13. Dezember 2007 · Quelle: Inforiot

Braunes Knastnetzwerk

INFORIOT Ein SA-Mann dient als Cov­er­mod­el — Schwarz-weiß-rote Fahne und eine deut­lich erkennbare Hak­enkreuzbinde am Arm inklu­sive. Dieses (strafrechtlich rel­e­vante) Motiv find­et sich auf der aktuellen Aus­gabe vom “JVA Report”, der von einem “Fre­un­deskreis Bran­den­burg” her­aus­gegeben wird. Die Zeitschrift ist Teil des bun­desweit­en Net­zw­erkes von Neon­azis, welch­es sich um die Betreu­ung von inhaftierten Neon­azis küm­mert. Zur Ermunterung, auch im Gefäng­nis und darüber­hin­aus in der Szene aktiv zu bleiben, wird das Heft bun­desweit an recht­sex­treme Gefan­gene versendet. Bish­er sind zehn Aus­gaben erschienen. Bis zur neun­ten Num­mer erschien das 2006 gegrün­dete Heft unter dem Titel “Fre­un­deskreis Bran­den­burg”, erst bei der aktuellen erfol­gte die Umben­nung in “JVA Report”. Inzwis­chen gibt es auch eine Inter­net­präsenz. Anti­semi­tis­che Karika­turen wech­seln sich ab mit Tipps für den Knastall­t­ag und den üblichen recht­en Tiraden (Deutsches Volk erwache!”, “Die weiße Rasse ist bedro­ht”). Deut­lich­er Schw­er­punkt sind Inter­views mit inhaftierten Neon­azis.

In der Dop­pelaus­gabe 4/5 kommt beispiel­sweise Sebas­t­ian Dahl aus­führlich zu Wort. Der Neon­azi beschw­ert sich, dass für seinen Geschmack zu viele Aus­län­der in der JVA Tegel in Berlin ein­sitzen — dort ist auch er inhaftiert. Zuvor, in der JVA Brandenburg/Havel hat­te es ihm bess­er gefall­en. Nach sein­er Haftzeit will er weit­er aktiv bleiben: “Poli­tisch werde ich nicht ruhiger wer­den. Das weiß ich schon heute!” Dahl hat­te im Jahr 2001 zusam­men mit anderen Neon­azis mit Brand­sätzen die Bühne des anti­ras­sis­tis­chen Fes­ti­vals “Le Monde Est A Nous” in Königs Wuster­hausen abbren­nen wollen. Die Tat erfol­gte in der Nacht vor dem Fes­ti­val. Auf der Bühne schliefen zu dieser Zeit mehrere alter­na­tive Jugendliche.

Weit­ere Inter­view­part­ner waren bis­lang beispiel­sweise der verurteilte Naziter­ror­ist Mar­tin Wiese und “Landser”-Sänger Michael “Lunikoff” Regen­er. Als Autor tritt auch Karl Polacek, ehe­ma­liger Funk­tionär der 1995 ver­bote­nen “Frei­heitlichen Deutschen Arbeit­er­partei” (FAP), in Erschei­n­ung.

Stre­ichelein­heit­en für die See­len inhaftiert­er Neon­azis und dazu materielle Unter­stützung — Ansatz des “Fre­un­deskreis­es” ist es, alles zu tun, um den harten Kern der mil­i­tan­ten Szene selb­st während Gefäng­nisaufen­thal­ten bei der Stange zu hal­ten. Vor­bild­funk­tion hat offen­sichtlich die Hil­f­sor­gan­i­sa­tion für nationale poli­tis­che Gefan­gene (HNG), für die im Heft auch regelmäßig Wer­bung gemacht wird. Die HNG gilt als eine der ein­flussre­ich­sten und mit­glieder­stärk­sten Organ­i­sa­tio­nen im bun­des­deutschen Neon­azis­mus.

Auf­fal­l­end ist, dass der “Fre­un­deskreis” auch Wert auf inter­na­tionale Ver­net­zung legt. Zum Beispiel find­en sich Beiträge von US-amerikanis­chen Neon­azis über das dor­tige Gefäng­nis­sys­tem und Wer­beanzeigen für Grup­pen wie die “Aryan Renais­sance Soci­ety”. Die let­zte Aus­gabe des Hefts ist sog­ar neben der reg­ulären Aus­gabe auch kom­plett in Englisch über­set­zt zu erhal­ten.

Der “Fre­un­deskreis Bran­den­burg” ist offen­bar maßge­blich in Belzig behei­matet. Als Kon­tak­tadresse diente lange Zeit ein dor­tiges Post­fach. Es ist inter­es­san­ter­weise das gle­iche, welch­es auch schon die mit­tler­weile inak­tive Neon­azi­gruppe “Preußis­che Aktions­front” bis etwa 2005 benutzt hat­te. Deren Anführer, Pas­cal Stolle (siehe Foto links) hat selb­st schon im Gefäng­nis gesessen. Wegen eines äußerst bru­tal­en Über­falls auf die Mit­glieder ein­er linken Band 1997 war er zu fünf Jahren Haft verurteilt wor­den. Es ist zu ver­muten, dass der “Fre­un­deskreis Bran­den­burg” sich aus dem Umfeld der ehe­ma­li­gen “Preußis­chen Aktions­front” rekru­tiert.

Inhab­er des “Freundeskreis”-eigenen Spendenkon­to ist hinge­gen von Anfang an der recht­sex­treme Aktivist Ste­fan Richardt aus Wittmund (Nieder­sach­sen) gewe­sen. In der aktuellen Aus­gabe der Zeitschrift dient nun auch sein Post­fach als Kon­tak­tadresse des “Fre­un­deskreis Bran­den­burg”.

Belziger Neon­azis sind in der jün­geren Ver­gan­gen­heit häu­figer bun­desweit auf Events der recht­sex­tremen Szene aufge­taucht. Wie die unten ste­hen­den Fotos (aufgenom­men im August 2007 in Sach­sen-Anhalt) bele­gen, treten sie nicht mehr als “Aktions­front” auf son­dern nutzen Label wie “Divi­sion Belzig”, “Kam­er­ad­schaft Hoher Fläming” oder “Fläming Front”.

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