6. April 2008 · Quelle: Inforiot

Chainbreaker lösen sich auf

Inter­view, Fotos, MP3-Down­load zum Abschied­skonz­ert der Pots­damer Hard­core-Band

Chain­break­er sind Geschichte. Chain­break­er, das war eine der besten Hard­core-Punk-Bands aus dem Land Bran­den­burg. Nach sechs Jahren Beste­hen mit

etwa 80 Konz­erten und etlichen Vinyl-Veröf­fentlichun­gen wer­fen die vier Pots­damer das Hand­tuch. Aus Anlass der let­zten bei­den noch anste­hen­den

Konz­erte, führten wir mit der Band ein Inter­view. Die Geschichte von Chain­break­er, Gedanken zu Punk und Hard­core, zu Poli­tik und Nicht-Poli­tik und

einige Anek­doten kom­men zur Sprache.

Das let­zte Konz­ert in Bran­den­burg find­et am Fre­itag, dem 25. April im Black Fleck

(Zep­pelin­straße 26) in Pots­dam statt (zusam­men mit Altare und The Now Denial (Fly­er). Am Sam­stag, dem 26. April gibt es dann das endgültig let­zte Konz­ert: In der Kas­tanie 85

(Kas­tanien­allee 85 im Pren­zlauer Berg) in Berlin (mit Insuici­ety und The Now Denial).

Stellt euch bitte vor. Wie heißt ihr, welch­es Instru­ment spielt ihr, wie alt seid ihr?

Flo: Ich bin Flo, zurzeit 30 Jahre alt, spiele Schlagzeug.

Froe­si: Ich bin Froe­si, 177 Zen­time­ter groß und ich spiele Bass. Ich bin 32. Will ja nicht den Ein­druck erweck­en, es sei mir pein­lich.

Stolle: Ich bin Dodo, Mad und immer wieder Stolle, in jedem Fall aber nicht weit­er rel­e­vant. Ich bin 102 Pro­fil­jahre alt und kann immer noch nicht

Schlachzeuch spie­len, weil ich es immer noch nie pro­biert habe, dafür allerd­ings dann Gitarre umso weniger.

Willy: ich Willy und bin 30! Sehe aber jünger aus.

Man hört, es hät­ten ein, zwei Leute von euch mit Sol­id Decline bzw. mit Y

zu tun (gehabt). Stimmt das?

Froe­si: Ja. Ich habe in Y gesun­gen, als es diese Band noch gab, was aber diesel­ben Leute sind. Willy hat uns dann auch noch für unsere Ami-Tour

ver­stärkt, weil meine Stimme damals nicht so kräftig war… Jet­zt singe ich noch bei Sol­id Decline, was aber auch diesel­ben Leute sind. Nur ein

ander­er Name und ein ander­er Sound.

Wann wurde Chain­break­er gegrün­det? Was war das High­light in der Bandgeschichte?

Flo: Gegrün­det haben wir uns Anfang 2002. Bis­lang haben wir 80 Auftritte gehabt — bei den meis­ten davon hat­ten wir auch Spass. High­light der

Bandgeschichte? Puuh — für mich waren die bei­den kleinen Touren, die wir gemacht haben, das High­light. Und die „Het­z­jagd im Nichts“ LP, auf der wir so

sind, wie ich es immer haben wollte.

Froe­si: Auf unser­er ersten Tour haben wir im Novem­ber 2005 auch im Beset­zten Haus in Erfurt gespielt. Ich kann

mich nur noch an total viele Leute erin­nern, die uns nicht von der Bühne lassen woll­ten. Alle sind irgend­wie und auch zwangsläu­fig abge­gan­gen, weil es

so voll war. Alle schienen die Texte zu ken­nen und mit zu sin­gen. Das, zusam­men mit dem Konz­ert im Black Fleck in Pots­dam im August 2005 mit Pommes

Bru­tal aus Ham­burg und Reiz­gas aus Pots­dam, waren für mich die High­lights. Außer­dem ist es für mich immer

sehr schön, mit den anderen rum zu hän­gen. Zum Beispiel sich mit Flo auf Tour die Städte anzuse­hen und von ihm etwas Wis­senswertes zu erfahren. Der

ken­nt sich näm­lich in vie­len Din­gen ganz gut aus, also was so etwas über All­ge­mein­wis­sen hin­aus­ge­ht.

