24. Dezember 2007 · Quelle: Inforiot

Der kurze Sommer der National-„Demokratie“

Noch vor knapp drei Monat­en brüstete sich der Spree­walder Ver­band der
„Jun­gen Nation­aldemokrat­en“ (JN, Jugen­dor­gan­i­sa­tion der NPD) in
diversen Foren und auf der Seite des Bun­desvor­standes der JN mit
ein­er „gut besucht­en Inter­essen­ten­ver­anstal­tung“, bei der nach
eige­nen Angaben der Ein­tritt von 16 neuen „nation­aldenk­enden
Kam­eradin­nen und Kam­er­aden“ verze­ich­net wer­den kon­nte. Seit einigen
Wochen ist die Inter­net­seite der Spree­walder JN allerd­ings aus dem
Netz genom­men. Die Domain ist nach wie vor auf
NPD-Bun­desvor­standsmit­glied Frank Schw­erdt reg­istri­ert – die
BesucherIn­nen der Web­site bekom­men abder nur eine Fehler­mel­dung zu
sehen. Wie aus inter­nen Stel­lung­nah­men, die Infori­ot vorliegen,
her­vorge­ht, hat der 18-jährige Forster Neon­azi Sebas­t­ian Sei­del, im
JN-Jar­gon „Stützpunk­tleit­er“ genan­nt, alle Funk­tio­nen in der Partei
niedergelegt. Mit Datum vom 1. Dezem­ber sei der „Stützpunkt“
aufgelöst wor­den und alle Mit­glieder aus­ge­treten. Alt gewor­den sind
die „Jun­gen Nation­aldemokrat­en“ in Süd­bran­den­burg damit nicht,
schließlich hat­te sich der „Stützpunkt“ erst im Früh­jahr 2007
gegrün­det. Die Jugen­dor­gan­i­sa­tion der NPD ver­liert mit ihr die
einzige offizielle Depen­dance in Brandenburg. 

Die Wahl von zwei Vertretern der „freien Kam­er­ad­schaften“ (Nor­man
Bor­din und Michael Schäfer) in den Bun­desvor­stand der JN im Oktober
scheint eine gewisse Rolle bei der nun erfol­gten Selb­stau­flö­sung der
Spree­walder JN gespielt zu haben. Die Spreewälder JN hat­te sich in
ihren Stel­lung­nah­men teil­weise betont von den Freien Kameradschaften
dis­tanziert. Die aufgelöste Gruppe wandte sich nicht zulet­zt gegen
die Offen­heit gegenüber Jugend- und Sub­kul­turen, wie sie NPD, JN und
„freie Kam­er­ad­schaften“ an den Tag leg­en. Das sei „mul­ti­kul­ti“ und in
ihrer Lesart nation­al­sozial­istsch­er The­o­rie nicht akzept­abel. Selbst
das Verkleben von Aufk­le­bern lehn­ten Teile der Gruppe aus dem
Bran­den­burg­er Süden ab, weil dies die Öffentlichkeit „verun­stalte“.
Schon ein­mal ist die JN in Bran­den­burg an einem ähn­lichen Punkt
zer­brochen: 2004 ver­ließ der gesamte Lan­desver­band um seinen
dama­li­gen Chef Jens Pak­lep­pa die Organ­i­sa­tion um (zusam­men mit weiten
Teilen des NPD-Lan­desver­ban­des eine neue Organ­i­sa­tion zu gründen).
Die dann gegrün­dete „Bewe­gung Neue Ord­nung“ (BNO) ist inzwischen
Geschichte. Auch sie zeich­nete eine Beto­nung völkisch­er Ele­mente in
Abgren­zung zu pop­kul­tureller Jugend­kul­tur aus. 

Nach Auflö­sung der JN Spree­wald sind die „Jun­gen Nationaldemokraten“
nur noch mit zwei Mini-Ablegern im Land präsent. Die im Herbst
gegrün­dete Oranien­burg­er Orts­gruppe, die bish­er vor allem durch die
Fes­t­nahme zweier Mit­glieder bei einem Fack­el­marsch auffiel, fällt mit ihren
drei Mit­gliedern eben­so wenig ins Gewicht, wie die ebenso
per­son­alschwache JN Oderberg. 

Es bleibt abzuwarten, ob durch den JN-Absturz die Aufwärtsbewegung
bei der Bran­den­burg­er NPD in Stock­en gerät – und ob und wie die
Spreewälder ex-JN-Aktiv­en weit­er poli­tisch aktiv bleiben.

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