10. Januar 2003 · Quelle: Märkische Allgemeine

Chamäleon versteht aktuelle Ausstellung als Signal

Einige Fen­ster­scheiben des “Chamäleon”-Vereinshauses in der Her­mann-Elflein-Straße 32 sind nach dem Neon­az­iüber­griff in der Sil­vester­nacht noch pro­vi­sorisch durch Bret­ter und Matratzen erset­zt. Durch die Fen­ster zieht es, das Tages­licht bah­nt sich nur müh­sam den Weg durch das Untergeschoss. Und den­noch: Das Jugend- und Kul­tur­pro­jekt “Chamäleon e.V.” organ­isierte bin­nen kurz­er Zeit eine sym­bol­haft pro­vi­sorische Austel­lung, die gestern eröffnet wurde und heute noch von 14 bis 18 Uhr zu sehen ist.

 

Dass der Vere­in sich nicht durch die rechte Bedro­hung ein­schüchtern lässt und ihr etwas Kon­struk­tives ent­ge­genset­zt, soll mit der Ausstel­lung unter dem Titel “Spuren aus der Geschichte unseres Haus­es” demon­stri­ert wer­den, sagt Arthur Müller, Mit­glied des Vere­ins. Ein Ver­wandter der ehe­ma­li­gen Besitzerin des Haus­es stellte das Mate­r­i­al mit vie­len Doku­menten — alte Fotos, Bau­plä­nen, Bau­genehmi­gun­gen und Zeitungsauss­chnit­ten — zur Ver­fü­gung. Die Doku­mente reichen bis in das Jahr 1932 zurück.

 

Die elf großen Rah­men sind chro­nol­o­gisch ange­ord­net. Einige ver­leit­en dem Betra­chter auch zum Schmun­zeln.

 

So erfährt der Betra­chter z.B., dass 1932 eine Bau­genehmi­gung der Städtis­chen Baupolizei 44 Reichs­mark kostete. Zum Aus­bau des Eck­ladens — ein Kolo­nial­warengeschäft — wur­den genaue Bedin­gun­gen vorgeschrieben. Es durfte nur glat­ter Putz ver­wen­det wer­den, die Buch­staben­höhe 40 Zen­time­ter nicht über­steigen und die Außen­farbe musste mit der Bauber­atungsstelle abges­timmt wer­den.

 

Weniger amüsant war die Tat­sache, dass die damals 73-jährige Her­ta Rüsicke am 6. Dezem­ber 1983 bei der Stadt eine Zus­tim­mung zur Sanierung ihres Haus­es unter­schrieb — bald aber fest­stellen musste, dass ihr Wiedere­inzug gar nicht vorge­se­hen war. 1986 erstritt sie eine Entschädi­gung von 8264,87 Ost­mark.

 

Faz­it: Dem Betra­chter erhält einen inter­es­san­ten Überblick zur Geschichte des Haus­es.

 

Der seit August 2002 hier ansäs­sige Vere­in plant bere­its die näch­sten Ausstel­lun­gen: Im März und April geht es um die The­men Asyl und Flüchtlinge. Der Vere­in set­zte seine Arbeit fort, so Müller.

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