1. April 2005 · Quelle: Freundinnen des Sachsenhausen-Komitees (FdSK)

Das KZ Sachsenhausen — befreit durch die Rote Armee

Die noch leben­den Häftlinge wur­den im Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen am
22. April 1945 durch die Rote Armee befre­it. Sach­sen­hausen war eins der von
Deutsch­land sys­tem­a­tisch errichteten Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslager.
Über 200.000 poli­tisch und ras­sis­tisch ver­fol­gte Men­schen wur­den hier
zwis­chen 1936 und 1945 mit Kalkül und Willkür ter­ror­isiert, bei
Zwangsar­beit­en aus­ge­beutet und ermordet. Depor­ta­tio­nen aus Sach­sen­hausen
nach Auschwitz fan­den mit Wider­stand statt und den Ver­nich­tungslagern
Entronnene wur­den auf Trans­porte nach Sach­sen­hausen und dessen Außen­lager
gezwun­gen. Nur wenige in Sach­sen­hausen kon­nten ihre Befreier lebend
begrüßen. Das Lei­den der Opfer des deutschen Faschis­mus und dessen Aneig­nung
durch die Täter hörte mit ihrer Befreiung nicht auf. Bis heute wer­den
ehe­ma­lige Häftlinge von kör­per­lichen Beschw­er­den geplagt, Deutsch­land
ver­weigert vie­len in sein­er offen­siv­en Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung eine
finanzielle Entschädi­gung und andere müssen um die Anerken­nung als Ver­fol­gte
des NS-Regimes kämpfen. Die Def­i­n­i­tion­s­macht über die Orte ihrer Geschichte
wurde ihnen mit den Anfang der 90er Jahre ein­set­zen­den Umgestal­tun­gen von
Gedenkstät­ten auf dem Gebi­et der nicht mehr exis­ten­ten DDR genom­men. Karl
Sten­zel, poli­tis­ch­er Häftling in Sach­sen­hausen und bis heute im
Sach­sen­hausen-Komi­tee aktiv, kri­tisierte kür­zlich: Die Aus­sagekraft dieser
Gedenkstätte sei heute nicht mehr “so ein­deutig” und “eine überzeu­gende
Darstel­lung der Ver­flech­tun­gen und Beziehun­gen von SS, Wehrma­cht und
Wirtschaft” werde in den neuen Ausstel­lun-gen nicht mehr gezeigt. Wie in
Buchen­wald, wird heute in Sach­sen­hausen auch der­jeni­gen gedacht, die nach
1945 in so genan­nten Spezial­lagern interniert waren. Bis auf wenige vom NKWD
zu Unrecht Ver­haftete, mussten hier bei-spiel­sweise die Wach­mannschaften der
KZs ihre ver­di­ente Strafe absitzen. Die selb­ster­nan­nten Opfer der
Umstände wer­den heute gesellschaftlich anerkan­nt. Als Teil der offiziellen
Befreiungs­feiern vor einem Jahr legten sie und ihre Vertre­tung einen Kranz
in den deutschen Nation­al­far­ben und mit der Auf­schrift Die Opfer der
kom­mu­nis­tis­chen Ge-waltherrschaft gedenken der Opfer aller Dik­taturen auf
den Mas­sen­gräbern der ver­stor­be­nen Konzen­tra­tionslager­häft-linge ab. Jene
wer­den dadurch ver­höh­nt und ihre Befreier zu Tätern gemacht. Diese
Geschicht­sum­schrei­bung fügt sich in den anti­to­tal­itären Kon­sens ein, der den
Nation­al­sozial­is­mus mit dem Kom­mu­nis­mus gle­ich­set­zt. Der fak­tis­che
Unter­schied dieser Gesellschaftssys­teme wird ignori­ert und der his­torische
Kon­text der deutschen Ver­gan­gen­heit tritt als beliebige Vari­able in den
Hin­ter­grund. Was bleibt, ist die selb­stver­ständliche Ent­deck­ung der
Par­tiku­lar­ität men­schlich­er Opfer als neue Uni­ver­sal­ität. Indem Men­schen
ohne Anse­hen von Per­son und Funk­tion zu Opfern gemacht wer­den, wer­den die
Opfer des Nation­al­sozial­is­mus und dessen Täter in einen Sarg gelegt, während
die Rote Armee als “wilde Horde” denun­ziert wird. Die Befreiung des
Konzen­tra­tionslagers Sach­sen­hausen jährt sich nun zum 60. Mal. Dieser Tag
gehört den ver­stor­be­nen und noch leben­den Opfern des deutschen Faschis­mus.
Entschei­det Euch, ihnen angesichts der gesellschaftlichen Umstände und der
Flut von Ver­anstal­tun­gen zum “Kriegsende” Respekt zu erweisen und — trotz,
wegen und gegen diese — am Woch­enende, dem 16./17. April 2005 nach
Sach­sen­hausen bzw. Ravens­brück zu fahren.

