14. November 2011 · Quelle: Antifaschistische Recherche_Potsdam//Umland

Der 9. November – Interne Mobilisierung Potsdamer Neonazis

Am späten Abend des 09.11.2011 liefen ca. 50 Neon­azis durch den Pots­damer Stadt­teil Wald­stadt. Die durch die “Freie Kräfte Pots­dam” (FKP) mobil­isierten und koor­dinierten Neon­azis, insze­nierten sich dabei ganz dem Vor­bild der “WERDE-UNSTERBLICH” Kam­pagne der “Spreelichter” entsprechend, mit weißen Masken vor den Gesichtern und Parolen rufend in Fack­el­marschfor­ma­tion [1].
Anders als die örtlichen Zeitun­gen den Anlass ver­muteten, sollte ihr Auf­marsch an die getöteten Nazis des Hitler­putsches 1923 erin­nern, oder wie es das Sprachrohr der neon­azis­tis­chen “FKP”, das “Info­por­tal-Pots­dam”, als Gedenken an die “Blutzeu­gen von München” zu erk­lären ver­sucht [2].
Bere­its 2009 fand eine ähn­liche „Zer­e­monie“ statt. Damals auch mit Fack­eln, jedoch ohne weiße Masken und außer­halb der Stadt in einem Wald­stück, wo es nie­man­den tang­ierte. Dies war wahrschein­lich ein Grund mehr für sie ein YouTube-Video davon zu veröf­fentlichen [3]. Dass es aber nicht nur um die soge­nan­nten “Blutzeu­gen” geht, wird – wenn wir das Datum betra­cht­en – ein­leuch­t­end: der 09. Novem­ber – der Tag der Reich­s­pogrom­nacht. Das Datum, an dem im Jahr 1938 in ganz Deutsch­land – auch in Pots­dam – SA, SS und ihre Helfer_innen u.a. Syn­a­gogen, jüdis­che Geschäfte und Pri­vat­woh­nun­gen mit Steinen und Fack­eln zer­störten, sowie hun­derte Jüd_innen ermorde­ten. Tags drauf wur­den zehn­tausende Jüd_innen in Konzen­tra­tionslager deportiert.
Somit ver­her­rlichen Pots­damer Neon­azis 73 Jahre später die Reich­s­pogrom­nacht, in dem sie angelehnt an diesen Tag mit Fack­eln auf die Straße gehen und men­schen­ver­ach­t­ende Parolen skandieren.

Doch warum wählten die Neon­azis aus­gerech­net den Pots­damer Stadt­teil Wald­stadt als Ort ihrer Fack­el­marsch-Insze­nierung?
In der nahen Ver­gan­gen­heit kam es dort immer wieder zu Über­grif­f­en gegen alter­na­tive und ver­meintlich linke Jugendliche (APAP und AALP informierten, [4]). Darüber hin­aus wohnt ein großer Teil der aktiv­en Pots­damer Neon­aziszene in diesem Bezirk. Laut eige­nen Angaben hörten sie den Polizei­funk ab, um den passenden Moment abzuwarten, um geplant und ungestört zu “marschieren”. Vor Ein­tr­e­f­fen der Polizei kon­nte sich die Gruppe unerkan­nt auflösen.
Damit zeigt sich eine neue Ten­denz der hiesi­gen Neon­aziszene: sie gehen wieder in Wohnge­gen­den auf die Straße und bleiben nicht mehr länger in den Wäldern oder hin­ter­lassen “nur” wirre Botschaften mit Krei­de. Diese Aktio­nen, sowie die Fack­e­laufmärsche, sollen ein­er­seits zur Insze­nierung ihres unmen­schlichen Welt­bildes beitra­gen, sowie ihre Ein­bil­dung stärken, dass ihnen für einen Moment die Straße gehört. Ander­er­seits dienen sie zur Ver­net­zung mit Berlin­er und Bran­den­burg­er Neon­azis. Es ist kein “Aufrüsten” (MAZ, [5]), son­dern Pots­damer Neon­azis kon­tak­tieren ihre “Kamerad_innen” und suchen sich gezielt Orte aus, an denen sie ungestört ihre Pro­pa­gan­daak­tio­nen durch­führen kön­nen, um sich danach medi­al selb­st aus- und aufzuw­erten.
Das sollte nicht länger geduldet wer­den! Bezirke wie Pots­dam Wald­stadt dür­fen nicht länger als Prob­lem­bezirke degradiert und Raum für neon­azis­tis­che Aktiv­itäten bleiben.

[1] http://werde-unsterblich.info/
[2] http://infoportal-potsdam.net/ak147.html
[3] http://www.youtube.com/watch?v=AN9yn1w-4w0
[4] http://apap.blogsport.eu/2011/04/16/6_u … rzer_zeit/, http://apap.blogsport.eu/2011/07/01/chr … juni-2011/ und http://aalp.blogsport.de/2011/06/26/wei … n‑potsdam/
[5] http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ … nazis.html

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