19. April 2014 · Quelle: Antifaschistische Aktion Bernau

Brandstifter, Schläger und andere Neonazis – NPD kandidiert im Barnim

Barnim - Die Rechte und NPD treten gemeinsam in zwei Städten, zwei Gemeinden und für den Kreistag an.

Der Wahlkampf der neon­azis­tis­chen NPD für die im Mai anste­hen­den Kom­mu­nal­wahlen in Bran­den­burg hat begonnen. Erste Plakate wur­den gehangen und Kundge­bun­gen durchge­führt. Bis zu den Land­tagswahlen im Sep­tem­ber diesen Jahres wird es noch zahlre­iche Wahlkampfver­anstal­tun­gen der Neon­azis geben. Der NPD Lan­desver­band hat­te voll­mundig angekündigt bis dahin 100 Kundge­bun­gen abzuhal­ten, 50.000 Plakate zu hän­gen und eine Mil­lion Fly­er im Land zu verteilen .

Dabei wer­den vor allem die Kan­di­datIn­nen der NPD an vie­len Orten präsent sein. Unter ihnen sind bekan­nte und lang aktive Neon­azis aus der Region. mit der Partei “Die Rechte” hat die NPD eine gemein­same Liste zusam­mengestellt. Der “Recht­en”, die erst im let­zten Jahr einen Bran­den­burg­er Lan­desver­band grün­dete, fehlt es derzeit noch an aus­re­ichend Per­son­al und Möglichkeit­en, um eigen­ständig anzutreten. Außer­dem wer­den sich NPD und “Die Rechte” dadurch gegen­seit­ig keine Stim­men nehmen. Eine ähn­liche Verabre­dung gab es bere­its bei den let­zten Kom­mu­nal­wahlen zwis­chen NPD und DVU.

Ein Kreistag, Zwei Städte, Zwei Gemein­den

Im Barn­im wollen NPD und “Die Rechte” vor allem in der Stadt Bernau Fuß fassen: Dort treten gle­ich vier Neon­azis in den zwei Wahlkreisen an:

Aileen Rokohl ist derzeit­ige Vor­sitzende des NPD Kreisver­ban­des Barn­im-Uck­er­mark. Ihr Ehe­mann Andreas Rokohl, früher aktiv für die NPD Ober­hav­el, tritt als soge­nan­nter “Stützpunk­tleit­er Bernau” auf. Erst ist bere­its wegen Belei­di­gung verurteilt wor­den. Auch war er beteiligt am Angriff auf einen Getränke­stand des alter­na­tiv­en Jugendtr­e­ff DOSTO im Juni 2012 während des Bernauer Hus­siten­festes. Er trat und schlug Jugendliche. Eine Verurteilung blieb bish­er aus. Anders erg­ing es Chris­t­ian Kohnke, der im Wahlkreis 2 antritt. Er wurde wegen Belei­di­gung und tätlich­er Belei­di­gung verurteilt, nach­dem er – eben­falls während des Hus­siten­festes – eine junge Frau belei­digt und bespuckt hat­te.
Eng ange­bun­den an Kohnke und Rokohl ist auch der 25-jährige Mar­cel Zech aus Pan­ke­tal: Zur Ver­hand­lung gegen Kohnke im let­zten Jahr war Zech zusam­men mit anderen Neon­azis im Gericht anwe­send um Zeug_innen und Besucher_innen einzuschüchtern. Zech gehört zu den so genan­nten “Freien Kräften der Barn­imer Fre­und­schaft”, ein­er Neon­az­i­clique, die in den let­zten Jahren vor allem im Raum Bernau durch Störak­tio­nen, Schmier­ereien und Bedro­hun­gen aufge­fall­en waren. Schän­dun­gen des Sow­jetis­chen Ehren­mals in Bernau, des Ehren­mals für Antifaschistin­nen in Schönow sowie diverse Schmier­ereien am Jugendtr­e­ff DOSTO und anderen Häuser­wän­den zählen dazu. Auch wird ver­mutet, dass Aktivis­ten der “Barn­imer Fre­und­schaft” ver­ant­wortlich sind für einen But­ter­säure­an­schlag auf die Über­gang­sun­terkun­ft für Asylbewerber_innen im let­zten Jahr in Zeper­nick.

