28. Juni 2007 · Quelle: Vereinte Linke Lausitz

Cottbus bekennt Farbe

Am Son­ntag den 24.6.2007 fand in Cot­tbus eine Demon­stra­tion unter dem Mot­to „Gemein­sam gegen Ras­sis­mus – Unit­ed against racism “ statt. Nach offiziellen Schätzun­gen waren 1000 Men­schen anwe­send und set­zten ein Zeichen gegen die ras­sis­tisch motivierten Über­griffe, die in der let­zten Zeit wieder über­hand genom­men haben.

Die Vere­inte Linke Lausitz und das Bünd­nis gegen Ras­sis­mus und Anti­semitismus Süd­bran­den­burg sahen es als notwendig an, in Cot­tbus ein Zeichen zu set­zen und die Bürg­er aufzurüt­teln, damit die wieder zunehmende recht­sex­treme Gewalt nicht geduldet wird. Zu diesem Zweck wurde ein bre­ites Bünd­nis geschmiedet, in dem neben den bei­den Ini­tia­tiv­en die Stu­den­ten­vertre­tung der BTU Cot­tbus, Jusos, der Cot­tbuser Auf­bruch u.v.a. beteiligt waren.

Gegen 14 Uhr begann die erste Kundge­bung auf dem Gelände der Uni­ver­sität, wo darauf hingewiesen wurde, dass die aus­ländis­chen Stu­den­ten nicht nur für die Uni­ver­sität son­dern auch für die gesamte Stadt beson­ders wichtig sind.

Nach der Kundge­bung set­zte sich der Demon­stra­tionszug in Bewe­gung und steuerte den Alt­markt an. Dort hiel­ten das Bünd­nis gegen Ras­sis­mus und Anti­semitismus Süd­bran­den­burg, Vertreter der Stu­den­ten und der Ober­bürg­er­meis­ter ihre Reden. Beson­ders wichtig war hier die Rede des Bünd­niss­es, in der klar aufgezeigt wurde, dass die let­zten Über­fälle auf aus­ländis­che Mit­bürg­er keine Einzelfälle waren, son­dern fast alltäglich sind.

Nach dieser zweit­en Kundge­bung marschierte der Demon­stra­tionszug weit­er und unter­wegs wurde durch Aktivis­ten der Vere­in­ten Linken Lausitz auf einen Naziladen aufmerk­sam gemacht, der bish­er von den Bürg­ern toleriert wurde. Am Staat­sthe­ater fand die Abschlusskundge­bung statt. Dort sprachen unter anderem Vertreter der Vere­in­ten Linken Lausitz und der SDAJ Lausitz. In ihren Reden wurde unter anderem darauf aufmerk­sam gemacht, dass faschis­tis­che Ide­olo­gien nicht in einem leeren Raum entste­hen, son­dern im Cot­tbuser Kli­ma, wo Masse­nar­beit­slosigkeit herrscht, wo die örtlichen Massen­me­di­en rel­a­tivierend über recht­sex­treme Gewalt­tat­en bericht­en, wo den Men­schen die Zukun­ftsper­spek­tiv­en genom­men wer­den und wo durch die Kom­mune Jugen­dar­beit ver­nach­läs­sigt wird, einen frucht­baren Boden find­en. Es wurde aufgezeigt, dass sich erst ein grundle­gen­der Wan­del vol­lziehen wird, wenn das kap­i­tal­is­tis­che Wirtschaftssys­tem in Deutsch­land über­wun­den wird.

Die Demon­stra­tion kam bei den Bürg­ern gut an, weil sie sich klar von der kom­mu­nalen Erk­lärung abgren­zte, die Tage zuvor vom Ober­bürg­er­meis­ter und Wirtschaftsvertretern ver­lesen wurde. In dieser Erk­lärung wur­den die Cot­tbuser Ver­hält­nisse ver­leugnet, weil man Angst um den Wirtschafts­stan­dort Cot­tbus hat­te. Aus ein­er Stadt, in der es offenkundig no-go-areas gibt, wurde eine fre­undliche und tol­er­ante Stadt, die recht­sex­tremen Über­griffe zu Einzeltat­en herun­terge­spielt.

Die Demon­stra­tion kam so gut an, dass danach alle Parteien dazu aufgerufen haben wollen, obwohl dem nicht so war. So berichtete die Lausitzer Rund­schau, dass selb­st die Lan­desregierung und die Cot­tbuser Parteien zu dieser Demo aufgerufen hat­ten. Kurios wirk­te dieser Bericht, weil sich erstens alle Parteien aus der Demovor­bere­itung her­aushiel­ten oder die Demo sog­ar ablehn­ten. So sagte der Geschäfts­führer der LINKEN André Kaun, dass er gegen diese Demo sei, weil eine Demo immer so laut ist und den Straßen­verkehr block­iere.

Wie es nach dieser Demon­stra­tion weit­erge­ht ist noch offen. Zu schnell ist das Bürg­er­herz beruhigt und bere­it, sich wieder zurück in den Ses­sel zu lehnen. Aber die Zustände sind in Cot­tbus durch diese Demo noch nicht verän­dert, wozu noch viel mehr Engage­ment notwendig wäre.

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