22. März 2003 · Quelle: Freundeskreis Sachsenhausen

Das Gedenken den Opfern — den Tätern unser Kampf!

Im April jährt sich zum 58. Mal der Tag der Befreiung der
Konzen­tra­tionslager Ravens­brück und Sach­sen­hausen durch die Rote Armee. Wie
in jeden Jahr rufen wir Euch auf, gemein­sam mit uns der Opfer der
nation­al­sozial­is­tis­chen Bar­barei und den antifaschistischen
Wider­stand­skämpferIn­nen zu gedenken
und ihnen unseren Respekt zu zollen. 

Gedenkstätte Sach­sen­hausen, Oranienburg

Straße der Natio­nen 22

Gedenkver­anstal­tung: 13. April, 14 Uhr

Tre­ff­punkt: 13.45 Uhr am Turm A 

Anreisemöglichkeit­en von Berlin aus:

RB ab Friedrich­str. : 12.20 (RE5)

S1 ab Friedrich­str. : 12.29 Uhr

Bus: 12.00 Uhr ab Rosa-Lux­em­berg Platz

Anmel­dung: sachsenhausen2003@gmx.net

Oranien­burg, Sach­sen­hausen — Anmerkun­gen zu ein­er Gedenkstätte

Deutsche Real­ität: Anschläge auf Mahnmale

Im Sep­tem­ber 2002 wurde ein Bran­dan­schlag auf das Muse­um für die Opfer des
Todes­marsches von Sach­sen­hausen im Below­er Wald verübt. In dem nahe
Oranien­burg gele­ge­nen Ort Leege­bruch wurde ein Mah­n­mal für die Häftlinge des
Außen­lagers von Sach­sen­hausen zer­stört. Nach dem Willen des dortigen
Bürg­er­meis­ters soll es durch einen Gedenkstein für die “Opfer beider
Weltkriege und des Total­i­taris­mus” erset­zt wer­den. Dieses Zusam­men­spiel von
Neon­azis und bürg­er­lich­er Poli­tik kennze­ich­net den Umgang der Deutschen mit
den Gedenkstät­ten ehe­ma­liger Konzen­tra­tionslager, wo sie von internationaler
Kon­trolle unbe­hel­ligt sind. 

Deutsch­er Trend — Fokussierung auf die “deutschen Opfer”

2001 wurde in der Gedenkstätte Sach­sen­hausen eine Ausstel­lung zum
Spezial­lager Nr.7 eröffnet. In Spezial­lagern wur­den nach 1945 vornehmlich
NS-TäterIn­nen interniert. Rechts­grund­lage dafür war das Pots­damer Abkommen.
In Lieberose/Jamlitz, einem Außen­lager Sach­sen­hausens, ist sog­ar eine
gemein­same Gedenkstätte für die dort ermorde­ten KZ-Opfer und die
Spezial­lager­in­ternierten geplant. Durch die Errich­tung von
Spezial­lagerge­denkstät­ten auf dem Gelände ehe­ma­liger Konzentrationslager
wer­den die Lei­den der Opfer des Nation­al­sozial­is­mus rel­a­tiviert, sowie die
Ver­brechen ihrer Täter verharmlost. 

Deutsche Opfer: “Endlich darf wieder über sie gere­det werden.”

