16. Mai 2003 · Quelle: Ostsachen Infos

Ortswechsel bei der MJZ

Diesen Artikel gibt es bebildert auf der Home­page der Ost­sach­s­en­in­fos

Seit Ende Jan­u­ar ist es um die Veröf­fentlichun­gen auf der Home­page der „Mit­teldeutsche Jugendzeitung“ (MJZ) ruhiger gewor­den, nach­dem dort wochen­lang enorme Pro­pa­gan­da betrieben wurde, mit der ver­meintliche linke Struk­turen aus Hoy­er­swer­da und Umge­bung aufgedeckt wer­den soll­ten. Die
ange­bote­nen „atem­ber­auben­den“ Recherchen der Hoy­er­swer­daer Neon­azis waren dann doch eher dürftig (siehe sub­ver­siv #18 „Hil­fe: Umgeben von Antifas“).

Sebas­t­ian Richter (Deck­name: Sepp Hagen) und seine „Freien Aktivis­ten Hoy­er­swer­da“ (FAH) bee­in­flussten bis Ende Jan­u­ar 2003 maßge­blich den Inhalt und Ver­trieb der MJZ, jet­zt wird der Ver­trieb der MJZ aus dem nord­deutschen
Ost­see­ort Wol­gast (bei Greif­swald) geleit­et. Dahin­ter steckt die sog. „Pom­mer­sche Aktions­front Wol­gast“ (PAW) die nach Recherchen antifaschis­tis­ch­er Grup­pen aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern (MV) im Som­mer 2002
zum ersten Mal in Erschei­n­ung trat. So wird in einem Read­er von antifaschis­tis­chen Grup­pen in MV über Recht­sex­trem­is­mus MV 2002 über die PAW berichtet:

Die Neon­azis der Pom­mer­schen Aktions­front (PAF) trat­en im Som­mer 2002 erst­mals in Erschei­n­ung. Seit­dem ver­suchen sie sich in Vor­pom­mern mit Aktio­nen wie “Gedenkver­anstal­tun­gen”, “Mah­nwachen”, Demon­stra­tio­nen etc. Der Use­domer Neon­azi Michael Kutschke scheut sich nicht, regelmäßig über
ihre Aktiv­itäten zu bericht­en, aber auch der Wol­gaster Michael Ved­der schrieb schon für die PAF. Sie nutzt ein Post­fach der soge­nan­nten IG “Tat­en statt Worte” in Wol­gast.
Mehr zu MV und Nazi­ak­tiv­itäten: www.links-lang.de

Seit Anfang diesen Jahres dürfte eine bedeu­tende Aktiv­ität hinzugekom­men sein, der Vertreib der MJZ. Sepp Hagen, so heißt es in einem Update, musste auf­grund per­son­eller Gründe abdanken. Ob das wiederum heißt, dass er Arbeit
gefun­den hat (dann natür­lich nicht in Hoy­er­swer­da) oder aus anderen Grün­den ver­hin­dert ist, dass entzieht sich unser­er Ken­nt­nis. Jedoch eines lässt sich fes­thal­ten, dass sich die MJZ zu ein­er Naz­izeitung entwick­elt hat, die
für ganz Ost­deutsch­land Rel­e­vanz haben wird oder bere­its hat. So ist die Grün­dung der MJZ gle­ichzeit­ig mit der Auf­gabe und damit Zusam­men­le­gung einiger regionaler Nazi-Zeitung­spro­jek­te ver­bun­den wie zum Beispiel „DIE
KAMERADSCHAFT“ aus Hoy­er­swer­da oder „DER JNSler“ (Nord)Brandenburg.

Gle­ichzeit­ig zum Auf­bau der MJZ haben die lokalen und über­re­gionalen Ver­net­zungs­be­mühun­gen zugenom­men. Min­destens ein Tre­f­fen, dass über das seit Ende Okto­ber 2002 nicht mehr betriebene „Nationale Infotele­fon Sach­sen“ (NIT-Sach­sen) angekündigt wurde, hat in Kamenz stattge­fun­den.
Min­destens zwei weit­ere Ende 2002 in Hoy­er­swer­da. Zum vor­läu­fi­gen Höhep­unkt ver­anstal­tete die „Bewe­gung Deutsche Volks­ge­mein­schaft — Mit­teldeutsch­land“
(BDVG) eine Kundge­bung zum 17.11.2002, die vom Bun­desvor­sitzen­den des BDVG
Lars Käp­pler aus Neckar­wes­t­heim angemeldet wurde.

