12. August 2003 · Quelle: Berliner Morgenpost 11.08.03

Brandenburg verstärkt Hilfe für Opfer von Verbrechen

Pots­dam — Das Land Bran­den­burg will sich ver­stärkt für den Schutz von Ver­brechen­sopfern ein­set­zen. Von den 244 328 Straftat­en, die im ver­gan­genen Jahr reg­istri­ert wur­den, waren 23 416 so genan­nte Opfer­de­lik­te — Straftaten,
bei denen Men­schen zu Schaden kamen, wie Mord, Totschlag, Kör­per­ver­let­zung, sex­ueller Miss­brauch, aber auch Raub und Überfall. 

 

Mehr als 25 000 Men­schen wur­den Opfer dieser Straftat­en. Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) kündigte jet­zt die Ein­führung eines Opfer­schutzkonzeptes an, das von der Polizeifach­hochschule entwick­elt wor­den ist. Es sieht unter
anderem die Ein­set­zung von Opfer­schutzbeauf­tragten in den Polizeibehör­den vor. “Sie sollen die Polizis­ten im Umgang mit Opfern von Straftat­en stärk­er sen­si­bil­isieren”, sagte Schön­bohm. Außer­dem sei es zur Verbesserung der Hil­fe für Geschädigte notwenig, regionale Ansprech­part­ner zu etablieren.
Zugle­ich solle auch der Aktion­s­plan der Lan­desregierung zur Bekämp­fung von Gewalt gegen Frauen unter­stützt wer­den. “Wirk­samer Opfer­schutz ist ein unverzicht­bar­er Bestandteil bei der Ahn­dung von Straftat­en”, sagte der
Innenminister. 

 

Jus­tizmin­is­terin Bar­bara Rich­stein (CDU) sagte, sie begrüße und unterstütze
den Vorze­ichen­wech­sel weg von ein­er täter- hin zu ein­er opferkonzentrierten
Betra­ch­tungsweise. Bei­de Min­is­ter stimmten übere­in: “Die gesellschaftliche
Hin­wen­dung zum Opfer, das im Span­nungsver­hält­nis zum Täter ste­ht, muss aus
der bish­eri­gen Schieflage in eine gesamt­ge­sellschaftliche Bal­ance gebracht
wer­den.” Auch die Zusam­me­nar­beit der Jus­tiz mit freien Trägern müsse im
Inter­esse der Opfer stärk­er inten­siviert wer­den, sagte Richt­sein. Der Staat
müsse deshalb sich­er­stellen, dass die Arbeits­fähigkeit dieser Ver­bände auch
in Zeit­en leer­er öffentlich­er Kassen so wenig wie möglich leidet. 

 

Der Lan­des­beauf­tragte des Opfer­schutzvere­ins “Weißer Ring”, Jür­gen Lüth,
begrüßte die stärkere Fokussierung des Lan­des auf die Belange der Opfer. Der
ehe­ma­lige Polizeipräsi­dent von Cot­tbus monierte allerd­ings, dass die
finanziellen Mit­tel der Ver­bände, haupt­säch­lich gespeist aus Bußgeld und
Lot­tomit­teln, trotz steigen­der Fal­lzahlen etwa bei sex­uellem Miss­brauch und
Kör­per­ver­let­zung in den let­zten Jahren rück­läu­fig gewe­sen sei. 

 

Der Weiße Ring unter­hält in Bran­den­burg 18 Außen­stellen mit etwa 130
ehre­namtlichen Mitar­beit­ern, die Opfer von Straftat­en moralisch, praktisch,
aber auch finanziell unter­stützen: Weißer Ring e. V., Landesverband
Bran­den­burg, Bre­ite Straße 19, 14467 Pots­dam, Tel.: 03 31 / 29 12 73.

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