4. Mai 2017 · Quelle: Presseservice Rathenow

Der braune 1. Mai im Rückblick

An den bun­desweit­en Aktio­nen des neon­azis­tis­chen Milieus anlässlich des Tages der Arbeit beteiligte sich auch eine zweis­tel­lige Anzahl Bran­den­burg­er Neon­azis in min­destens vier Bun­deslän­dern. Deut­lich­er Schw­er­punkt der Aktiv­itäten war das Geschehen um den so genan­nten „Tag der deutschen Arbeit (TDDA)“ im sach­sen-anhal­tinis­chen Halle (Saale).  Weit­er­hin beteiligten sich Bran­den­burg­er Neon­azis aber auch an größeren Aufmärschen in Gera (Thürin­gen) und Stral­sund (Meck­len­burg-Vor­pom­mern). Im Land Bran­den­burg sel­ber ver­anstal­tete das neon­azis­tis­che Milieu lediglich eine kleinere Kundge­bung in Frank­furt (Oder).
Mil­i­tante Neon­azis aus NPD und „Freien Kräften“ zog es zum „TDDA“ nach Halle (Saale)
Für den „Tag der deutschen Arbeit“  in Halle (Halle) hat­te bun­desweit vor allem die Partei „Die Rechte“ und ihr nahe Struk­turen gewor­ben. Ihre Absicht lag in der Ver­anstal­tung ein­er zen­tralen und organ­i­sa­tion­süber­greifend­en Ver­samm­lung mit einem betont kämpferischen Aspekt.
Erwün­scht war dies­bezüglich auch die Teil­nahme des so genan­nten „Antikap­i­tal­is­tis­chen Kollek­tives (AKK)“, ein­er Ver­net­zung von „Autonomen Nation­al­is­ten“, welche in der Ver­gan­gen­heit bei Erste-Mai-Ver­anstal­tun­gen des III. Weges in Saalfeld (Thürin­gen) und Plauen (Sach­sen) die Auseinan­der­set­zung mit der Polizei sucht­en, dadurch den Abbruch der angemelde­ten Ver­samm­lun­gen verur­sacht­en und sich let­z­tendlich deswe­gen mit den Ver­anstal­tenden über­war­fen.
Auch im Vor­feld des TDDA in Halle (Saale) hat­te das AKK angedeutet not­falls auf Mil­i­tanz zur Durch­set­zung des Auf­marsches zu set­zen.
Während der III. Weg bei sein­er Dis­tanz zu den „Autonomen Nation­al­is­ten“ blieb und auf einen, im Ver­gle­ich zu den Vor­jahren, kleineren Auf­marsch set­zte, hat­ten die „Die Rechte“ und selb­st die Bran­den­burg­er NPD offen­bar keine Berührungsäng­ste gemein­sam mit dem mil­i­tan­ten schwarzen (Nazi-)block aufzutreten.

NPD Kommunalpolitiker aus Brandenburg während des Aufmarsches zum „TDDA“ in Halle (Saale): Dave Trick (2.v.l.), Manuela Kokott (4.v.l.) und Benjamin Mertsch (1.v.r.). Ebenfalls im Bild: NPD Anhänger Alexander B. (rechts neben Kokott) sowie Sympathisierende der Brandenburger JN (im Hintergrund)

NPD Kom­mu­nalpoli­tik­er aus Bran­den­burg während des Auf­marsches zum „TDDA“ in Halle (Saale): Dave Trick (2.v.l.), Manuela Kokott (4.v.l.) und Ben­jamin Mertsch (1.v.r.). Eben­falls im Bild: NPD Anhänger Alexan­der B. (rechts neben Kokott) sowie Sym­pa­thisierende der Bran­den­burg­er JN (im Hin­ter­grund)