Mad: Das High­light wird gle­ichzeit­ig zum Schlus­slight. Am 25. April wird das Black Fleck offiziell abgeris­sen!

Wie nen­nen wir denn den Stil, den Chain­break­er spie­len? Ein­fach Hard­core-Punk?

Flo: Jo — passt.

Dodo: Ich nenne ihn … Spielor! Wie ihr ihn nen­nt darf ich euch lei­der nicht ver­rat­en. Mit Hard­core und Punk is das ja immer so ne Sache, Die einen

weinen in ihr Bier, weil „das is ja gar kein Punk“, die andern haben extra ihre teuren Train­ingssachen ange­zo­gen und kön­nen dann keinen einzi­gen

Round­house-kick unter die Leute brin­gen. Bei­des zusam­mengenom­men ste­ht dann für alles und gar­nichts und irgend­wo dazwis­chen is immer ein Platz frei.

Willy: Solange wie “Geil­er..” davor ste­ht iss­es mir Jacke wie Hose, wies wer nen­nt! Aber Hard­core-Punk kön­nte hinkom­men!

Worum ging es bei Chain­break­er? Welche Ket­ten woll­tet ihr brechen?

Willy: Die Gold­ket­ten von Train­ing­sho­sen tra­gen­den Hard­core-Bol­los! Welche son­st!

Flo: Zu allererst ging es bei der Band darum, Musik zu machen. Die drei anderen waren vorher ja in der Band Crude B.E., hat­ten während ein­er

ein­jähri­gen Band­pause Lust, trotz­dem ein bißchen Lärm zu machen und haben mich gefragt, ob ich da nicht mit­machen will. Es ging wirk­lich nur ums

Damp­fa­blassen — nichts Orig­inelles, keine „Kar­riere“ und auch keine poli­tis­che Agen­da. Auf den Namen Chain­break­er sind wir eher gekom­men, weil uns im

ersten Jahr die Idee gefall­en hat, alle „Hardcore“-Klischees zu ver­wen­den, musikalisch und auch son­st. Ist ja auch ein Super-Klis­cheename. Hat mich

ziem­lich gewun­dert, dass es dann doch noch gar nicht soooo viele Bands mit dem Namen gab.

Froe­si: Zumin­d­est keine Hard­core-Bands… Aber was Flo sagt, stimmt. Wir anderen waren alle bei Crude B.E. und der Schlagzeuger Lof­fi ist damals für

ein Jahr mit dem Fahrrad und seinem Cousin nach Afri­ka gefahren. Wir hat­ten ein­fach Bock, in der Zeit etwas zu machen. Es war dann von Anfang sehr

punkig und mir hat das sehr gut gefall­en. Das Ganze ist dann doch ern­sthafter gewor­den und wir haben ein­fach weit­er gemacht, ein Demo aufgenom­men,

Konz­erte gespielt…

Und warum löst ihr euch auf?

Flo: Die Fam­i­lien- und Job­si­t­u­a­tion hat sich in den let­zten Monat­en bei uns ziem­lich ver­schärft, so dass wir immer weniger Zeit hat­ten, um die Band so

richtig zu betreiben. Und bevor es ein­er­seits stres­sig vom Aufwand und ander­er­seits unbe­friedi­gend vom Ergeb­nis her wird, haben wir beschlossen, die

Band zu been­den. Für mich per­sön­lich kommt noch dazu, dass ich nach der LP nicht mehr so recht weiß, wie ich da noch mal einen drauf­set­zen kann.

Froe­si: Was die Musik ange­ht, habe ich nicht das Gefühl, da käme nach der LP nichts mehr, weil wir sowieso immer das gemacht haben, was uns Spaß

macht. Flo hat wahrschein­lich dieses Gefühl, weil wir uns in let­zter Zeit im Prober­aum nur im Kreis gedreht haben und keine neuen Ideen hat­ten. Ich

spiele noch in ein­er anderen Band und auch bei mir nimmt das Studi­um und auch alles andere viel Zeit und vor allem auch Kopf in Anspruch. Ich war

ein­fach nur noch mit dem hal­ben Arsch dabei und auf der LP zum Beispiel sind nur zwei Songs von mir. Nach langem Zögern habe ich mich entsch­ieden,

auszusteigen, obwohl es mir sehr schw­er viel fiel und ich mit ziem­lich­er Sicher­heit auch die anderen ent­täuscht habe.

