18. September 2006 · Quelle: Soligruppe Potsdam

Der elfte Prozesstag im Potsdamer Antifa-Verfahren

Zunächst wurde heute der Zeuge Robert Manzke weit­er­be­fragt, dabei gab dieser an in
der Nacht des 18.06.05 bei den Tätern keine Base­caps, Son­nebrillen, Tüch­er oder
Kapuzen gese­hen zu haben, sie wären alle­samt mit Stur­m­masken ver­mummt gewe­sen. Auch
Julia hätte eine solche getra­gen, an eine Brille kon­nte er sich in diesem
Zusam­men­hang nicht erin­nern. Manzke hätte sie nach eige­nen Angaben danach auch noch
ein­mal in hellerer Klei­dung vor dem Polizeiau­to ste­hen gese­hen. Auf Nach­frage der
Anwälte berichtete er, dass er sich mit den anderen Angestell­ten über den Fall
mehrfach unter­hal­ten hätte.
Hier­nach sagte der Zeuge Jörg Jansa aus, er gab an zur Tatzeit am Tre­sen des Lokals
See­blick ges­tanden zu haben und sah von dort aus wie 4–5 dunkel glei­dete und
ver­mummte Per­so­n­en hin­ter ein­er einzel­nen Per­son hin­ter­herg­er­an­nt seien. Alle hät­ten
mit Totschlägern auf das Opfer eingeprügelt, es wäre alles sehr schnell gegan­gen und
hätte auf ihn- einen ehe­ma­li­gen Hooli­gan- sehr dur­chor­gan­isiert gewirkt. Dann sei
sein Bekan­nter Manzke hin­ter den Tätern herg­er­an­nt und hätte einen gestellt,
daraufhin seien die anderen Täter zurück­gekom­men und hät­ten ver­sucht den
Fest­ge­hal­te­nen zu befreien. Jansa ist nach eigen­er Aus­sage seinem Bekan­nten zur
Hil­fe geeilt und hätte die anderen Per­so­n­en weggeschub­st. Daraufhin hätte Julia ihm
mit einem “Telesko­prohrschläger” auf den Ober­arm gehauen, dage­gen habe er sich dann
gewehrt und diese auf die Brust gehauen. Julia hätte sich dann ihre Ski­maske vom
Kopf geris­sen und ihn ange­brüllt und mit ein­er Anzeige gedro­ht. Die ganze Sit­u­a­tion
beschrieb er als ein “völ­liges Durcheinan­der”. Als schließlich die Polizei ein­traf
musste er seine Per­son­alien angeben und einen Atemalko­holtest machen [1 Promille].
Julia hätte er dann auch wieder gese­hen, diese wäre vol­lkom­men umge­zo­gen zum
Polizei­wa­gen geschlen­dert.

Als let­zte Zeu­g­in vor der 1‑monatigen Unter­brechung sagte dann Wenke Müller aus.
Diese war zur Tatzeit Geschäfts­führerin der Gast­stät­ten See­blick und Barokoko und
hätte vor der Tür gesessen als 1 Per­son um die Ecke des Cafe Hei­der ger­an­nt kam und
dieser 4–5 weit­ere Per­so­n­en gefol­gt sind. Let­ztere seien alle­samt mit Ski­masken
ver­mummt und dunkel gek­lei­det gewe­sen, sie hät­ten dann 3–4 Minuten lang sehr heftig
mit Teleskop­schlagstöck­en auf den Kopf des Opfers eingeschla­gen. Danach seien sie in
Rich­tung Hege­lallee geflüchtet. Jansa, Manzke und andere Per­so­n­en seien dann
hin­ter­herg­er­an­nt und hät­ten mehrere der Flüch­t­en­den gestellt. Im Großen und Ganzen
hät­ten dann 15–20 Per­so­n­en ein einziges Tohuwabo­hu gebildet. Hier­nach hätte sie sich
dann in die Gast­stätte begeben um die Polizei und den Kranken­wa­gen zu
benachrichti­gen.

Am Ende dieses Prozesstages wurde dann von Stef­fen Sauer ein Beweis­mit­te­lantrag
ein­gre­icht. Dieser umfasst eine von Julia geschriebene e‑mail in der diese den
Her­gang aus ihrer Sicht beschrieb. Am Abend des 18.06.05 sei sie mit den Angeklagten
R.D. und I.K. auf der Friedrich-Ebert-Straße in Rich­tung Imbiss unter­wegs gewe­sen,
als sie einen Tumult am Nauen­er Tor bemerk­ten. In diese Rich­tung hät­ten sich die
drei dann begeben, da dort eine recht junge Per­son von mehreren kräftiger gebaut­en
Män­nern mal­tretiert wurde. Für Julia und die anderen sah dies aus wie ein Über­griff,
weswe­gen sie ver­sucht­en einzu­greifen. Dabei wurde Julias Kopf, laut der email, von
Jörg Jansa nach unten gedrückt, während dieser mehrfach mit dem Knie dage­gen­trat.
Als sie dies der ein­tr­e­f­fend­en Polizei mit­teilen wollte, sei daraufhin nichts
passiert, stattdessen wur­den sie und zwei weit­ere Per­so­n­en in Gewahrsam genom­men.

Der Prozess wurde heute für einen Monat unter­brochen und wird am
16. Novem­ber um 9.00 am Landgericht fort­ge­set­zt wer­den.

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