3. März 2005 · Quelle: MAZ

Das Problem in den Köpfen

NEURUPPIN Im Kampf gegen rechte Schläger und Parolen kön­nen die Polizis­ten
zwis­chen Neu­rup­pin und Witt­stock kün­ftig auf Unter­stützung des
Polizeiprä­sid­i­ums Pots­dam set­zen. Das kündigte gestern Pots­dams
Polizeipräsi­dent Ben­no Küp­per an.

Küp­per nahm zusam­men mit dem Lei­t­en­den Ober­staat­san­walt Gerd Schnittch­er,
dem stel­lvertre­tenden Leit­er des Amts­gerichts Ger­hard Pries sowie
Polizei­di­rek­tor Dieter Kahler an der tur­nus­gemäßen Beratung der
Amts­di­rek­toren und Bürg­er­meis­ter bei Lan­drat Chris­t­ian Gilde teil.
Beson­deres Augen­merk müsste bei der poli­tisch motivierten Krim­i­nal­ität auf
Witt­stock und Neu­rup­pin gelegt wer­den, so Küp­per. Der Polizeipräsi­dent
erin­nerte an die Schän­dung des Jerusalemhains in der Fontanes­tadt sowie an
die Aktiv­itäten “von Opa Lange”, der recht­en Jugendlichen in sein­er
Neu­rup­pin­er Woh­nung Unter­schlupf gewähre.

Für Ober­staat­san­walt Gerd Schnittch­er bleibt auch Witt­stock ein Schw­er­punkt
rechter Krim­i­nal­ität. “Die Täter ver­büßen ihre Strafen ohne Läuterung und
find­en danach sofort wieder Anschluss in der recht­en Szene.” Dieses Prob­lem
beste­he bere­its seit Jahren. Den­noch sprach sich Schnittch­er gegen eine
Ver­schär­fung der Geset­ze aus. “Die Schraube kön­nen wir nicht noch mehr
anziehen. Die Zusam­me­nar­beit von Polizei und Staat­san­waltschaft ist
opti­mal.” Vielmehr müsse das Prob­lem in den Köpfen gelöst wer­den. Dazu
müsste mehr Aufk­lärungsar­beit bei den Eltern sowie in den Kitas und Schulen
betrieben wer­den, forderte Richter Ger­hard Pries. Das Neu­rup­pin­er
Amts­gericht set­zt weit­er auf beschle­u­nigte Ver­fahren. “Die Strafe soll der
Tat auf dem Fuße fol­gen, das wirkt ger­ade bei Jugendlichen und
Her­anwach­senden noch am ehesten”, so Pries.

Von den 106 poli­tisch motivierten Straftat­en im ver­gan­genen Jahr im
Land­kreis ent­fie­len 48 (45 Prozent) auf Neu­rup­pin, 43 auf Witt­stock (41
Prozent) und 15 auf Kyritz (14 Prozent). Sechs der sieben gewalt­täti­gen
Über­griffe reg­istri­erte die Polizei dabei in Neu­rup­pin, sagte Polize­ichef
Kahler. Die Polizei hat deshalb mit Krim­i­nal­rat Michael Bre­itschw­erdt einen
Präven­tions­beauf­tragten ernan­nt. Inner­halb der näch­sten zwei Monate will
sich Bre­itschw­erdt in den Ämtern und Gemein­den des Kreis­es abstim­men. “Wir
wollen wis­sen, wo welche Hil­fe gebraucht wird”, betonte Lan­drat Gilde.

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