Dodo: Du hast die Wahl. Es ist immer 50/50. Aufhörn-Weit­er­ma­chen-Aufhörn-Weit­er­ma­chen… Und dann hast du die Wahl: Willst du mit diesem Spiel aufhörn

oder weit­er­ma­chen? Also, Aufhörn-Weit­er­ma­chen-Aufhörn-Weit­er­ma­chen… Und du entschei­dest dich dafür, alles genau abzuwä­gen: entwed­er Aufhörn, oder

Weit­er­ma­chen… am Ende stellt sich dann her­aus, du weißt, was du willst. Du hast dir deine 50 aus­ge­sucht und jet­zt brauchst du nur noch den Pfad in

deinem Kopf zurück­ver­fol­gen in der Hoff­nung, deine Rechts-Links-Grün­schwäche möge heute nicht ganz so schwach wie son­st sein und fer­tig
ist die Kiste.

Klare Sache.

Willy: Ab einem bes­timmten Alter is dit nor­mal! Erst die Haare dann die Fin­gernägel… Dann Haut… Und so langsam löst man sich kom­plett auf!

Stammt ihr alle aus dem Land Bran­den­burg? Aus Pots­dam? Wie kommt man dazu, Hard­core ken­nen­zuler­nen und dann selb­st eine Band zu starten?

Flo: Ich komme wed­er aus Pots­dam, noch aus Bran­den­burg, son­dern aus dem Raum Bad Dürkheim. Was einen dazu bringt, Hard­core zu hören und eine Band zu

starten? Keine Ahnung. Ich hab mich für Punkmusik und für Hard­core inter­essiert, weil das aggres­sive und laute Musik war, die mir gut gefall­en hat.

Zuerst mal musikalisch, dann auch von dem, was die Musik­er an Inhal­ten trans­portieren woll­ten. Und wenn man dann ein bißchen tiefer rein­rutscht,

bleibt das meis­tens nicht aus, dass man sich auf die eine oder andere Art daran beteiligt — sei es, dass man selb­st eine Band hat, oder dass man

Konz­erte ver­anstal­tet, Plat­ten verkauft, ein Fanzine macht. Das Schöne ist ja, dass man mit ein­fach­sten Mit­teln dur­chaus Großar­tiges auf die Beine

stellen kann. Eine Band muss nicht notwendi­ger­weise vir­tu­os sein, um einen Haufen Energie zu trans­portieren. Ein Heft muss nicht notwendi­ger­weise

teuer gelay­outet und gedruckt sein, um inter­es­sante Gedanken zu ver­mit­teln… Ach, ich schweife ab. Kurz: ich hat­te irgend­wann Lust drauf, auch selb­st

Krach zu machen, nach­dem ich öfters den Krach von anderen gut gefun­den hat­te.

Froe­si: Willy ist der einzige von uns, der ursprünglich aus Pots­dam stammt. Ich sel­ber komme aus Schwedt/Oder. Eine Kle­in­stadt, zu Ostzeit­en ziem­lich

bekan­nt für das Petrol­chemis­che Kom­bi­nat. Arbeit­ge­ber für fast alle der 50.000 Ein­wohn­er, von denen jet­zt nur noch etwa ein Drit­tel da wohnen. Die

Wohnkom­plexe, in die diese Stadt eingeteilt war, wur­den nach der Wende dann auch zu einem großen Teil zurück­ge­baut. Als „nation­al befre­ite Zone“ hat

sich Schwedt dann nach der Wende einen Namen gemacht, aber da war ich schon in Pots­dam, habe also ein wasserdicht­es Ali­bi… Die Antwort zum zweit­en

Teil der Frage (der hier irgend­wie gar nicht richtig passt…) geht so: Musst eben mit den richti­gen Leuten rumhän­gen. Und irgend­wie woll­ten wir alle

in ein­er Band sein und unsere Helden beklauen.