Mit Darstel­lun­gen, in denen jed­er­man, ohne Anse­hen von Per­son und
his­torisch­er Funk­tion, zum Opfer der Geschichte wird, sor­gen Historiker
let­ztlich dafür, dass die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus und ihre Täter in
einen Sarg gelegt wer­den. In dieses Schema passt auch die gegenwärtige
öffentliche Bewei­n­ung deutsch­er Opfer des “alli­ierten Bomben­ter­rors”, die
nicht nur der His­torik­er Jörg Friedrich, die FAZ und der Spiegel derzeit
betreiben. Dieses gesellschaftliche Kli­ma, in dem das behauptete Tabu, über
deutsche Opfer nicht reden zu kön­nen, endlich über­wun­den scheint, kommt auch
den Inter­essensvertre­tun­gen der Spezial­lager zugute. Diese stützen sich auf
die in der BRD herrschende anti­to­tal­itäre Staat­side­olo­gie, welche den
Nation­al­sozial­is­mus mit dem Kom­mu­nis­mus gle­ich­set­zt. Der bundesdeutsche
Anti­to­tal­i­taris­mus dient seit 1945 der Rel­a­tivierung der deutschen Barbarei,
die in Auschwitz ihren notwendi­gen Aus­druck fand.
Lieberose/Jamlitz ist dafür ein beson­ders erschreck­endes Beispiel. Hier
waren vornehm­lich Juden inhaftiert und wur­den durch Arbeit ver­nichtet. 1945
fan­den Massen­er­schießun­gen statt, denen Hun­derte von Men­schen zum Opfer
fie­len. Eines der Mas­sen­gräber erschossen­er Häftlin­gen ist bis heute nicht
gefun­den und als Fried­hof gekennze­ich­net, der Fried­hof der
Spezial­lager­in­ternierten hinge­gen erfreut sich bester Pflege. Im Ortsteil
Jam­litz soll nun eine gemein­same Gedenkstätte für die Opfer des
Konzen­tra­tionslagers und die Spezial­lagerge­fan­genen ein­gerichtet wer­den. Nur
durch einen Wald­weg getren­nt, sollen 19 Gedenk­tafeln für die NS-Opfer und 11
für die Spezial­lager­in­ternierte errichtet wer­den: Eine zum Bild gewordene
Totalitarismustheorie. 

Das Anliegen der ehe­ma­li­gen KZ-Häftlinge — Europäisierung der
Gedenkstättenpolitik

Eine ähn­liche Sit­u­a­tion find­et sich auch an anderen Orten mit “dop­pel­ter
Ver­gan­gen­heit”; Orten, an denen nacheinan­der sich Konzen­tra­tionslager der
Nazis und Internierungslager der Alli­ierten befan­den, wie in Sachsenhausen,
Buchen­wald und Ester­we­gen. Die geplante Gestal­tung der
Spezial­lager-Gedenkstätte in Lieberose/Jamlitz, die die Unterschiede
zwis­chen dem NS-Massen­mord und der Tätigkeit der Besatzungsmächte verwischt,
wider­spricht ein­er Entschließung des Europäis­chen Par­la­mentes von 1993.

Diese lehnt jede “willkür­liche Verquick­ung zwis­chen der Real­ität der
nation­al­sozial­is­tis­chen Lager und ihrer etwaigen Nutzung nach dem Krieg” ab.
Wir schließen uns deshalb der Forderung der ehe­ma­li­gen Häftlinge nach einer
Europäisierung der Gedenkstät­ten an.
Nach Beginn des 2. Weltkrieges kam die über­wiegende Anzahl der Häftlinge -
auch in Sach­sen­hausen — aus den von Deutsch­land über­fal­l­enen und besetzten
Län­dern. Dieser Tat­sache wird die von der deutschen Poli­tik bestimmte
Gedenkstät­tengestal­tung nicht gerecht. Eine Europäisierung kön­nte den
deutschen Ein­fluß auf die Gedenkstät­tengestal­tung zurück­drän­gen. Angesichts
des schwinden­den Ein­flusses der Häftlingsver­bände auf die Gestal­tung der
Gedenkstät­ten in Deutsch­land würde eine Europäisierung die Möglichkeit
eröff­nen, deren antifaschis­tis­chen Charak­ter zu erhal­ten bzw. wieder
herzustellen.

Das muss ins­beson­dere in Zukun­ft gegenüber dem deutschen Staat verteidigt
wer­den, wenn kein­er der ehe­ma­li­gen Häftlinge mehr am Leben sein wird. Nach
Vorstel­lun­gen der Häftlingsvertre­tun­gen kön­nte dies durch eine €päis­che
Kon­trolle der Gedenkstät­ten erre­icht wer­den. Dieses Anliegen der Häftlinge
braucht Öffentlichkeit und Solidarität. 

Unter­stützt den Kampf der Ver­fol­gten der nation­al­sozial­is­tis­chen Barbarei!

Fahrt zu den Ver­anstal­tun­gen in Sach­sen­hausen und Ravensbrück!

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