22. März 2005 · Quelle: MAZ

Dankschreiben für Denkzettel

RATHENOW Das hat­ten Vera Ever­hartz und ihre Begleit­er noch nicht erlebt:
wenn der Flüchtlingsrat Bran­den­burg seinen “Denkzettel für struk­turellen und
sys­tem­inter­nen Ras­sis­mus” vergibt, bemühen sich die “Preisträger” meist
inten­siv um Recht­fer­ti­gun­gen, ja sog­ar rüde Zurechtweisun­gen — vor eini­gen
Jahren gab es sog­ar den Ver­such, die Preisver­lei­hung per einst­weiliger
Ver­fü­gung vor Gericht zu stop­pen. Doch am Mon­tag über­re­ichte der
Kreisvor­sitzende der Arbeit­er­wohlfahrt an Vera Ever­hartz ein Dankschreiben -
und das war ehrlich gemeint. In dem Brief lobt Matthew die Arbeit des
Flüchtlingsrates und bietet eine enge Zusam­me­nar­beit an.

Wie bere­its am Fre­itag berichtet, war der “Denkzettel” für den
Geschäfts­führer der Arbeit­er­wohlfahrt Havel­land, Ralf Schröder, gedacht. Zum
Ende des ver­gan­genen Jahres hat­te das Rathenow­er Amts­gericht in einem
Auf­se­hen erre­gen­den Prozess fest­gestellt, dass im Asyl­be­wer­ber­heim Rathenow
Briefe an Asyl­be­wer­ber unberechtigt geöffnet wur­den. Nach dem Urteilsspruch
ver­suchte Geschäfts­führer Schröder in einem Leser­brief erneut den gegen die
Heim­leitung gerichteten Vor­wurf abzus­tre­it­en.

Den Denkzettel nahm Ralf Schröder nicht per­sön­lich ent­ge­gen. “Ich bin auch
für meinen Geschäfts­führer ver­ant­wortlich” sagte Fre­di Matthews zu Vera
Ever­hartz.

Die war erstaunt, dass sie und ihre Begleit­er, darunter mehrere Bewohn­er des
Asyl­be­wer­ber­heimes, fre­undlich emp­fan­gen wur­den. “Das ist bei uns so
Brauch”, sagte Matthews und räumte ein, dass die Arbeit­er­wohlfahrt Fehler
gemacht habe. Um mit den Asyl­be­wer­bern ins Gespräch zu kom­men werde ein
Heim­beirat gebildet, Matthews hält regelmäßig Sprech­stun­den im Heim ab.
Irgend­wie hat­ten sich die “Denkzettel”-Verleiher die Über­gabe anders
vorgestellt. Kay Wen­del vom Vere­in “Opfer­per­spek­tive” set­zte deshalb nach:
“Das ist alles etwas unehrlich. Erst hat die Awo in dem Asyl­be­wer­ber­heim ein
Spitzel­sys­tem aufge­baut und nun soll denen, die das zu ver­ant­worten haben,
nichts passieren? Wir fordern, die Ent­las­sung oder min­destens die Ver­set­zung
der Heim­lei­t­erin und des Geschäfts­führers .”

Das bekräftigten auch die Bewohn­er des Asyl­be­wer­ber­heimes. Sie macht­en
deut­lich, dass das Ver­trauen in die Heim­lei­t­erin durch die Ergeb­nisse des
Gerichtsver­fahrens tief gestört sei. “Wir wollen Frau Pagel nicht”, sagte
ein Asyl­be­wer­ber. Bish­er hat­te Matthews arbeit­srechtliche Kon­se­quen­zen
abgelehnt, da vor Gericht nicht deut­lich wurde, wer die Briefe geöffnet
hat­te.

Die Asyl­be­wer­ber und Wen­del unter­strichen, dass sowohl Geschäfts­führer
Schröder und Heim­leit­ern Bär­bel Pagel Ver­ant­wor­tung für die Vorgänge tra­gen.
“Dafür müssen bei­de ein­ste­hen.”

Immer­hin scheint sich die Awo-Spitze Gedanken zu machen, ob man Bär­bel Pagel
als Lei­t­erin des Asyl­be­wer­ber­heimes oder an ander­er Stelle beschäfti­gen
will. Matthews ver­sprach, dass diese Forderung bei der näch­sten
Zusam­menkun­ft der Flüchtlingsver­bände, der Asyl­be­wer­ber und der Awo ein
Haupt­the­ma sein werde. ”

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