Zum geplanten Auf­marsch in Halle (Saale) reis­ten so sog­ar bran­den­bur­gis­che Kom­mu­nalpoli­tik­er der „Nation­aldemokrat­en“, wie beispiel­sweise Ben­jamin Mertsch (Kreistagsab­ge­ord­neter Land­kreis Spree-Neiße), Manuela Kokott (Gemein­de­v­ertreterin Spreen­hagen) und Dave Trick (Stadtverord­neter Neu­rup­pin), an. Sie kamen gemein­sam mit weit­eren NPD Funk­tionären aus Bran­den­burg, wie Markus N. (Stadtverord­neter Guben 2008–2014), Alexan­der B. (Kan­di­dat Stadtverord­neten­ver­samm­lung Guben 2008) sowie Frank O. und Alexan­der Kevin P. vom Kreisver­band Oder­land und Pierre B. vom Kreisver­band Hav­el-Nuthe sowie Sym­pa­thisieren­den der JN.
Beze­ich­nend dabei ist, dass fünf der acht genan­nten bran­den­bur­gis­chen NPD Funk­tionäre in der Ver­gan­gen­heit min­destens gewalt­tätig in Erschei­n­ung getreten waren. Alexan­der B. war Haup­tak­teur der aus­län­der­feindlichen Het­z­jagd von Guben  im Jahr 1999 und saß wegen des dadurch verur­sacht­en Todes eines Algeriers zwei Jahre in Jugend­haft. Markus N. und Alexan­der Kevin P. sollen am 3. August 2013 Geg­n­er ein­er NPD Kundge­bung in Eisen­hüt­ten­stadt angrif­f­en haben. P. wurde dafür erst am 15. März 2017 recht­skräftig zu ein­er Frei­heitsstrafe von neun Monat­en, aus­ge­set­zt zu zwei Jahren auf Bewährung, verurteilt. Eben­falls gewalt­tätig in Erschei­n­ung trat­en in der Ver­gan­gen­heit Dave Trick und Pierre B. Gegen bei­de läuft zurzeit noch ein Ver­fahren wegen eines Angriffs auf einen Wahlhelfer der Linkspartei am 19. Mai 2014 in Neu­rup­pin.
Sympathisierende der „Freien Kräfte Prignitz“ am 1. Mai 2017 in Halle (Saale)

Sym­pa­thisierende der „Freien Kräfte Prig­nitz“ am 1. Mai 2017 in Halle (Saale)


