13. Oktober 2015 · Quelle: Cottbus Nazifrei

Cottbus: Freundschaft überwindet Grenzen

Am ver­gan­genen Fre­itag haben sich im Stadt­teil Sach­sendorf viele Men­schen ein­er unangemelde­ten Ver­samm­lung gegen die neue Flüchtlings-Erstauf­nahmestelle in der Poz­nan­er Straße angeschlossen. Im Inter­net ursprünglich als Ver­samm­lung angekündigt, die auf­grund von Sor­gen und Äng­sten stat­tfind­en sollte, trat­en schnell dumpfer Ras­sis­mus und Frem­den­feindlichkeit zu Tage. Angst hat­ten wohl nur die Men­schen, gegen die sich die ille­gale Ver­samm­lung richtete. Viel zu sehr erin­nerte die Sit­u­a­tion an den August 1992: Hun­derte Neon­azis hat­ten mehrere Tage lang Wohn­blöcke ange­grif­f­en, die als Asy­lun­terkün­fte genutzt wur­den. Es wur­den Molo­tow-Cock­tails, Flaschen und Steine gewor­fen. Diese Geschichte darf sich nicht wieder­holen. Hier ist die Cot­tbuser Zivilge­sellschaft gefragt.
Sach­sendorf ist heute ein Stadt­teil, der geprägt ist von Zuwan­derung und Vielfalt. Geflüchtete wer­den dort schon seit Jahren in ein­er Sam­melun­terkun­ft unterge­bracht. Viele von ihnen bleiben in Sach­sendorf nach­dem ihr Asy­lantrag bewil­ligt wurde. Sie ziehen in eine eigene Woh­nung, ihre Kinder gehen hier zur Schule oder in den Kinder­garten, sie haben hier ihren Hausarzt. Oft beste­hen enge Fre­und­schaften und Bekan­ntschaften mit alteinge­sesse­nen Men­schen. Sach­sendorf, das vie­len als sozialer Bren­npunkt ver­schrien war, hat­te einen guten Weg gefun­den: Weg von der Stim­mung der 90er Jahre hin zu einem Vier­tel in dem Migra­tion als Chance begrif­f­en wird.
Die Sit­u­a­tion, dass Geflüchtete in den Turn­hallen in der Poz­nan­er Straße unterge­bracht wer­den, ist für alle neu und für nie­man­den wün­schenswert. Unter­schiedliche rechte Parteien ver­suchen aus der Sit­u­a­tion Kap­i­tal zu schla­gen und Bürger*innen auf ihre Seite zu ziehen. Neon­azis aus dem organ­isierten NPD-Umfeld het­zen im Inter­net, ini­ti­ieren und organ­isieren ras­sis­tis­che Ver­samm­lun­gen. Die Unter­bringung der Geflüchteten in den Turn­hallen dient den Nazis als Aufhänger, die Stim­mung Anfang der 90er Jahre wieder aufleben zu lassen.
Unsere neuen Nachbar*innen müssen geschützt wer­den. Zugle­ich ist es wichtig, Vorurteile, Äng­ste und Unklarheit­en zu beseit­i­gen und miteinan­der ins Gespräch zu kom­men oder zu bleiben. Es kann nicht das Ziel sein, innen­poli­tis­che Prob­leme auf dem Rück­en von geflüchteten Men­schen auszu­tra­gen. Wir sind überzeugt davon, dass es immer die bessere Lösung ist, sich in Fre­und­schaft und mit fre­und­schaftlich­er Absicht zu begeg­nen.
Dazu laden wir die ganze Stadt am Fre­itag ein. Mit ein­er facetten­re­ichen Demon­stra­tion wollen wir ein Zeichen der Sol­i­dar­ität set­zen. Wir wollen beim Hoffest vor der Erstauf­nah­meein­rich­tung den Geflüchteten zur Seite ste­hen. Wir dür­fen uns in unser­er Hil­fs­bere­itschaft und Human­ität nicht spal­ten lassen — egal ob Helfende, Angestellte, Ehre­namtliche, Men­schen aus der Stadt­mitte, Sachsendorfer*innen, Neuzuge­zo­gene oder Alteinge­sessene.
Denn Fre­und­schaft über­windet Gren­zen.
FR 16.10. | 16:00 | Bhf. Cot­tbus

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