6. März 2005 · Quelle: LR

Plastinator-Vater als SS-Mann enttarnt

(Moni­ka Piotrows­ka, LR, N‑Ost) Ger­hard Liebchen, Vater des Kör­per­wel­ten-Erfind­ers Gun­ther von Hagens, soll
in Sieni­awa (Schön­walde) einen Betrieb zur Plas­ti­na­tion von Leichen­teilen
auf­bauen. Nun wurde er als SS-Mann ent­tarnt.

Seit Kör­per­wel­ten-Mach­er Gun­ther von Hagens im pol­nis­chen Dorf Sieni­awa,
etwa 50 Kilo­me­ter östlich von Cot­tbus, ein altes Fab­rikgelände erwor­ben hat
und dort Teile sein­er Leichen­prä­pa­ra­tion ansiedeln will (die RUNDSCHAU
berichtete), schla­gen in Polen die Emo­tio­nen hoch. Gemein­same Recherchen der
pol­nis­chen Tageszeitung “Rzecz­pospoli­ta” und des «Spiegel» kön­nten nun dafür
sor­gen, dass sich von Hagens Pläne in Luft auflösen.

Die bei­den Medi­en über­führten Ger­hard Liebchen, der für seinen Sohn derzeit
die Geschäfte in Polen führt, als ehe­ma­li­gen SS-Mann. Wie die Recherchen
aus­sagen, soll der heute 88-Jährige während des Zweit­en Weltkrieges im
dama­li­gen Warthe­gau maßge­blich an der Ver­fol­gung von Polen beteiligt gewe­sen
sein.

Ger­hard Liebchen wurde 1916 in der Nähe von Kalisz geboren. Wie die
«Rzecz­pospoli­ta» ermit­telte, begann Liebchen schon als Jugendlich­er im
Geheimen mit den Nazis zusam­men­zuar­beit­en, wurde mehrfach von der pol­nis­chen
Polizei festgenom­men. Mit 18 Jahren dann leit­ete er eine lokale
paramil­itärische Vere­ini­gung. Nach dem deutschen Über­fall auf Polen, so
ergeben die dem «Spiegel» vor­liegen­den SS-Akten, habe sich Liebchen dann
auch offiziell der NSDAP angeschlossen, sei wenig später zum
Unter­schar­führer aufgestiegen. Zudem sei Liebchen auch im paramil­itärischen
Selb­stschutz Posen organ­isiert gewe­sen, der für Racheak­tio­nen an Polen
berüchtigt war. Die «Rzecz­pospoli­ta» zitiert einen Zeitzeu­gen, der Liebchen
dafür ver­ant­wortlich macht, Depor­ta­tion­slis­ten für deutsche
Konzen­tra­tionslager erstellt zu haben.

In der Gemeinde Zary, zu der Sieni­awa gehört, hat­te man sich angesichts der
hohen Arbeit­slosigkeit Hoff­nun­gen auf 300 Stellen gemacht. Nun rech­net
Gemein­de­vorste­her Jan Dzy­ga kaum mehr mit ein­er Real­isierung des Vorhabens.
Er ver­mutet, dass sich von Hagens nun von dem Pro­jekt zurückziehen werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Ein bun­desweites anti­ras­sis­tis­ches Bündnis von We’ll Come Unit­ed und
mehr als 40 Organ­i­sa­tio­nen, Ini­tia­tiv­en und Grup­pen ruft unter dem Mot­to „Unit­ed against Racism – Für eine Gesellschaft der Vie­len!“ auf zu dezen­tralen Aktion­sta­gen.
Nach ver­suchtem „Sturm auf den Reich­stag“ in Berlin: Havel­ländis­ch­er Aktivist der „Jun­gen Alter­na­tive“ soll laut der neu-recht­en Pub­lika­tion „Junge Frei­heit“ gestern aus der Jugen­dor­gan­i­sa­tion der AfD aus­ge­treten sein.
Nach knapp 10 Jahren antifaschis­tis­ch­er Inter­ven­tion in Cot­tbus hat
Cot­tbus Naz­ifrei beschlossen, das Bünd­nis aufzulösen. Das Ziel, den
jährlichen Nazi­auf­marsch am 15. Feb­ru­ar zu ver­hin­dern, kon­nte erre­icht wer­den.

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot