25. September 2006 · Quelle: TAZ

Das linke Netz in Brandenburg


Das Inter­net­por­tal Infori­ot doku­men­tiert seit fünf Jahren recht­sex­treme Auswüchse im Land Bran­den­burg. Kri­tik­ern gilt die Seite als Imagebeschmutzer. Für die jun­gen Mach­er ist sie das Medi­um für linke Jugendliche

Sie gehören zu den weni­gen Aufrecht­en im Land. Zumin­d­est fühlen sie sich so. “Wir sind schon etwas allein auf weit­er Flur und gel­ten als die notorischen Queru­lanten vom Dienst”, sagt Sven­ja Rinks. Zusam­men mit sieben Mit­stre­it­ern betreibt sie die Inter­net­seite Inforiot.de, eine Plat­tform für “alter­na­tive Kul­tur und linke Poli­tik” in Bran­den­burg. Das kleine Web­por­tal doku­men­tiert rechte All­t­agskul­tur, Nazi­ak­tio­nen, Ras­sis­mus und Demokratie­mankos im Land. 

Davon gibt es eine Menge, und so entste­ht kein schme­ichel­haftes Bran­den­burg­bild. Bei vie­len, die für ein Mehr an Touris­mus in der Region gern die Land­schaft gelobt sähen, gilt Infori­ot als “Imagebeschmutzer” oder gar als “Arbeit­splatzver­nichter”. Seit­en­weise geht Leser­post mit solchen Vor­wür­fen ein. Auch hand­feste Dro­hun­gen aus der recht­en Szene sind zu find­en. Ein E‑Mail-Schreiber ver­mutet “wein­er­liche Alt-68er” hin­ter der Truppe. Tat­säch­lich sind die Hob­byredak­teure max­i­mal 27 Jahre alt. 

Gegrün­det wurde Infori­ot 2001 von ein­er kleinen Antifa­gruppe aus Neu­rup­pin. Sei­ther wurde die Seite zweiein­halb Mil­lio­nen Mal aufgerufen. Ten­denz steigend, zurzeit 3.000-mal pro Tag. Rund 8.000 Mel­dun­gen sind einzuse­hen. Das Gros macht ein Press­espiegel aus, der Rest beste­ht vornehm­lich aus eige­nen Artikeln sowie Ein­schätzun­gen von Antifa­grup­pen und anti­ras­sis­tis­chen Initiativen. 

“Die Res­o­nanz ist recht groß”, freut sich Rinks. “Auch wenn ein gewiss­er Teil unser­er Leser uns über­haupt nicht lei­den kann.” Infori­ot soll möglichst viele Aspek­te des Recht­sex­trem­is­mus beleucht­en. “Das empfind­en manche als eine Art Pub­likums­beschimp­fung — und das Pub­likum schimpft dann eben ab und zu fleißig gegen uns zurück”, erzählt die 24-Jährige. 

Rinks studiert in Pots­dam und lebt in ein­er WG nahe dem Bahn­hof Char­lot­ten­hof. “Das ist da, wo an Ostern ein schwarz­er Deutsch­er als ‚Nig­ger´ belei­digt und dann ins Koma geschla­gen wurde.” Die anderen Infori­ot-Aktiv­en wohnen in Kle­in­städten im Land verteilt. Kom­mu­niziert wird meist per E‑Mail.

Treueste Klien­tel sind die derzeit zwei Dutzend Antifa-Ini­tia­tiv­en aus Bran­den­burg. Sie sind in einem Onlin­ead­ress­buch eben­so aufge­lis­tet wie alter­na­tive Jugend­klubs. Ein Kalen­der kündigt Konz­erte, Infoabende, Diskus­sio­nen und die dann und wann stat­tfind­en­den Demon­stra­tio­nen an. Für linke Jugendliche ist Infori­ot ein Medi­um, über das sie sich aus­tauschen kön­nen. “Ver­net­zung” nen­nt Rinks das. 

“Wir haben eine beängsti­gende poli­tis­che Kul­tur in Bran­den­burg, ger­ade unter Jugendlichen”, sagt Rinks. “Viele ver­ste­hen sich zwar als unpoli­tisch. Wenn ich aber nach­frage, kommt raus, dass sie ‚Volks­ge­mein­schaft´ ganz toll find­en und darin auch kein recht­es oder prob­lema­tis­ches Konzept erken­nen wollen.” Das sei im Kern ein kul­turelles Phänomen, und “darum geben wir alter­na­tiv­er, link­er Kul­tur viel Platz. Um zu zeigen, dass es auch anders gehen könnte.” 

Infori­ot-Geburt­stagspar­ty heute ab 21 Uhr im Stu­den­tis­chen Kul­turzen­trum, Her­mann-Elflein-Straße 10, Pots­dam. Ein­tritt ab 4 Euro.

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