Sach­sen­hausen-Brand­s­tifter tritt an

In der Liste der Angriffe, Anschläge und Schmier­ereien fällt jedoch ein­er ganz beson­ders auf: Der auf den ersten Blick unschein­bare Thomas Haber­land aus Joachim­sthal war 1992 beteiligt am Bran­dan­schlag auf die Gedenkstätte des Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen. Er wurde 1995 zu drei Jahren Haft verurteilt. Bei dem Anschlag wurde die “jüdis­che Baracke” niederge­bran­nt. Mehrere tausend Men­schen gin­gen kurz danach gegen rechte Gewalt auf die Straße. 2012 wurde aus Anlass des 20. Jahrestages des Anschlages eine Kon­ferenz zum The­ma Recht­sex­trem­is­mus in Sach­sen­hausen durchge­führt.

Haber­land, Jg. 1970, ist im NPD Kreisver­band Barn­im-Uck­er­mark zuständig für den “Orts­bere­ich Joachim­sthal” (Foto: Haber­land mit Fahne auf ein­er NPD Demon­stra­tion in Joachim­sthal 2010).

 

Die Rechte tritt für die NPD an
Für die Gemein­de­v­ertre­tung in Chorin tritt der 40-jährige René “Rudi” Her­rmann an. Er ist seit über 20 Jahren in der Neon­aziszene aktiv. Nach sein­er Zeit beim “Märkischen Heimatschutz” und der “Märkischen Aktions­front” engagierte er sich für die Barn­imer NPD und betreute die Inter­net­seite des Kreisver­ban­des. Seit 2013 admin­istri­ert er die Home­page des Lan­desver­ban­des von “Die Rechte”. Schon 1992 fiel er beim Prozess gegen die Mörder von Amadeu Anto­nio in Eber­swalde auf, da er mit SA-ähn­lich­er Klei­dung im Gerichtssaal erschien. Bis 2001 betrieb Her­rmann in Eber­swalde den Neon­aziszeneladen “Rag­naröck”. Heute betreibt er den Mailorder “Zen­tralver­sand”, der neben ein­schlägig- neon­azis­tis­chen Büch­ern, Klei­dung und Acces­soirs auch die Parteipro­pa­gan­da von “Die Rechte” zum Verkauf anbi­etet.
Sieben für den Kreistag
Neben den genan­nten Kom­mu­nal­par­la­menten plant die NPD auch den Einzug in den Barn­imer Kreistag. Dafür stellt sie sieben Kan­di­datIn­nen auf. Neben den bere­its genan­ntem Ehep­aar Rokohl, Mar­cel Zech und René Her­rmann, treten außer­dem drei weit­ere Neon­azis an:

Jörg Schröder (Bild) will mit seinem Blog “Barn­imer Per­spek­tiv­en” als der “Intellek­tuelle” Rechte wahrgenom­men wer­den. Mit pseu­do-wis­senschaftlichen Artikeln gren­zt er sich von dem plat­ten Parolen der NPD ab. Erst seit 2013 ist er öffentlich für die NPD aktiv. Eine Zusam­me­nar­beit gab es jedoch schon zuvor. Für die NPD tritt er als “Anti-Antifa-Aktivist” auf, d.h. er fotografiert während ihrer Kundge­bun­gen nicht nur die eige­nen Teil­nehmerIn­nen, son­dern auch die Gegendemonstrant_innen. Auf seinem Blog veröf­fentlichte er eine zeit­lang unter der Rubrik “Blick nach Links” Fotos von poli­tis­chen Gegner_innen.

Sybille Mann aus Finow­furt, erlangte bere­its zu den Kom­mu­nal­wahlen 2008 einen Sitz in der Gemein­de­v­ertre­tung Schorfhei­de. Zusam­men mit ihrem Ehe­mann Klaus organ­isiert sie auf ihrem Grund­stück in Finow­furt regelmäßig Neon­azikonz­erte und andere rechte Events. Das Gelände ist mit­tler­weile zum zen­tralen Ver­anstal­tung­sort der Neon­aziszene in Bran­den­burg gewor­den und hat bun­desweite Rel­e­vanz erlangt. 2013 soll­ten allein sieben Neon­azi­sev­ents auf dem Grund­stück stat­tfind­en. Die meis­ten, darunter ein Konz­ert mit Szene­größen wie “Sleip­nir” und “Legion of Thor”, wur­den durch Proteste des Bünd­niss­es “Finow­furt Naz­ifrei” gestört oder ver­hin­dert.

NPD-Demon­stra­tion 2009 in Joachim­sthal: Bernd Knape am Trans­par­ent.

Eben­falls auf der Liste ste­ht der 46 jährige Werneuch­en­er Bernd Knape (Bild). Knape ist Straßen­bah­n­fahrer bei der BVG.