Sam­stag, 16. April: Geschicht­spoli­tis­ch­er Besuch des 1961 eröffneten und
bald nicht mehr exis­ten­ten Lager­mu­se­ums mit Karl Sten­zel beim Tag der
Begeg­nung 14:30 Uhr: Tre­ff­punkt Turm A

Son­ntag, 17. April: Ein­wei­hung ein­er Gedenk­tafel für die deutschen
poli­tis­chen Häftlinge des KZ Sach­sen­hausen 10:00 Uhr: Ehe­ma­lige Kom­man­dan­tur

Dezen­trales Gedenken der einzel­nen Häftlingsver­bände 14:00 Uhr: Tre­ff­punkt
des Inter­na­tionalen-Sach­sen­hausen-Komi­tees am Obelisken

Offizielle Kranznieder­legun­gen und Ansprachen u.a. von Joseph Fis­ch­er 15:00
Uhr zur Ein­wei­hung des zen­tralen Gedenko­rtes Sta­tion Z mit neuer
Dauer­ausstel­lung Mord und Massen­mord im KZ Sach­sen­hausen 1936–1945,
ehe­ma­liges Kre­ma­to­ri­um

Mon­tag, 18. April: Hier beste­ht die Möglichkeit, Jamlitz/Lieberose,
Potsdam/Griebnitzsee oder weit­ere Orte ehe­ma­liger Außen­lager des
KZ-Sach­sen­hausen zu besuchen und an den Gedenk­feier­lichkeit­en teilzunehmen.

Verkehrsan­bindun­gen in die Gedenkstätte Sach­sen­hausen: S1 oder RE nach
Oranien­burg +++ In Sol­i­dar­ität und im Gedenken an die KZ-Häftlinge von
Sach­sen­hausen — mit Dank an die Rote Armee +++ Kein Fußbre­it der Union der
Opfer­ver­bände kom­mu­nis­tis­ch­er Gewaltherrschaft (UOKG) +++ Bringt Blu­men mit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Pots­dam — Unter dem Mot­to “Wer schweigt, stimmt zu. Gegen Recht­sruck und für eine sol­i­darische Gesellschaft” zog ein bunter Zug antifaschis­tis­ch­er Kräfte vom Babels­berg­er Luther­platz durch Zen­trum Ost bis zum Platz der Ein­heit in der Pots­damer Innen­stadt.
Am 6. August richtet der Vere­in proWis­sen e.V. eine Podi­ums­diskus­sion zum The­ma Wis­senschaft mit dem Titel “Wie hal­tet ihr’s mit der Wis­senschaft” aus. Der Vere­in bietet dabei aus­gerech­net dem rech­sex­tremen AfD-Vertreter Andreas Kalb­itz ein Podi­um.
Infori­ot — Das antifaschis­tis­che „Janz Weit Draussen“ (JWD)-Camp fand am ver­gan­genen Woch­enende nun bere­its zum drit­ten Mal statt. Dies­mal schlug das Camp jedoch nicht seine Zelte am Rand des Bun­des­lan­des auf, son­dern ging direkt ins Herz von Pots­dam

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot