6. März 2005 · Quelle: MAZ

Da scheiden sich die Geister

Gen­mais: Land­wirte und Poli­tik­er disku­tierten über geplanten Anbau

SCHMACHTENHAGEN Der geplante Anbau von gen­tech­nisch verän­dertem Mais im Kreis
ist weit­er umstrit­ten. Ober­hav­el-Bauern­markt-Chef Siegfried Mat­tner set­zt
sich mit dem Natur­park Barn­im für eine gen­tech­nikfreie Region ein. Im
Kreis-Bauern­ver­band gibt es noch keine ein­heitliche Posi­tion. “Wir wer­den
dazu eine Ver­samm­lung machen”, kündigt Ver­band­schef Jörg Eick­mann an.

Kai Mar­cus Bick­el (CDU) forderte eine Chan­cen­de­bat­te. Der Kreistagsab­ge­ord­nete
sieht “keinen Grund”, warum in Ober­hav­el kein Gen­mais ange­baut wer­den sollte.
Polen oder andere Län­der wür­den damit nicht lange warten, wenn dadurch höhere
Erträge möglich sind, warnte Bick­el am Don­ner­stagabend in Schmacht­en­hagen.

Bünd­nis 90/Die Grü­nen hat­ten zu ein­er Info-Ver­anstal­tung auf den Bauern­markt
ein­ge­laden. Nach Ansicht der grü­nen Bun­destagsab­ge­ord­neten Cor­nelia Behm
ziehen beim Ein­satz der Gen­tech­nik die wirtschaftlichen Argu­mente nicht, da
70 Prozent der Ver­brauch­er solche Pro­duk­te ablehnen. “Land­wirte, die am Markt
beste­hen wollen, tun gut daran, auf Gen­tech­nik zu verzicht­en”, sagte Behm,
die Mit­glied im Auss­chuss für Ver­brauch­er­schutz, Ernährung und Land­wirtschaft
ist.

Bish­er ist in Ober­hav­el nur für Flächen in Neuhol­land der Anbau von
gen­tech­nisch verän­dertem Mais beantragt. “Solch einen Anbau lehnen wir ab”,
betonte Detlef Gür­gen, Vor­sitzen­der des Ver­ban­des der Neben­er­werb­s­land­wirte.
“Wir brauchen ihn nicht, wenn wir gle­ichzeit­ig so viele Flächen stil­l­le­gen
und immer mehr Kühe abschaf­fen.”

Thomas von Gizy­c­ki, grün­er Kreistagsab­ge­ord­neter und Moleku­lar­biologe, warnte
vor unkalkulier­baren Risiken: “Ich set­ze Pflanzen frei, die es so nicht
gibt.” Ein Beispiel ist der BT-Mais. Er trägt ein Tox­in in sich, das auf den
in den let­zten Jahren auch in Ober­hav­el ver­stärkt auftre­tenden Schädling
Maiszünsler tödlich wirkt.

Thomas Janosch­ka, Barn­imer Aktions­bünd­nis gegen Gen­tech­nik, warnte vor dem
Pol­len­flug. “Eine Koex­is­tenz mit der kon­ven­tionellen und ökol­o­gis­chen
Land­wirtschaft wird nicht funk­tion­ieren. Es gibt immer Auskreuzun­gen. Die
Verun­reini­gun­gen wer­den sich poten­zieren.” An den Natur­park Barn­im sind
mehrere Land­wirte mit der Forderung nach ein­er gen­tech­nikfreien Zone
herange­treten, informierte Volk­er Keuchel von der Natur­parkver­wal­tung.

Bauern­ver­bands-Chef Eick­mann räumte ein, von der Entwick­lung in Neuhol­land
über­rascht wor­den zu sein. Aber: “Noch ist keine Mais­sorte für den Anbau
zuge­lassen”, so Eick­mann. Er kann sich dur­chaus vorstellen, dass ein Anbau in
Ober­hav­el “lohnenswert” wäre. Prüfen will Eick­mann aber ein Argu­ment, das er
am Don­ner­stag erst­mals gehört hat. So soll es durch Gen­mais langfristig zu
ein­er Ver­schlechterung des Bodens kom­men.

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