Mad: Ich hab mich nie für meinen Stamm­baum inter­essiert. Aber ich bin mir sich­er, ich stamme von woan­ders. Das war dann auch genau der Grund, wieso

ich mit Hard­core zusam­menge­führt wor­den bin. Ich wurde schon sehr früh entwurzelt und damit blieb fast gar keine andere Wahl, als es allen mit Punk

und dann auch Hard­core dop­pelt und dreifach zurück­zugeben. Wie lange ich das noch durchziehn will, hängt davon ab, wie lange mein Nietengür­tel noch

hält, aber solange gibt es keine Gnade, Vati! Naja, und als Band macht das Alleinetrinken ein­fach mehr Spaß.

Willy: Geil, wenn Frösi für mich antwortet! Ja, ich bin der einzige der hier geboren is, hier lebt und hier auch noch arbeit­et und so Kram! Diese

Stadt is zum Kotzen! Wie man zu dem Ganzen kommt? Weiss gar nich mehr genau wies war aber ich glaube ich hab von Schnei­der mal Point Blank bekom­men

was so mit die erste Hard­core-Sache war und dann nahm das Elend seinen Lauf! Jedes Konz­ert in Pots­dam miter­lebt wenn ich kon­nte! Egal ob ich die Band

kan­nte oder nich! Is ja heute lei­der nich mehr so bei vie­len! Ja, jut, bei mir ooch nich! Das war alles so Anfang Neun­z­ja! Dann die Schüler­band sein

lassen und ich glaube 1993 oder 94 die erste Band! Dann kam Crude B.E. die keinen Sänger hat­ten und ab gings! Ich glaub so wars!

Was sind die Punk­te, die bei Chain­break­er beson­ders viel Spaß gemacht haben? Was heißt DIY für euch,

was ist daran pos­i­tiv? Was ist eher anstren­gend?

Flo: Am meis­ten Spaß hat­te ich bei Chain­break­er bei den Konz­erten — wenn wir merken, dass wir es geschafft hat­ten, mit den Leuten zusam­men einen guten

Abend zu haben. Oder als wir die LP aufgenom­men haben und während dem Ein­spie­len ein­fach gemerkt haben, dass wir es da richtig machen. Anson­sten halt

das Zusam­men­sein ein­mal mit den drei anderen an sich und dann mit all den anderen net­ten Leuten, die wir über die Band so ken­nen­gel­ernt haben. Manche

dieser „Szene-Bekan­ntschaften“ sind schon so richtige Fre­unde gewor­den, z.B. Skräck aus Leipzig. Zu DIY

habe ich mich ja eben schon ein biss­chen geäussert. DIY heißt für mich, selb­st aktiv mitzuhelfen, dass dieser ganze Musik-/Szene-Zirkus auch weit­er am

Laufen gehal­ten wird und nicht darauf hof­fen, dass es irgend­je­mand anders schon machen wird. Als anstren­gend habe ich es immer dann emp­fun­den, wenn es

den Leuten z.B. beim Konz­ertev­er­anstal­ten schon gere­icht hat, dass sie „ja über­haupt was machen“, ohne dass sie sich ein biss­chen Mühe gegeben haben.

Wenn DIY heisst, dass man lust­los, unmo­tiviert und ohne ein Min­dest­mass an Organ­i­sa­tion ein­fach plan­los vor sich hin­wurstelt und das „Sel­ber­ma­chen“

schon der ganze Selb­stzweck ist und alles entschuldigt, kann man es auch sein lassen. Ich finde ja nicht, dass alles per­fekt sein muss und wie am

Schnürchen klap­pen. Ich finde es aber schade, wenn so einiges nicht funk­tion­iert (und andere umso mehr Arbeit haben), weil sich vorher nie­mand einen

Kopf gemacht hat, wie man eine Sache denn sin­nvoll ange­hen kön­nte.

Dodo: Dito! Oder wie wir als Ital­iener­In­nen richtiger­weise sagen wür­den: „a det­to“!

Froe­si: Proben, Konz­erte, Plat­ten kaufen, Plat­ten hören, Plat­ten aufnehmen, Plat­ten ein­tüten… Und mit den Jungs…

Willy: Spaß gemacht hat alles eigentlich! Alles andre muss ich ja nu nich wieder­holen was die jungs schon sagten!

