24. Dezember 2007 · Quelle: TAZ

Ich bin eben ein Frauenheld”

Seit er von Neon­azis attack­iert wurde, ist Noël Mar­tin gelähmt. Im Juli hat­te er ster­ben wollen — doch war noch nicht bere­it. Nun wurde er Opa.

BIRMINGHAM taz Eine wilde Jagd. Die Pferde galop­pieren über den Rasen, oben hän­gen bunt gek­lei­dete Jock­eys, het­zen fast gle­ichzeit­ig über eine Hecke. Weit­er, weit­er. Noël Mar­tin star­rt auf den Bild­schirm. “Nach Wei­h­nacht­en wollen wir mit meinem Pferd auch Sprünge pro­bieren”, sagt er. Die Tiere preschen erneut über eine Hecke. “Ich glaube, das wird ihm gefall­en. Dann kann er auch mal bei einem Hin­dernisren­nen starten. Zigarette.”

Noël Mar­tin thront in seinem schw­eren Roll­stuhl in der Mitte des Wohnz­im­mers. Die Jock­eys fliegen die Bahn ent­lang. Er sitzt fest. Pflegerin Vanes­sa steckt ihm eine Ben­son & Hedges zwis­chen die dun­klen Lip­pen und zün­det sie an. Mar­tin atmet tief ein. Ein nor­maler Sam­sta­gnach­mit­tag im Dezem­ber. Vor dem Fen­ster fällt seit Stun­den Regen. Später will Mar­tin kochen, Hüh­nchen jamaikanisch.

Das Tele­fon klin­gelt. Noël Mar­tin drückt seinen Schädel gegen einen Knopf am Roll­stuhl. “Hal­lo?” Es ist Negus, sein Sohn. Lange hat­te Mar­tin kaum Kon­takt zu ihm, seit einiger Zeit wohnt der 29-Jährige in Birm­ing­ham. “Wir wollen dich nach­her besuchen, damit du das Baby mal siehst”, sagt er. Noël Mar­tin gibt sich betont gelassen. “Wie ihr meint. Kommt vor­bei, wenn ihr Lust habt.” Mit ein­er Kopf­be­we­gung kappt er die Leitung.

Eigentlich wollte Noël Mar­tin längst tot sein. Er hat­te seine Selb­st­tö­tung öffentlich angekündigt. Es schien, als kehre er der Welt den Rück­en. Jet­zt hat er ein Enkelkind. Das neue Leben ist dem Tod zuvorgekom­men.

Sechs Wochen ist das Baby alt, Noël Mar­tin hebt ein wenig die Stimme. “Es ist ein Junge.” Er hat ihn noch nicht gese­hen. Und war doch am Tele­fon so kühl. “Ich will mich nicht auf­drän­gen”, erk­lärt er. Sein Blick wan­dert zurück zum Bild­schirm, immer neue Pferde drehen ihre Run­den.

Seit Noël Mar­tin als Zehn­jähriger mit sein­er Fam­i­lie aus Jamai­ka nach Birm­ing­ham kam, hat­te er einen Traum: Er wollte Ren­npferde besitzen, genau wie sein Groß­vater auf Jamai­ka. Als Bauar­beit­er ver­suchte er, das nötige Geld zu ver­di­enen. Nicht nur in Eng­land, auch in Deutsch­land. In Mahlow, einem Ort südlich von Berlin, restau­ri­erte er im Som­mer 1996 Häuser. Da geschah es.

Noël Mar­tin ste­ht in ein­er Tele­fonzelle am Bahn­hof, als er die Rufe hört. “Nig­ger! Nig­ger!” Seine zwei schwarzen Fre­unde wer­den unruhig. “Wir ignori­eren diese Scheißk­er­le”, sagt Mar­tin. Sie steigen in seinen alten Jaguar und fahren weg. Er bemerkt, dass von hin­ten ein Wagen her­an­rast, sie über­holt. Ein Feld­stein fliegt aus dem fahren­den Auto, durch­bricht Mar­tins Scheibe. Er ver­liert die Kon­trolle über den Jaguar, der prallt gegen einen Baum. Mar­tin spürt noch den Schlag in seinen Füßen. Dann endet die Erin­nerung.

Seit diesem Tag ist Noël Mar­tin quer­schnitts­gelähmt. Er kann nur noch den Kopf, die Schul­tern und ein wenig den recht­en Arm bewe­gen. Früher war er ath­letisch, ein Typ, dem Frauen hin­ter­her­guck­en. Heute hän­gen die Schul­tern, die Brust ist einge­fall­en, unter dem gestreiften Pullover zeich­net sich ein run­der Bauch ab. Die Täter von damals sind nach fünf und acht Jahren Haft längst wieder frei. Noël Mar­tin bleibt gefan­gen. Bis zulet­zt.

