12. Februar 2019 · Quelle: Presseservice Rathenow

Braune Laubenpieper im internationalen Neonazimilieu

In Rathenow unter­hal­ten lokale Unter­stützer der Neon­azior­gan­i­sa­tion „Ham­mer­skins“ eine Immo­bilie. Laut Innen­min­is­teri­um Bran­den­burg find­en dort Szen­e­tr­e­f­fen statt. Nun wurde bekan­nt, dass Per­so­n­en aus diesem Umfeld am so genan­nten „Tag der Ehre“, einem inter­na­tionalen Gedenken an SS Ange­hörige in #Budapest mit­marschierten.

Sturm­lokal in Klein­gartenidylle

Inmit­ten dieser Idylle für Spätherb­stro­man­tik­er find­et sich an einem Zaun­tor ein war­nen­des Hin­weiss­child. „Betreten ver­boten – Lebens­ge­fahr“ ist dort in deutsch­er und türkisch­er Sprache zu lesen. Hin­ter dem Zaun, so ist es durch die Stäbe der Ein­friedung erkennbar, befind­et sich ein langgestreck­tes Grund­stück, welch­es sich in Park­fläche, Bebau­ung und Frei­fläche gliedert. Im Zen­trum befind­et sich ein ursprünglich als Garten­laube genutztes Objekt, dass mit schw­eren Eisen­bahn­schwellen aus Stahlbe­ton einge­friedet ist. Ein Armee-Tarn­netz ist erkennbar, eben­so wie die Bran­den­burg­er Lan­des­flagge, die durch die Maschen leuchtet.

Das Objekt an der Rhi­now­er Land­straße ist bekan­nt in Rathenow. Seit 2004 sind dort regelmäßig Neon­azis zu unter­schiedlichen Anlässen zuge­gen. Allerd­ings dürfte es dabei sel­ten um den Erfahrungsaus­tausch im Kul­tivieren von Kle­ingärten gehen. Szeneken­ner berichteten, dass die Garten­laube bere­its vor Jahren zu ein­er Art „Sturm­lokal“ umge­baut wurde.

Damals hat­te die neon­azis­tis­che Kam­er­ad­schaft „Sturm 27“ hier ihren Sitz. Fotos aus dieser Zeit zeigen Neon­azis im Kam­er­ad­schafts­dress und T‑Shirts, auf denen Hak­enkreuze abge­bildet sind. An den Tis­chen und am Bartre­sen im Laubenin­neren drängten sich zudem orts­bekan­nte Nazi-Skins, die zum Hit­ler­gruß posierten.

Die Kam­er­ad­schaft „Sturm 27“ wurde zwar im April 2005 ver­boten, das „Sturm­lokal“ blieb jedoch offen. Die NPD bzw. deren im Juli 2005 gegrün­de­ter Ortsver­band Rathenow nutzen nun die Immo­bilie. Unter anderem wur­den dort mehrere „Kinder­feste“ der Partei ver­anstal­tet.

Verbindun­gen ins inter­na­tionale Recht­srock­busi­ness

2018 Crew 38 Auto

Ver­steck­spiel in Rathenow: Die „38“ ist ein Zahlen­code für Unter­stützer des inter­na­tionalen Neon­azinet­zw­erkes „Ham­mer­skins“. Mit „Garten of Hate“ ist die Garten­laube in Rathenow-Nord gemeint, die als Stützpunkt fungiert.

Nach­dem das Grund­stück viele Jahre kaum Beach­tung fand, scheint das Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­um das Objekt wieder im Visi­er zu haben. Dies geht aus ein­er Antwort auf eine par­la­men­tarischen Anfrage der Partei Die.LINKE her­vor. Neon­azis­tis­che Ver­anstal­tun­gen sollen auf dem Are­al stattge­fun­den haben und Neon­azis aus diesem Spek­trum inter­na­tionale Kon­tak­te knüpfen.

Der Bran­den­burg­er Ver­fas­sungss­chutzbericht von 2017 erwäh­nte beispiel­sweise  in diesem Zusam­men­hang einen „Lieder­abend“ mit 50 Teil­nehmenden, in dessen Rah­men auch das Musikpro­jekt „Flak“ in Rathenow auf­trat.

Die For­ma­tion um den Neon­azi Philipp Neu­mann aus Rhein­land ist im Milieu für ihren gitar­ren­be­gleit­eten Lied­vor­trag, vor allem aber wegen der ein­schlägi­gen Texte bekan­nt. Auf dem ersten, mit­tler­weile indizierten Album „Feuer­taufe“ find­en sich beispiel­sweise Liedti­tel wie „AJAB“ („all jews are bas­tards“) oder „Alle Ver­räter wer­den hän­gen“.