Ein guter Teil eur­er Songs beack­ert gesellschaftliche The­men. Ihr habt ein Pro-Fem­i­nis­mus-Lied, eins gegen Boule­vardzeitun­gen, eins gegen Nazis,

eins über den Stress, den man mit dem Chef auf Arbeit haben kann. Wie poli­tisch sind Chain­break­er als Band, wie poli­tisch seid ihr als Indi­viduen?

Flo: Hmm… Eigentlich han­deln unsere Songs doch fast auss­chliesslich vom Saufen. Was ist denn mit „poli­tisch“ gemeint? Nie­mand von uns bek­lei­det ein

poli­tis­ches Amt, nie­mand ist parteipoli­tisch organ­isiert. Wir nutzen als Band halt das biss­chen Raum, das wir haben, um es mit unseren Gedanken zu

füllen. Jed­er Text basiert zunächst mal auf einem per­sön­lichen Ein­druck, auf ein­er per­sön­lichen Ebene — das The­ma oder der Anlass ist oft ein

poli­tis­ch­er“, aber auf Holzham­mer­ag­i­ta­tion habe ich wenig Lust. Lieber jemand anders ein­fach mal die eige­nen Ein­drücke schildern. Bei vie­len Sachen

habe ich eh viel zu wenig Ahnung, als dass ich mir anmaßen kön­nte, irgendwelche Lösun­gen und Paten­trezepte feil zu bieten. Ich will eigentlich nur

beschreiben, was ich sehe und den Leuten ihre Schlussfol­gerun­gen selb­st über­lassen.

Froe­si: Hat er ganz gut gesagt. Wir sind so poli­tisch, wie du sein kannst, wenn du Dinge schilder­st, die dich bewe­gen oder ankotzen.

Stolle: Der Raum in dem wir uns bewe­gen, brummt regel­recht vor poli­tis­ch­er Über­ladung. Daher ist es auch so gut wie unmöglich, unpoli­tisch zu sein.

Mit allem was wir tun, oder auch nicht tun, nehmen wir Ein­fluss auf Kom­mendes, Zukün­ftiges. So gesehn sind wir alle Poli­tik­erIn­nen und deshalb fordere

ich: gle­iche Diäten für alle!

Willy: Wie will man das definieren, wie poli­tisch man is? Ich habe meine Prinzip­i­en und einen guten Men­schen­ver­stand! Und diese bei­den Sachen haben

sich sich­er durch poli­tis­che The­men geprägt!

Ihr spielt ein Cov­er von der Uralt-Deutsch­punkband Tox­o­plas­ma. Musikalisch seid ihr aber keineswegs

Deutsch­punk. Wie ver­bun­den fühlt ihr euch zur Punkszene im Ganzen?

Flo: Wieso sind wir kein Deutsch­punk? Wir spie­len eine Art Punk, kom­men aus Deutsch­land und haben deutsche Texte — was braucht es denn noch, um

Deutsch­punk“ zu sein? Was ist denn Deutsch­punk? Ich habe mit der Beze­ich­nung echt meinen Frieden gefun­den — zumal zwis­chen O.H.L. und Dack­el­blut, die

ich bei­de auf ihre Weise als „Deutsch­punk“ empfinde, dur­chaus Platz für uns ist. Und was soll „die“ Punkszene sein? Wir ver­ste­hen uns schon als

Punkband — damit haben wir jeden­falls sich­er mehr zu tun als mit vie­len „Hardcore“-Bands, musikalisch, aber auch darüber hin­aus. Dass wir nicht

unbe­d­ingt die Brun­nen­punker mit Iros und „Schiess doch, Bulle“-Sprüchen auf dem Rück­en sind – geschenkt…

Froe­si: Außer­dem ist doch wirk­lich nie­mand an Tox­o­plas­ma vor­bei gekom­men. Sei es nun 1983 im West­en gewe­sen, als die erste LP raus kam oder Anfang der

90er, als sie sich noch mal zusam­men getan haben, um den Osten aufzukaufen. Alle haben dazu schon mal gepogt. Deswe­gen mag ich den Cov­er­song auch so.