Drei Wochen später hat­te der Eber­swalder Neon­azi Gor­don Rein­holz die Demon­stra­tion der sog. „Lausitzer Arbeit­slos­enini­tia­tive“ am 07.12.2002 in Hoy­er­swer­da angemeldet, die maßge­blich durch Rein­holzes „Märkischen
Heimatschutz“ (MHS) organ­isiert und durchge­führt wurde. Das lächer­liche Pro­jekt „Lausitzer Arbeit­slos­enini­tia­tive“ ent­pup­pte sich schnell zudem was es ist: eine getarnte Beze­ich­nung eines Nazi-Net­zw­erkes.

Trotz­dem gibt es aber auch ander­weit­ige Ten­den­zen: Das alljährliche Auflaufen der ost­säch­sis­chen Nazi­grup­pen am ersten Juli-Sam­stag in Zit­tau, dem Nazi-Gedenken an den selb­stver­schulde­ten Tod Hol­ger Müllers 1992 in
Zit­tau, war in der Ver­gan­gen­heit noch ein echter Beweis für eine regionale Ver­net­zung. Seit dem let­ztem Jahr jedoch nicht mehr vorhan­den; nur etwa 50 Nazis marschierten durch Zit­tau Süd. Alle Ver­suche eine Ver­net­znet­zung
neuerd­ings durch markante Trans­par­entsprüche her­vorzuza­ubern, wie es der Glossen­er Nazikad­er Hol­ger Zim­mer­mann am Ersten Mai 2003 in Berlin
ver­suchte, sind jedoch lediglich Augen­wis­cherei.

Auch andere regionale Nazi-Ver­net­zung­spro­jek­te sind glück­licher­weise in der Ver­gan­gen­heit den Bach herun­terge­gan­gen, weil diese meist nur von weni­gen
Nazikadern getra­gen wur­den. Durch Bemühun­gen Rein­holzes wurde 1999 das „Nationale und Soziale Aktions­bünd­nis Mit­teldeutsch­land“ (NSAM) gegrün­det, was an ähn­liche Vorhaben in Nord­deutsch­land erin­nert. Jedoch ist
diese Ver­net­zungs­be­mühung kläglich gescheit­ert. Jet­zt wird diese Net­zw­erk-Beze­ich­nung von der Wol­gaster Kam­er­ad­schaft ver­wen­det.

Die lokalen NPD-Kad­er wie Klaus Men­zel aus Wald­hufen und Jür­gen-Uwe Krumpholz aus Gör­litz „glänzen“ nur noch durch verzweifelte Einze­lak­tiv­itäten. Bei­de liefen am 24.04.2003 in Dres­den zur Grün­dung eines “Nationalen Bünd­nis für Dres­den” (ART Dres­den berichtete) in Dres­den
auf. Am 1.Mai 2003 krakelte Men­zel auf einem Auf­marsch des „Bünd­nis Rechts Lübeck“ in Dres­den, am 8.Mai 2003 in Begleitung des Gers­dor­fers NPDler Ste­fan Latzel eben­falls. Doch warum kamen die Lübeck­er Nazis um Dieter Kern
ger­ade auf Dres­den? Kon­tak­te nach Lübeck dürften schon länger beste­hen, so wird Enri­co Kehring aus Niesky als Ansprech­part­ner für das „Bünd­nis Rechts Sach­sen“ angegeben. Dieter Kern aus Lübeck, war auf dem kläglichen
Auf­marsch der „Inter­essens­ge­mein­schaft für die Wiedervere­ini­gung Gesamt­deutsch­lands e.V.“ (IWG) am 13.04.2002 in Bad Muskau, Mit­glieder der
Niesky­er Kam­er­ad­schaft „Schle­sis­che Jungs“ durften brav das Trans­par­ent
des „Bünd­nis Rechts“ hal­ten. Zum 24.08.2002 meldete Kehring gar selb­st eine
Kundge­bung in Löbau an, die jedoch Tage zuvor abge­sagt wurde (ange­blich
wegen des Hochwassers).

Durch den „Ver­lust“ von Sepp Hagen, ist der ost­säch­sis­chen Naziszene jedoch eine wichtige Bezugsper­son entron­nen. Man kann davon aus­ge­hen, dass die bish­er ver­hält­nis­mäßig große
Rel­e­vanz der Region Sach­sen in der Zeitung schwinden wird.

Nazipro­pa­gan­da ver­hin­dern – immer und über­all!

Ost­sach­s­en­in­fos

Gör­l­itzer Info­gruppe
www.ostsachseninfos.tk

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