7. September 2002 · Quelle: berliner zeitung

Brandanschlag: Ermittler sehen gute Spurenlage

WITTSTOCK. Einen Tag nach dem Bran­dan­schlag auf die Mahn- und Gedenkstätte Below­er Wald bei Witt­stock (Ost­prig­nitz-Rup­pin) hat der Direk­tor der Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten, Gün­ter Morsch, auf ein­er Mahnkundge­bung angeregt, einen Fre­un­deskreis für die Below­er Gedenkstätte zu grün­den. Damit wolle die Stiftung mit den Bürg­ern in einen Dia­log über die Zunkun­ft des bei dem Anschlag zer­störten “Muse­ums des Todes­marsches” treten.


Bei der Gedenkver­anstal­tung, zu der Witt­stocks Bürg­er­meis­ter Lutz Schei­de­mann (FDP) nach dem Anschlag aufgerufen hat­te, demon­stri­erten am Fre­itag rund 500 Men­schen gegen Gewalt und Recht­sex­trem­is­mus. “Trotz der Ver­wüs­tun­gen im Muse­um wer­den wir unsere Arbeit dort weit­er­ma­chen”, sagte Stiftungssprech­er Horst Sef­er­ens.
Bis­lang unbekan­nte Täter hat­ten in der Nacht zum Don­ner­stag einen Brand­satz in das Gebäude der Gedenkstätte gewor­fen. Durch das Feuer war der Haup­tausstel­lungsraum zer­stört wor­den. In ihm wur­den Gegen­stände gezeigt, die einst den tausenden KZ-Häftlin­gen gehört hat­ten, die während des so genan­nten Todes­marsches im April 1945 durch den Below­er Wald getrieben wor­den waren. Ein zweit­er Brand­satz, den die Täter in den Keller des Haus­es gewor­fen hat­ten, entzün­dete sich nicht. Zudem wurde die Mahn­säule mit SS-Runen, einem Hak­enkreuz und anti­semi­tis­chen Het­z­parolen beschmiert.
Nach der Tat hat­te Bran­den­burgs Jus­tizmin­is­terin Bar­bara Rich­stein (CDU) eine Beloh­nung in Höhe von 10 000 Euro für Hin­weise auf den oder die Täter aus­ge­set­zt. Die Polizei hat eine zehnköp­fige Son­derkom­mis­sion unter dem Namen “Below” gebildet.
“Bish­er gibt es noch keine heiße Spur auf die Täter”, sagte der Lei­t­ende Neu­rup­pin­er Ober­staat­san­walt Gerd Schnittch­er am Fre­itag. Man ermit­tle nicht nur im Witt­stock­er Bere­ich, son­dern auch über die Lan­des­gren­ze hin­weg im nahegele­ge­nen Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Schnittch­er zeigte sich opti­mistisch, die Täter zu fassen. “Wir hat­ten schon mal eine schlechtere Spuren­lage”, sagte er.

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