7. Mai 2008 · Quelle: [a]alp

Demobericht 03.05.08

Am Sam­stag den 03.05.08 fand in Pots­dam ein Demon­stra­tion gegen Ras­sis­mus und frem­den­feindliche Gewalt statt. Diese wurde kurzfristig auf­grund von mehreren ras­sis­tis­chen und neon­azis­tis­chen Über­grif­f­en organ­isiert. Um 18 Uhr fan­den sich am Platz der Ein­heit gut 200 Antifaschist_innen ein um ihre Sol­i­dar­ität mit den Betrof­fe­nen zu zeigen und ihren Protest laut­stark auf die Straße zu brin­gen.

Am Abend des 30. April kam es im Stadt­teil Schlaatz zu einem ras­sis­tis­chen Angriff auf einen dort leben­den Mann. Dieser wurde zunächst auf­grund sein­er Haut­farbe belei­digt und dann tätlich ange­grif­f­en.
Am darauf fol­gen­den Tag kam es erneut zu einem Über­griff, dies­mal auf Mitarbeiter_innen eines Döner­bistros in der Bran­den­burg­er Straße. Dieser ereignete sich am so genan­nten Her­rentag wobei durch eine 30 bis 50 Per­so­n­en starke „Män­nertags­ge­sellschaft“ zunächst Gäste angepö­belt, Mobil­iar zer­stört und schließlich die Betreiber_innen tätlich ange­grif­f­en wur­den.

Auf­grund dieser Ereignisse zog der Demon­stra­tionszug durch die Pots­damer Innen­stadt und hielt für eine Zwis­chenkundge­bung auf der Bran­den­burg­er Straße wobei mehrere Rede­beiträge ver­lesen wur­den. Erfreulicher­weise wur­den diese von der betrof­fe­nen Fam­i­lie und umste­hen­den Passant_innen mit Applaus aufgenom­men und unter­stützt. Danach ging die Demon­stra­tion laut­stark weit­er bis sie wieder am Platz der Ein­heit ein­traf. Dabei wur­den Parolen wie: „Für die Frei­heit, für das Leben — Ras­sis­ten von der Straße fegen!“, „Dön­er, Falaf­fel — Nazis in die Hav­el!“ und „Nazis mor­den, der Staat schiebt ab. Das ist das gle­iche Ras­sis­ten­pack!“, gerufen.
Zum Schluss gab es noch zwei spon­tane Rede­beiträge. Der erste the­ma­tisierte einen drit­ten Neon­az­iüber­griff von ca. 60 Per­so­n­en der sich gegen alter­na­tive Jugendliche richtete welche mit Teleskop­schlagstöck­en, Quarzhand­schuhen, Pfef­fer­spray und Glas­flaschen attack­iert wur­den. Hier­bei berichteten zwei der Betrof­fe­nen, dass sie sich nur durch die Hil­fe eines Mannes auf ein nahe gele­genes Grund­stück ret­ten kon­nten.
Der zweite Beitrag kam von der Fam­i­lie Erol, den Inhaber_innen des Döner­im­biss, die sich für die Sol­i­dar­ität bedank­ten und es sehr begrüßten, dass sie unter den Teilnehmer_innen der Demo nicht als „Aus­län­der“ son­dern als Mit­men­schen ange­se­hen wer­den.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es ein laut­starkes und öffentlichkeitswirk­sames Zeichen war und gezeigt wurde, dass sich Men­schen offen­siv gegen Ras­sis­mus und Nazis zur Wehr set­zen (wollen).

Rede­beitrag der [a]alp:

Pots­dam gibt sich gerne weltof­fen, bunt und tol­er­ant. Doch dass dem nicht so ist kön­nen wir anhand der jüng­sten Ereignisse fest­stellen. Während am Abend des 30. April ca. 3000 Men­schen auf dem Luisen­platz beim „Rhytm against racism“ feierten, kam es im Stadt­teil Schlaatz zu einem ras­sis­tis­chem Über­griff auf einen 43 Jahre alten Mann. Dieser wurde zunächst auf­grund sein­er Haut­farbe belei­digt und dann tätlich ange­grif­f­en. Kaum 24 Stun­den später kam es erneut zu einem Über­griff, dies­mal auf Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er eines Döner­bistros in der Bran­den­burg­er Straße.

Laut ersten Press­es­tim­men und Polizeiangaben han­delte es sich hier­bei lediglich um eine Schlägerei zwis­chen den Inhab­ern und ein­er grölen­den Män­nertags­ge­sellschaft. Eine ras­sis­tisch motivierte Tat wird ihrer­seits bis zum jet­zi­gen Zeit­punkt aus­geschlossen, man solle die polizeilichen Ermit­tlun­gen abwarten, heißt es.
Dieses Herun­ter­spie­len und Auss­chließen eines ras­sis­tis­chen Motivs von vorn­here­in kri­tisieren wir hier­mit laut­stark.

Der von mehrere Zeug­in­nen und Zeu­gen beobachtete Vor­gang, ereignete sich unter dem laut­en rufen von aus­län­der­feindlichen Parolen wie zum Beispiel „Aus­län­der raus“, „“Scheiß Türken“ oder „Scheiß Kanaken“.
Diese Aus­sagen sind ein­deutig als frem­den­feindlich zu bew­erten und unter­stützen die klar erkennbare ras­sis­tis­che Moti­va­tion der Täter.
Eben­falls aufs schärf­ste zu verurteilen ist die ver­bale Unter­stützung des ras­sis­tis­chen Angriffs seit­ens einiger Pas­san­ten, welche mit Zurufen laut­stark die Gewalt gegen die Betrof­fe­nen bil­ligten.

Ger­ade an Tagen wie dem Her­rentag oder auf Fes­ten wie der Baum­blüte zeigen die ange­blich so tol­er­an­ten Pots­damer sich von ihrer schlecht­esten Seite.
Diese bei­den Ereignisse sind Teile ein­er Rei­he von ras­sis­tis­chen und neon­azis­tis­chen Über­grif­f­en in Pots­dam. Diese find­en vor allem in let­zter Zeit oft unbe­merkt und ohne öffentliche Wahrnehmung statt. Bei den Betrof­fe­nen dieser Gewalt han­delt es sich vornehm­lich um alter­na­tive Jugendliche und Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund.

Wir fordern euch hier und heute auf diese Rei­he von Vor­fällen zu unter­brechen und den Ras­sis­ten keinen Platz zu lassen. Greift ein oder holt Hil­fe wenn ihr Zeug­in­nen von ras­sis­tis­ch­er Gewalt werdet egal ob sie ver­bal oder kör­per­lich in Erschei­n­ung tritt.

Es ist wichtig jedem Ras­sis­mus offen­siv ent­ge­gen zu treten und sich mit ange­bracht­en Mit­teln zu wehren. Daher ist der aktuelle Umgang bezüglich des Über­griffs in der Bran­den­burg­er Straße sehr prob­lema­tisch. Den Betrof­fe­nen wird hier­bei jeglich­es Recht auf Selb­stvertei­di­gung, Vertei­di­gung ihrer Gäste und ihres Mobil­iars abge­sprochen.
Es ist in Ord­nung und unter­stützenswert sich gegen Ras­sis­ten zu vertei­di­gen.

Deshalb schaut hin, greift ein und wehrt euch laut­stark!
Ras­sis­mus bekämpfen! Auf allen Ebe­nen!

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