, wie die Polizei im Inneren des Gebäudes Spuren
auswertete. Das beson­dere Inter­esse galt dem Brand­satz oder dem was davon
übrig war. Da das Gebäude am Sam­stag Abend üblicher­weis­er ver­lassen ist und
sich auch nie­mand in der unmit­tel­baren Nähe aufhielt, gab es keine
Per­so­n­en­schä­den zu ver­melden. “Das ist für mich zunächst die wichtig­ste
Erken­nt­nis”, sagte Rad­er — dem der Schreck über die Vor­fälle ins Gesicht
geschrieben stand.

Hin­weise auf den oder die Täter gab es bis­lang nicht. “So etwas haben wir
hier in Rathenow noch nicht erlebt”, sagte Rad­er.

Die Krim­i­nalpolizei ermit­telte zunächst in der Nach­barschaft des Gebäudes.
Allerd­ings ergaben sich aus den Fra­gen an die Anwohn­er keine Schlüsse auf
die Urhe­ber des Bran­dan­schlages.

Dass es sich um einen Brand­satz gehan­delt hat, bestätigten sowohl Rad­er als
auch Corte, die sich gegen 21.30 Uhr mit eini­gen Polizeibeamten auf die
Polizei­wache Rathenow zurück­zo­gen.

Der Fall sei sofort an das Polizeiprä­sid­i­um Pots­dam abgegeben wor­den,
erk­lärte am Son­ntag in Nauen ein Sprech­er des Polizeis­chutzbere­ich­es
Havel­land. Aus dem Prä­sid­i­um gab es am Son­ntag lediglich eine
Kurzmit­teilung: ein Brand habe gerin­gen Sach­schaden verur­sacht. Die
Krim­i­nalpolizei ermit­tele derzeit wegen des Ver­dachts der Brand­s­tiftung.
“Mehr gibt es dazu nicht zu sagen”, erk­lärte ein Sprech­er des Pots­damer
Prä­sid­i­ums am Son­ntag Nach­mit­tag auf Nach­frage.

Die Glaser kamen in der Nacht

Größte Schä­den am Agen­turge­bäude wur­den sofort repari­ert

(MAZ) RATHENOW Knut Corte, Geschäfts­führer des Bezirkes der Arbeit­sagen­tur Neu­rup­pin und
Joachim Rad­er, Chef der Agen­tur für Arbeit in Rathenow, schauen besorgt. Der
Bran­dan­schlag auf das Gebäude der Agen­tur für Arbeit am ver­gan­genen Sam­stag
(weit­er­er Bericht und Kom­men­tar auf Seite 13) hat bei­den gezeigt, wie
empfind­lich die Agen­tur zu tre­f­fen ist. Der Brand­satz wurde in den
Tech­nikraum gewor­fen. “Natür­lich hätte das großen Schaden anricht­en kön­nen”,
sagt Rad­er. Allerd­ings hat­ten wed­er Rad­er noch Corte nähere Hin­weise zu der
Beschaf­fen­heit der Brand­satzes. Möglicher­weise war er nicht stark genug, um
größere Zer­störun­gen zu verur­sachen. Möglicher­weise hat sich die volle
Wirkung aus anderen Grün­den nicht ent­fal­tet.

Wie ein schwarzes Loch wirkt das Fen­ster neben dem Hauptein­gang am Tag nach
dem Anschlag. Ein Sicher­heits­di­enst hat Posten bezo­gen. Noch in der Nacht
waren Glaser bestellt wor­den, die das zer­störte Fen­ster schlossen. Bei
näherem Hin­se­hen wird allerd­ings deut­lich, dass der Brand­satz den gesamten
Fen­ster­rah­men zer­stört hat. “Das wird so schnell wie möglich wieder in
Ord­nung gebracht und sich­er gemacht”, sagt Corte. Schaulustige machen Halt
und beobacht­en die Arbeit der Polizei. “Hier treiben sich ja ab und zu
fin­stere Gestal­ten herum”, sagt ein­er. Das Gelände ist an Woch­enen­den oder
Feierta­gen ver­lassen. Hin­ter dem Gebäude der Agen­tur befind­et sich eine
Kita, daneben das ver­lassene alte ROW-Feuer­wehrge­bäude.

War der Brand­satz ein geziel­ter Anschlag, waren es linke oder rechte
Chaoten? Hat sich jemand so sehr über Entschei­dun­gen der Agen­tur geärg­ert,
dass er sich rächen wollte? Diese Fra­gen wer­den von der Polizei noch in das
Reich der Speku­la­tio­nen ver­wiesen. Auch Joachim Rad­er hat keine Idee, wer
hin­ter dem Anschlag steckt. “Wir ermit­teln”, lässt ein Polizeis­prech­er
mit­teilen.

In der Rathenow­er Agen­tur für Arbeit sollen die Geschäfte heute ganz nor­mal
fort­ge­set­zt wer­den.

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