Flak“ und dessen Mit­glieder sind im inter­na­tionalen Recht­srock­geschäft tätig, trat­en u.a. bei Konz­erten in Frankre­ich und in der Schweiz auf. Die Band soll zum Naziskin-Net­zw­erk der 1986 in den USA gegrün­de­ten „Ham­mer­skin Nation“ gehören. Deren Sym­bol sind zwei gekreuzte Häm­mer. Die englis­che Beze­ich­nung „crossed ham­mers“ bzw. die Anfangs­buch­staben „C“ und „H“ wer­den mit den Zahlen „3“ und „8“ als „38“ codiert. Die Unter­stütze­ror­gan­i­sa­tion der „Ham­mer­skins“ nen­nt sich dementsprechend „Crew 38“. Auch Flak-Sänger Philipp Neu­mann wird dazugerech­net. Auf einem Foto im Social­me­dia trägt er ein T‑Shirt mit dem Auf­druck „Crew 38“.

Der Zahlen­code „38“ find­et in Rathenow eben­falls Anwen­dung. Akteure aus der Immo­bilie an der Rhi­now­er Land­straße nutzen es als Erken­nungsze­ichen an PKW-Num­mern­schildern. Auf einem Fahrzeug eines Aktiv­en der „Crew 38“ find­et sich auch eine Auf­schrift mit direk­tem Bezug zur Laube: „Garten of Hate ‑Rathenow“.

Reise zum SS Gedenken nach Budapest

Die lokalen Köpfe des „Crew 38“-Netzwerkes sind Mar­tin K aus Rathenow und Stephan H aus Prem­nitz. Bei­de sind seit Ende der 1990er Jahre im neon­azis­tis­chen Kam­er­ad­schaftsm­i­lieu aktiv. Als die Polizei die Vere­insver­bote gegen die Kam­er­ad­schaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ voll­streck­te und bei 39 Per­so­n­en Haus­durch­suchun­gen durch­führten, waren bei­de jedoch nicht betrof­fen. Das ist insofern ungewöhn­lich, da Szeneken­ner sie bere­its damals zum harten Kern des lokalen neon­azis­tis­chen Milieus zählten. Mar­tin K trat in dieser Zeit zudem durch mehrere Gewalt­de­lik­te strafrechtlich in Erschei­n­ung. Doch auch in einem Straf­prozess, in dem mehrere Gewalt­tat­en aus dem Jahr 2005 ver­han­delt wur­den, wurde Nach­sicht gegenüber ihn gewährt. Er wurde zu ein­er auf Bewährung aus­ge­set­zten Frei­heitsstrafe verurteilt.

2015.01.26 BRB_Havel BraMM Demo

Unters „Volk“ gemis­cht: Mar­tin K und Stephan H während eines Auf­marsches des Bran­den­burg­er PEGI­DA-Ablegers „BraMM“ am 26. Jan­u­ar 2015 in Bran­den­burg an der Hav­el.

In den fol­gen­den Jahren nah­men K und H an ver­schiede­nen öffentlichen Ver­samm­lun­gen der NPD, dem Bran­den­burg­er PEGI­DA-Ableger „Bramm“ sowie vom „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ teil. Darüber hin­aus liegen belast­bare Hin­weise über die Teil­nahme Bei­der an Tre­f­fen des „Hammerskin“-Unterstützernetzwerkes vor.

Jet­zt wurde bekan­nt, das K und H am so genan­nten „Tag der Ehre“ in Budapest teil­nah­men. Auf Fotos sind Bei­de sog­ar mit Kennze­ichen der „Ham­mer­skins“ zu sehen, die auf eine Vollmit­glied­schaft bei dieser über­wiegend im Ver­bor­ge­nen arbei­t­en­den Organ­i­sa­tion hin­weisen. Die Patch­es mit den gekreuzten Häm­mern an den Jack­en von K und H deuten darauf hin.

2019.02.09 Budapest - Tag der Ehre

Stephan H. aus Prem­nitz (links) und Mar­tin K. aus Rathenow (rechts) im Ham­mer­skin-Out­fit, während des SS Gedenkens in Budapest (Ungarn). Foto: Pixelarchiv.org

Der „Tag der Ehre“ ist ein inter­na­tionales Ver­net­zungstr­e­f­fen von Neon­azis, welch­es der Glo­ri­fizierung der während des Zweit­en Weltkrieges im Kampf um Budapest 1945 gefal­l­enen Ange­höri­gen der Waf­fen SS dient. Bei der Zusam­menkun­ft am ver­gan­genen Woch­enende ver­sam­melten sich unge­fähr 300 Teil­nehmende aus Ungarn, Ser­bi­en, Nor­we­gen, Ital­ien, Ukraine, Rus­s­land und Deutsch­land in der ungarischen Haupt­stadt. Die Neon­azis gaben sich durch Fah­nen, Ban­ner und Klei­dungsstücke als Sym­pa­thisierende der neon­azis­tis­chen Net­zw­erke „Ham­mer­skin Nation“, „Blood & Hon­our“ und „Nordiska mot­stånd­srörelsen“ zu erken­nen.  Hitler­bild­nisse, Hak­enkreuze, SS Runen und ähn­lich­es wur­den offen zur Schau gestellt.

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