23. Oktober 2002 · Quelle: Antifabündnis

Den Nazis in Halbe den Marsch blasen!

Mahn-und Gedenkkundge­bung für die sow­jetis­chen Zwangsar­bei­t­erIn­nen unter dem
Mot­to “Nie wieder Faschis­mus — Nie wieder Krieg”
am 17. Novem­ber 2002 von 11.00 Uhr — 18.00 auf dem Park­platz direkt am
Hauptein­gang des Zen­tral­wald­fried­hof Halbe
Ver­anstal­terin: Bedin­gungslose Kapit­u­la­tion 8.Mai e.V. und Bünd­nis
unab­hängiger Antifa­grup­pen

Zum ersten Mal nach 10 Jahren ver­bots­be­d­ingter Pause wollen am 17.November
2002 soge­nan­nte Freie Nation­al­is­ten unter Führung des Berufs-Nazi Chris­t­ian
Worch in Halbe bei Berlin mit der Parole „Ruhm und Ehre dem deutschen
Frontsol­dat­en“ einen bun­desweit­en Auf­marsch durch­führen und den „Volk­strauertag“ in
das nation­al­sozial­is­tis­che „Heldenge­denken“ umwid­men.

Im April 1945 bilde­ten Panz­ere­in­heit­en der Roten Armee einen Kessel um die
Reste der geschla­ge­nen 9. Armee des Gen­er­als Busse, der auf Anrat­en Gen­er­al
Wencks – dieser kon­nte flücht­en und war nach dem Krieg unbe­hel­ligt als Direk­tor
der Fer­ro-Stahl AG tätig — das Kapit­u­la­tion­sange­bot der Roten Armee
ablehnte. Somit wurde „Hitlers let­ztes Aufge­bot“, beste­hend aus 15jährigen
Jugendlichen, alten Män­nern, mil­itärischen Hal­bkrüp­peln und den Ver­brech­ern der
Waf­fen-SS, in den let­zten Kriegswochen in den Wäldern um Halbe fol­gerichtig
zusam­mengeschossen. Das Gemet­zel hin­ter­ließ den größten Sol­daten­fried­hof
Deutsch­lands, den Zen­tral­wald­fried­hof Halbe.
Hier liegen die „Helden­bilder“ der alten und neuen Nazis begraben — die
„tapfer­en“ Wehrma­chtssol­dat­en und vor allem die Ange­höri­gen der Waf­fen-SS.

Halbe ist neben Wun­siedel DER Wall­fahrt­sort von Alt- und Neon­azis.

Schon vor 1989 war der Fried­hof eine geheime Kult­stätte der Neon­aziszene der
DDR die dort auch nach Waf­fen und Mil­i­taria- Gegen­stän­den gebud­delt hat­te.
1990 und 91 fan­den bis zu deren Ver­bot alljährlich am Volk­strauertag in
Halbe Nazi-Aufmärsche zum Gedenken an die „Helden“ der Waf­fen-SS statt. Bis zu
1000 Alt- und Neon­azis gedacht­en und feierten hier mit Fack­el- und Trom­melzü­gen
und marschierten teil­weise uni­formiert über den Fried­hof. Alles was in der
Nazi-Szene Rang und Namen hat­te gab sich hier ein Stelldichein: FAP,
Wik­ingju­gend, Nation­al­is­tis­che Front (NF), Deutsche Kul­turge­mein­schaft (DKG) und ihr
Berlin­er Ableger (BKP), JN, Van­dalen etc..

Neben Ange­höri­gen der deutschen Wehrma­cht und Waf­fen-SS liegen an diesem Ort
jedoch auch 57 von der Nazi-Jus­tiz als Wehrkraftzer­set­zer und Deser­teure
verurteilte und hin­gerichtete Sol­dat­en, sowie ukrainis­che Zwangsar­beit­er und
Zwangsar­bei­t­erin­nen, die während des Krieges in den umliegen­den Gemein­den
aus­ge­beutet wur­den und an den Fol­gen von Hunger und Entkräf­tung star­ben. Und nicht
zulet­zt sind in Halbe Tausende der gefal­l­enen Sol­dat­en der Roten Armee
begraben.
Die Vorstel­lung, dass das braune Pack ihr faschis­tis­ches Heldenge­denken auf
den Gräbern sow­jetis­ch­er Zwangsar­beit­er und Rotarmis­ten zele­bri­ert ist von
ein­er Wider­lichkeit, die den ekel­haften Anblick eines „nor­malen“
Nazi-Auf­marschs bei weit­em über­steigt.

Eben­so wie sich Wun­siedel nach jahre­langem Ver­bot wieder etablieren kon­nte,
ist auch in Halbe davon auszuge­hen, dass Ver­bote vor den Ver­wal­tungs­gericht­en
nicht stand­hal­ten wer­den. Nach Halbe wird das gle­iche Spek­trum wie nach
Wun­siedel kom­men. Daher ist mit ca. 2000 Nazis zu rech­nen, die bun­des- und
€paweit anreisen wer­den.

Nach­dem der antifaschis­tis­che Protest gegen den Nazi-Auf­marsch in Wun­siedel
nicht ger­ade opti­mal gelaufen ist, sollte Halbe nun doch mit mehr
Aufmerk­samkeit bedacht wer­den. Die regionalen AntifaschistIn­nen sind bei den geplanten
Gege­nak­tio­nen natür­lich auf über­re­gionale bzw. bun­desweite Unter­stützung
angewiesen. AntifaschistIn­nen kön­nen natür­lich nicht jede Nazi-Ver­anstal­tung mit
Protesten begleit­en. Jedoch muß solchen, die für das Nazi-Spek­trum einen hohen
Stel­len­wert haben, und dazu gehört Halbe, kraftvoll ent­ge­genge­treten wer­den.

Darum müssen am 17. Novem­ber vielfältige antifaschis­tis­che Gege­nak­tio­nen mit
massen­hafter Beteili­gung in und um Halbe stat­tfind­en, um den Nazi-Auf­marsch
zu einem Desaster wer­den zu lassen.

Achtet auf weit­ere Ankündi­gun­gen !

Weit­ere Info gibt es unter www.halbe.da.ru. Kon­takt: redhalbe@oleco.net

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