Alle ken­nen den und kön­nen mitsin­gen. Die ganzen zuge­hack­ten Emos, die Met­als, die Hard­core-Hei­nis, na ja, und die ganzen Punks sowieso. Alle

verbinden damit irgen­deine bes­timmte Zeit, die wenig­stens bei mir nicht völ­lig frei von unfrei­williger Komik war. Und alle fühlen sich daran erin­nert

und feiern zusam­men ab, obwohl die Erin­nerun­gen vielle­icht völ­lig andere sind. Reicht.

Dodo: Wie ver­bun­den fühl ich mich zur Punkszene im Ganzen…? Glob­al gesehn? So generell? Watt für ne kom­plexe frage. Ja und nein! Nich zu allem fühl

ich mich hingestoßen, aber zu vielem fühl ich mich fort­gewidert. Und ditt is doch Punk, watt für gold­ene Weisheit­en. Die Ein­stel­lung zählt

und­soweiterund­soweit­er. Und nich wieviel Stern­burg-But­tons du uffe Flieger­jacke von dein­er Oma hast. Punk heisst unter anderem zwar ooch Schwamm, aber

wenn ditt einzige watt du noch auf­saugen kannst, Bier is, denn kann ick mit dir genau­so viel watt anfan­gen, wie mit ner horde Voll­rent­ner beim

Karnevalskegeln.

Willy: Punk und Szene… Naja… Mich hat das ganze die let­zten was-weiß-ich wieviel Jahre begleit­et! Also verbinde ich da schon nen wichti­gen Teil

meines Lebens mit! Außer die „saufend vorm Super­markt asseln“-Phase is bei mir noch nich angekom­men! Aber ob das nu der Punk is den ich kenne… Denke

nich! Punk is nu nich grad die Legit­i­ma­tion zum über­mäßi­gen Saufen und sich scheiße benehmen!

Welche Konzertlä­den im Land Bran­den­burg habt ihr im Laufe der Zeit ken­nen­gel­ernt? Wo wars toll, wo ätzend? Welche Bands find­et ihr gut?

Flo: In Bran­den­burg haben wir ziem­lich oft in Pots­dam gespielt und ein­mal in Wit­ten­berg — das war’s dann auch schon. Ist ein biss­chen schade, dass da

wenig zu sein scheint bzw. dass wir davon nichts mit­gekriegt haben. Wir hät­ten gerne an Orten gespielt, wo wir noch nicht waren und wo es auch ein

sin­nvolles State­ment gewe­sen wäre, dort zu sein, die Leute nicht mit den Stiefel­nazis alleine zu lassen. Schade.
Auch was Bands bet­rifft, haben wir ausser­halb von Pots­dam, vielle­icht noch Rathenow nicht viel gehört. Insofern kann ich nur hof­fen, dass da draußen

voll die geilen Bands sind…

Worum geht es im Song „Dorf­nazis must Die“? Was war der Anlass, den zu schreiben?

Flo: In dem Song geht es um die beson­ders trau­rige Sorte Leute, die sich selb­st für ras­sisch auser­wählt hal­ten und ihr über­legenes Dasein tagtäglich

an ihrer span­nen­den Bushal­testelle mit einem Kas­ten Bier zele­bri­eren müssen. Als wir noch in Golm, kurz vor Pots­dam geprobt haben, sind wir desöfteren

an so einem Trupp Idioten vor­beigekom­men, die gle­icher­massen lächer­lich wie ang­ste­in­flössend waren, so dass dann irgend­wann der Text bei raus­gekom­men

ist.

Für Leute, die nicht aus Pots­dam kom­men: Was sind denn die C‑Bands, von denen ihr auf der LP schreibt?

Flo: Es han­delt sich um eine satanis­che Geheim­sek­te, deren inner­er Führungszirkel aus uns beste­ht und die Erwäh­nung ist ein geheimer Rit­us, um die

Kräfte des Bösen zu evozieren… Die Wahrheit ist viel ein­fach­er: Das sind alle Bands aus Pots­dam, deren Namen mit C anfängt. Also wir selb­st, Cyness, Con­fessed Crime, Can­cer Clan, Curse The Cross, Crowskin, nicht zu vergessen die verblich­enen Crude B.E.. Ist seit einiger Zeit irgend­wie so, dass alle unsere Fre­unde Bands grün­den, in deren Namen ein C ste­ht.