Neben den genan­nten NPD Funk­tionären waren auch Akteure freier nation­al­is­tis­ch­er Struk­turen aus Bran­den­burg nach Halle (Saal) gereist. Haupt­säch­lich han­delte es sich dabei um Aktive der „Freien Kräfte Prig­nitz“ aus dem Land­kreis Prig­nitz und den „Freien Kräften Neu­rup­pin-Osthavel­land“ aus den Land­kreisen Ost­prig­nitz-Rup­pin und Havel­land sowie der kre­is­freien Stadt Bran­den­burg an der Hav­el. Bei­de Grup­pierun­gen pfle­gen eine enge Zusam­me­nar­beit mit der Bran­den­burg­er NPD und geben sich in ihrem Habi­tus aber auch gerne als „Autonome Nation­al­is­ten“. Einzelne Akteure der „Freien Kräfte Prig­nitz“ und der „Freien Kräften Neu­rup­pin-Osthavel­land“  waren in der Ver­gan­gen­heit immer wieder an gewalt­täti­gen Aktio­nen beteiligt. Des Weit­eren wur­den von einzel­nen Aktiv­en dieser Grup­pierun­gen auch spon­tane Märsche in den Bran­den­bur­gis­chen Klein- und Mit­tel­städten Wit­ten­berge, Neu­rup­pin und Hen­nigs­dorf (mit)organisiert.
Dieser Tra­di­tion fol­gend bekan­nten sich die „Freien Kräften Neu­rup­pin-Osthavel­land“ in der Time­line ihrer Social­me­dia-Präsenz auch zur Teil­nahme an der „TDDA“-Ersatzveranstaltung in Köthen (Sach­sen-Anhalt). Dort waren nach dem Abbruch des Auf­marsches zum 1. Mai in Halle (Saale) zwis­chen 200 bis 250 Neon­azis spon­tan auf­marschiert. Fotos aus Halle(Saale): hier
Sym­pa­thisierende des III. Weges zog es zum „Arbeit­erkampf­tag“ nach Gera
Der zweite Ver­samm­lungss­chw­er­punkt aktiv­er Bran­den­burg­er Neon­azis anlässlich des braunen ersten Maies lag  knapp 100 km südlich von Halle (Saale) im thüringis­chen Gera. Dort führte die neon­azis­tis­che Kader­partei „der III.Weg“ seinen so genan­nten „Arbeit­erkampf­tag“ durch, für den es im Vor­feld u.a. am 22. April 2017 im bran­den­bur­gis­chen Luck­en­walde (Land­kreis Tel­tow-Fläming) eine Mobil­isierungsver­anstal­tung gab.
Trotz der auch bun­desweit­en Bewer­bung für Ver­samm­lung zum 1. Mai zog die Ver­anstal­tung let­z­tendlich „lediglich 400–500“ Teil­nehmende (2016 in Plauen: ca. 1.000) an, darunter auch eine zweis­tel­lige Anzahl Bran­den­burg­er Sym­pa­thisieren­der der Partei aus der kre­is­freien Stadt Pots­dam und den Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark, der kre­is­freien Stadt Frank­furt (Oder) und dem Land­kreis Oder-Spree, dem Land­kreis Tel­tow-Fläming sowie dem Land­kreis Uck­er­mark an. Bekan­ntester, in Gera teil­nehmender Funk­tionär des III. Weges aus Bran­den­burg war der so genan­nte „Gebi­et­sleit­er Mitte“, Matthias Fis­ch­er. Fotos aus Gera: hier
NPD Ober­hav­el und Barn­im „für Volk und Heimat“ in Stral­sund
Für Bran­den­burg­er Neon­azis nur von gerin­gen im Inter­esse war hinge­gen einen Ver­samm­lung der NPD unter dem Mot­to „Her­aus zum 1. Mai: für Volk und Heimat – Sozial, Nation­al, Legal“ im meck­len­bur­gis­chen Stral­sund. An ihr beteiligten sich lediglich einzelne bekan­nte Partei­funk­tionäre aus den Land­kreisen Barn­im und Ober­hav­el, darunter der Kom­mu­nalpoli­tik­er Robert Wolinksi (Stadtverord­neter Vel­ten). Let­zt genan­nter, soll Angaben der PNN zufolge, in der Ver­gan­gen­heit mehrfach im Visi­er polizeilich­er Ermit­tlun­gen gewe­sen sein. Im Novem­ber 2013 soll er Rädels­führer eines Fack­el­marsches zu Ehren des ver­stor­be­nen NS-Kriegsver­brech­ers Erich Priebke gewe­sen sein. Weit­er­hin gilt er als Drahtzieher für mehrere neon­azis­tis­che Konz­ertver­anstal­tun­gen, die in der Ver­gan­gen­heit vor allem im Osten Meck­len­burg-Vor­pom­merns stat­tfan­den. Fotos aus Stral­sund: hier
Europäis­che Aktion und „Anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Plat­tform“ ver­sam­melten sich in Frank­furt (Oder)
Die einzige Bran­den­burg­er Ver­samm­lung mit neon­azis­tis­ch­er Beteili­gung fand hinge­gen nahezu unbe­merkt in der kre­is­freien Stadt Frank­furt (Oder) statt. Dort hat­te ein Sym­pa­thisant der extrem recht­en „Europäis­chen Aktion“ eine Kundge­bung unter dem Mot­to „für ein soziales Deutsch­land“ angemeldet. Diese Ver­samm­lung zog unge­fähr 20 Teil­nehmende aus Frank­furt (Oder), dem Land­kreis Oder-Spree sowie der Bun­de­shaupt­stadt Berlin an. Bekan­ntester  Teil­nehmer war der ehe­ma­lige Vor­sitzende der Quer­front-Organ­i­sa­tion „Kampf­bund Deutsch­er Sozial­is­ten (KDS)“ und jet­zige Akteur bei der „Anti­im­pe­ri­al­is­tis­chen Plat­tform (AiP)“, Michael Koth. Fotos aus Frank­furt (Oder): hier

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