15. Mai 2003 · Quelle: MAZ

Brutalität neben Idealismus

Bil­dungsmin­is­ter stellt drit­ten Kinder- und Jugend­bericht des Lan­des vor

(MAZ) POTSDAM Die Zahl der min­der­jähri­gen Sozial­hil­feempfänger ist in den
ver­gan­genen Jahren weit­er gestiegen. Während 1994 etwa 17 600 Kinder von staatlicher
Unter­stützung lebten, waren es 2000 bere­its knapp 22 000. Das geht aus dem 3.
Kinder- und Jugend­bericht des Lan­des her­vor, den Bil­dungsmin­is­ter Steffen
Reiche (SPD) gestern präsen­tierte. “Das ist eine Entwick­lung, die uns Sorge
macht.” Unter­sucht wur­den die Lebens­be­din­gun­gen von 752 000 Bran­den­burg­ern unter
27 Jahren. 

Beun­ruhi­gend ist auch die Entwick­lung der Gewalt­bere­itschaft im Land.
Jugendliche wür­den oft wesentlich bru­taler vorge­hen als etwa Täter in anderen
Bun­deslän­dern, so Reiche. Grund dafür sei das man­gel­nde Inter­esse viel­er Eltern.
Es sei nicht nachvol­lziehbar, dass in märkischen Kinderz­im­mern dop­pelt so
viele Fernse­her und Videogeräte ste­hen wür­den wie in west­lichen. “Durch
unkon­trol­lierten Fernsehkon­sum entste­ht ein Nährbo­den der Gewalt.” 

Trotz dieser Neg­a­tiv-Entwick­lun­gen zog der Min­is­ter eine pos­i­tive Bilanz. In
Bran­den­burg wachse eine Gen­er­a­tion her­an, “auf die man stolz sein kann”. Die
Hil­fs­bere­itschaft viel­er Jugendlich­er während der Elbe-Flut 2002 und der
Schüler-Protest gegen den Irak-Krieg zeige, dass keine Gen­er­a­tion von
“Ego-Tak­tik­ern” her­an­wächst, sagte Reiche. “Die Jugendlichen von heute engagieren sich
und treten für ihre Ide­ale ein.” 

Ins­ge­samt hät­ten sich die Bedin­gun­gen für das Aufwach­sen verbessert. So sei
das durch­schnit­tliche Haushalt­seinkom­men kon­tinuier­lich gestiegen. Außerdem
sei die Arbeit­slosigkeit bei Jugendlichen unter 20 weit­er zurück­ge­gan­gen. Auch
die Zahl der bei Unfällen verunglück­ten Kinder sei seit 1991 gesunken. 

Gle­ichzeit­ig ver­wies der Min­is­ter darauf, dass der Geburtenknick nach der
Wende “ein­schnei­dende Verän­derun­gen” in der Jugen­dar­beit zur Folge habe. Viele
Jugend­klubs werde man nicht mehr hal­ten kön­nen. Daher sei ehrenamtliches
Engage­ment wichtiger denn je. Am 610-Stellen-Pro­gramm, mit dem speziell
Jugend­pro­jek­te unter­stützt wer­den, solle jedoch nicht gerüt­telt wer­den, sagte Reiche.
Zusät­zlich soll es durch den Aus­bau von Ganz­tagss­chulen weit­ere Angebote
geben. 

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