Sieben Pflegerin­nen küm­mern sich um ihn. Sie wech­seln sich ab, sodass immer eine oder zwei im Haus sind. Fast alles müssen sie für ihn tun: ihn kratzen, wenn es im Gesicht juckt. Seinen Schweiß abwis­chen. “Nicht mal weinen kann ich alleine. Irgendw­er muss ja die Trä­nen weg­putzen, die bren­nen son­st”, sagt Mar­tin.

Immer­hin, er kon­nte in seinem Haus bleiben. Ein hüb­sches, denkmalgeschütztes Gebäude aus roten Ziegel­steinen mit weißen Fen­stern, in ein­er ruhi­gen Wohnge­gend von Birm­ing­ham. Noël Mar­tin hat es mit sein­er Frau Jacqui vor der Zeit in Deutsch­land gekauft, auf Kred­it. Finanziell ist er inzwis­chen abgesichert: Vom deutschen Staat erhält er jeden Monat eine Rente. Und die Haftpflichtver­sicherung des Autos, mit dem die Täter fuhren, musste an Mar­tin Schaden­er­satz zahlen. 200.000 Euro waren damals im Gespräch. Reicht das Geld für das Haus, die Pflege, das Pferd? “In mein­er Sit­u­a­tion ist es immer zu wenig”, sagt er.

Die oberen Stock­w­erke hat Noël Mar­tin im vik­to­ri­an­is­chen Stil aus­bauen lassen. Er kommt zwar selb­st nicht hin­auf, der Fahrstuhl verkehrt nur zwis­chen Erdgeschoss und Keller. Doch er fühlt sich gut bei dem Gedanken, Herr eines prächti­gen Haus­es zu sein. Im Untergeschoss hat Noël Mar­tin sein Schlaf- und sein Badez­im­mer. Hier ver­bringt er viele schwere Stun­den. Nachts pla­gen ihn Krämpfe und Hus­ten, seine Beine fliegen hoch, er bekommt kaum Luft. Und vor­mit­tags stets dieselbe Proze­dur: Wenn die Pflegerin­nen das Kopfende nach unten fahren, hat er das Gefühl, seine Brust platzt. Er schre­it vor Schmerz. Sie brin­gen ihn ins Bad, sie waschen ihn, sie helfen ihm auf der Toi­lette. Sie pfle­gen auch seine wunde Stelle am Rück­en. Vier Stun­den dauert es, bis Noël Mar­tin ange­zo­gen ist. Brauchen sie länger, wird er ärg­er­lich. “Ich habe dann das Gefühl, ich ver­passe oben was.”

Heute lief der Mor­gen glatt. Noël Mar­tin hat gute Laune. Nach­her kommt ja der Sohn mit dem Kleinen vor­bei. Vanes­sa ist in der Küche. “Babe”, ruft Noël. So nen­nt er alle Pflegerin­nen. Wenn zwei sich um ihn küm­mern, erken­nen sie an der Ton­lage, wer gemeint ist. “Mach den Ven­ti­la­tor an. Dreh ihn zu mir her.” Wer­bung flim­mert über den Bild­schirm, das Ren­nen ist vor­bei.

Den Traum vom eige­nen Pferd hat Mar­tin sich vor fünf Jahren erfüllt. “Früher hätte ich das nicht bezahlen kön­nen. Dieser Sport ist nur etwas für die Elite”, sagt er. Nun mis­cht er ganz oben mit: Sein Hengst Bad­dam hat beim Tra­di­tion­sren­nen Roy­al Ascot im ver­gan­genen Jahr gle­ich zwei Mal gewon­nen. Er, der Schwarze, hat es der englis­chen Upper­class gezeigt. “Im Juni will ich beim Epsom Der­by gewin­nen. Das ist das größte Ren­nen Europas.” Ein Foto an der Wand zeigt Bad­dam in vollem Galopp.

Im Wohnz­im­mer ver­bringt Mar­tin die Nach­mit­tage und Abende. “Hier sitze ich und mache das Beste draus”, sagt er. Den Raum hat er prunk­voll deko­ri­eren lassen: grün gestrich­ene Wände, weiß-gold­en­er Stuck, große chi­ne­sis­che Vasen flankieren den Kamin. Darüber hängt ger­ahmt die Flagge Jamaikas. Vom Wohnz­im­mer geht der Blick hin­aus in den Garten. Ein Busch vor dem Fen­ster ist mit bun­ten Kugeln und Lichtern geschmückt. Hat er das ver­an­lasst? “Natür­lich, wer son­st.”

Wind geht. Hin­ten im Garten erken­nt man einen halb­ho­hen Stein­block. Das Grab sein­er Frau. Jacqui hat­te nach Mar­tins Läh­mung ihren Job an der Börse aufgegeben. Sie hat­te ihn gepflegt und war dann selb­st krank gewor­den. Vor sieben Jahren starb sie an Krebs. “Jacqui ist davonge­flo­gen. Und ich sitze immer noch hier. Wie lange dauert es noch, bis meine Flügel wach­sen?” fragt Noël Mar­tin in sein­er Biogra­phie.