Derzeit hat die NPD offiziell kein Man­dat mehr im Barn­im. Das obwohl 2008 vier Neon­azis auf gemein­samer Liste von DVU und NPD Man­date erlangten: Veroni­ka Urban in der Stadt Bernau, Sybille Mann in der Gemeinde Schorfhei­de, Mike Sandow in der Stadt Biesen­tal und dem Kreistag, Diet­mar Lange eben­falls im Kreistag. Mike Sandow trat aus der NPD aus.

Wahlkampf ist ange­laufen

Am 4. April startete die NPD ihre Kundge­bungsrei­he: In Bernau, Eber­swalde und in Wan­dlitz waren Aileen und Andreas Rokohl gemein­sam unter­wegs mit dem Berlin­er NPD-Chef Sebas­t­ian Schmidtke, dem Bran­den­burg­er Vize-Chef Ron­ny Zasowk und anderen Neon­azis aus der Umge­bung wie Chris­t­ian Kohnke aus Bernau und Chris­t­ian Schmidt aus Berlin-Pankow. Der kleine Kreis an Funk­tionären blieb dabei unter sich und fand keinen Anklang bei der lokalen Bevölkerung. In allen Orten reagierten Antifaschist_innen und Zivilge­sellschaft laut­stark auf die NPD. In Bernau kamen kurzfristig 50 Gegendemonstrant_innen zusam­men, die mit Rufen und Trillerpfeifen die Rede der Kreisvor­sitzen­den Aileen Rokohl übertön­ten. Nur bruch­stück­haft war zu vernehmen, dass Rokohl über die Abwahl des Bernauer Bürg­er­meis­tern sprach. Zuvor hat­te die Partei verkün­det, sie habe Unter­schriften für das Abwahlbegehren gesam­melt. In der Stadtverord­neten­ver­samm­lung hat­ten das für Trubel gesorgt.

Wichtig­stes Wahlkampf ist und bleibt für die NPD und “Die Rechte” jedoch das The­ma Asylpoli­tik. Mit ras­sis­tis­ch­er Het­ze hat­ten sie 2013 gegen die Unterkün­fte in Wan­dlitz, Zeper­nick und Oder­berg demon­stri­ert. Unter­stützen beka­men sie dabei aus anderen Teilen Bran­den­burgs und aus Berlin. Aileen Rokohl sprach außer­dem in Schnee­berg. Dort hat­ten 2013 knapp 2000 Neon­azis und ras­sis­tis­che Anwohner­In­nen gegen eine Unterkun­ft für Geflüchtete demon­stri­ert.
Alle Kan­di­datIn­nen im Überblick:

SVV Bernau, Wahlkreis 1
1. Rokohl, Aileen, 1988, Recht­san­walts­fachangestellte, Ficht­es­traße 15 Bernau
2. Lange, Diet­mar, 1956, Rent­ner, Bo?rnicker Chaussee 36 Bernau

SVV Bernau, Wahlkreis 2
1. Rokohl, Andreas, 1985, Mau­r­er, Ficht­es­traße 15 Bernau
2. Kohnke, Chris­t­ian, 1985, Mau­r­er, Schwanebeck­er Chaussee 78 Bernau

Gemeinde Pan­ke­tal
1. Zech, Mar­cel, 1988, Glas- und Gebäud­ere­iniger, Dorf­s­traße 18 Pan­ke­tal

Gemein­de­v­ertre­tung Chorin
1. Her­rmann, René, 1973, erwerb­s­los, Joachim­sthaler Straße 7 Gol­zow

SVV Joachim­sthal
1. Haber­land, Thomas, 1970, Beruf­skraft­fahrer, Wohn­park 6c Joachim­sthal

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 2
1. Dr. Schröder, Jörg, 1969, Unternehmens­ber­ater, Karls­berg 1 Hohen­fi­now

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 3
1. Rokohl, Aileen, 1988, Recht­san­walts­fachangestellte, Ficht­es­traße 15 Bernau

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 4
1. Rokohl, Andreas, 1985, Mau­r­er, Ficht­es­traße 15 Bernau

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 6
1. Knape, Bernd, 1968, Straßen­bah­n­fahrer, Erlen­weg 6 Werneuchen

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 7
1. Zech, Mar­cel, 1988, Glas- und Gebäud­ere­iniger, Dorf­s­traße 18 Pan­ke­tal

Kreistag Barn­im, Wahlkreis 9
1. Mann, Sybille, 1960, Fachar­bei­t­erin für Pfer­dezucht, In den Sand­stück­en 23 Schorfhei­de
2. Her­rmann, René, 1973, erwerb­s­los, Joachim­sthaler Straße 7 Gol­zow

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