Was ist für die Zukun­ft zu erwarten? Wird es noch eine Chain­break­er-Veröf­fentlichung geben? Bzw. spielt ihr aktuell noch in anderen Bands?
MAD: True til death, egal wer von bee­den zuerst dran globt. Aber ma im Ernst, ick werd weit­er Konz­erte machen und meen Teil dazu beitra­gen, damit von

irgendwem anders den ihre Kinder ooch Punk genießen kön­nen wenn andre schon längst „vernün­ftig“ gewor­den sind..

Flo: Ich spiele weit­er­hin in der Band Crowskin (eine C‑Band!) Gitarre.

Willy: Und wie treu! Ich mach bei Cold War (mit C… yes) weit­er und mal schauen ob sich da noch was

ergibt! Son­st werde ich ver­suchen, weit­er­hin so oft wie mögliche meinen Arsch zu Shows bewe­gen und wenns geht mal wieder Bands bekochen oder was zu

machen! War viel zu sel­ten in der let­zten Zeit!

Zum Abschluss bitte ein kleines Geheim­nis von jedem Band­mit­glied! Ein obskures Hob­by, eine Anek­dote, ein pein­lich­es Geschichtchen aus der Jugend,

eine eigentlich uncoole Lieblingss­cheibe im heimis­chen Plat­ten­schrank …

Flo: Uncoole Lieblingss­cheiben habe ich keine — ich steh zu allem, was bei mir so rum­ste­ht, jawohl, auch zu den Strassen­jungs! Obskure Hob­bies habe

ich eigentlich auch nicht (außer mit 30 immer noch in ein­er Band wie Chain­break­er mit­spie­len).

Froe­si: Wenn das so ist, teilen wir wohl ein obskures Hob­by… Was mich bet­rifft, ist meine Lieblings-Pein­liche-Geschichte, wie ich mir 1989 auf dem

Her­man­nplatz in Berlin für mein Begrüßungs­geld eine Stonewash­jacke gekauft habe und das zu ein­er Zeit, als alle anfin­gen bunte Wit­boy Karot­ten zu

tra­gen. Als ich sie dann das erste Mal in der Schule nicht ohne Stolz aufge­tra­gen habe, kam das Mäd­chen, auf das ich damals stand vor­bei und sagte mit

nicht zu übertr­e­f­fend­er Ironie in der Stimme „coole Jacke“. Danach habe ich das Ding nie wieder ange­zo­gen. An pein­lichen Plat­ten habe ich nichts

weit­er, außer man möchte die „Appetite for Destruc­tion“ von Guns’n‘Roses unbe­d­ingt dazu zählen.

Stolle: Mein kleines Geheim­nis — ich bin gar nich so schlau, wie ich tue. Mein obskures Hob­by — ich trage benutzte Unter­wäsche. Meine pein­liche

Anek­dote — ich dachte, Karot­ten­jeans und Nikestiefel sind Punk. Und so wars dann auch. Meine uncoole lieblingss­cheibe — Hot Choco­late: „Hottest Hits“

Willy: Erstens Frösi: Zu der Zeit hat man keine Wit­boy-Karot­ten getra­gen son­dern wenn Wit­boy, dann die weit­en Dinger, dazu Rol­li undn Hemd drüber! So

bin ich rumger­an­nt aber meine Hosen waren von Pash! Dazu kamen immer Sachen von Foot­ball-Teams und jed­er hat­te seine Mannschaft von denen er allet

anhat­te (meine war Frank­furt Galaxy)! Jacke, Cap, Sshirt und und und! Natür­lich hat­te keen­er von uns je son Spiel jesehn aber wat solls! Und immer

schön uffm Hard­en­berg­platz in Berlin rumposen! Grausame Zeit! War dit pein­lich jenuch? Achso… Ick hab mal Squaredance jemacht und Flöte im

Spiel­mannszug jespielt! Jetz bin ick raus!

Discografie Chain­break­er

Chain­break­er — Demo­tape (2004
, ausverkauft).

Chain­break­er — Chain­break­er 7“.

VA — Deutsch­land in Decline 7“ (2005).

Chain­break­er / Mön­ster Split 7“.

Chain­break­er – Het­z­jagd ins Nichts LP (2007).

Rein­hören

MP3 zum Down­load:

Chain­break­er — Dorf­nazis must die (MP3-Datei, 1.1 MB)

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