Vor anderthalb Jahren erzählte er Fernse­hjour­nal­is­ten, dass er ster­ben möchte: An seinem 48. Geburt­stag, dem 23. Juli 2007, wolle er mit Hil­fe der Schweiz­er Ster­be­hil­fe-Organ­i­sa­tion Dig­ni­tas sein Leben been­den. Eine begleit­ete Selb­st­tö­tung. Danach stand das Tele­fon nicht mehr still. Reporter reis­ten nach Birm­ing­ham, um ein let­ztes Mal mit ihm zu reden.

Bis jet­zt ist Noël Mar­tin nicht in die Schweiz geflo­gen. Wenn man ihn auf dieses The­ma anspricht, ver­härtet sich seine Miene. Er habe noch Prob­leme mit seinen Anwäl­ten, sagt er. Die seien dabei, eine Stiftung für arme Kinder aus Afri­ka und der Karibik zu grün­den. Auch das Haus soll an diese Stiftung gehen. “Das muss noch geregelt wer­den. Es wäre son­st alles verl
oren, was Jacqui und ich aufge­baut haben.” Man hört, er hat diese Sätze schon oft gesagt.

Ist Noël Mar­tin wirk­lich des Lebens müde? Er hat doch Pläne, so viel Energie und jet­zt auch noch einen Enkel. Seine Stimme wird lauter. “Wenn ich ein­mal etwas entsch­ieden habe, bleibe ich dabei.” Nie werde er sich daran gewöh­nen, gelähmt zu sein. Auch nicht an die Schmerzen. “Die Ster­be­hil­fe ist für mich ein Fluchtweg.”

Dig­ni­tas hat zurzeit Prob­leme in der Schweiz. Nach Protesten von Nach­barn musste die Organ­i­sa­tion ihre Ster­be­woh­nung aufgeben. Das scheint Mar­tin aber nicht son­der­lich zu beun­ruhi­gen. “Dann muss ich eben woan­ders hin­fliegen. In den USA soll es auch einen Staat geben, wo Ster­be­hil­fe erlaubt ist.” Er drückt auf die Hupe seines Roll­stuhls. “Zigarette!”

Draußen wird es dunkel. Er schickt Vanes­sa hin­aus: “Mach die Lichter an.” Ein rot-grünes Blinken läuft über den Strauch vor dem Fen­ster. Daneben erstrahlt ein Ren­tier aus Draht. Es hebt und senkt den Kopf, es nickt. Noël Mar­tin lächelt. “So etwas haben Sie noch nicht gese­hen? Das ist ganz neu, von diesem Jahr.” Das Grab ist bei dieser Beleuch­tung nicht mehr zu erken­nen.

Es klin­gelt. Sind das die Kinder? Noël Mar­tin dreht den Kopf. Nein, ein Fre­und. “Deine Tech­nik ist nicht in Ord­nung?” fragt der. “Ja, die eine Kam­era geht nicht mehr”, antwortet Mar­tin. Der Fre­und ist Elek­trik­er. “Ich schau mal nach.” Er ver­schwindet nach draußen.

Noël Mar­tin hat Angst. “Es wird in der Gegend viel einge­brochen”, sagt er. Neun Überwachungskam­eras hat er deshalb im und am Haus mon­tieren lassen. Ob im Schlafz­im­mer oder im Wohnz­im­mer — auf seinen Fernse­hern kann er immer kon­trol­lieren, was im Gebäude ger­ade passiert.

Den Elek­trik­er ken­nt er noch aus der Zeit vor Mahlow. Viele alte Fre­unde haben inzwis­chen Fam­i­lie, sie kom­men sel­tener. Andere haben sich ganz abgewen­det. Neuen Bekan­nten traut Mar­tin nicht. Wenn sich jemand mit ihm anfre­un­den will, wenn es gar eine Frau ist, fragt er: Was will sie von mir? Will sie mein Geld? “Wis­sen Sie, alle Men­schen sind Ego­is­t­en.”

Nur wenige Pflegerin­nen mag er. Den anderen dro­ht er schon mal: “Glaubt nicht, dass ihr in der Küche über mich reden kön­nt. Ihr wisst nicht, was ich für eine Tech­nik habe. Ich höre alles.”

Nicht heute. Heute ist ein guter Tag. Noël Mar­tin redet und redet. Dabei fix­iert er mit den Augen einen Punkt im Garten. “Ich bin wie ein Kessel, der unter Druck ste­ht. Ich kann den Dampf nir­gends raus­lassen, ich spreche sog­ar im Schlaf.” Eines sein­er Lieblings­the­men ist der Ras­sis­mus. Sein Leben lang hat­te er damit zu tun. Auf Jamai­ka, in Eng­land, in Deutsch­land. Die Wut auf die Neon­azis in Bran­den­burg ist längst ver­flo­gen. Er sagt: “Die haben doch keine Ahnung. Die sind doch nur nei­disch, weil wir die län­geren Schwänze haben.”

Wir, das sind Schwarze und Jamaikan­er. Manch­mal meint Mar­tin damit auch alle Men­schen. Denn eigentlich ist er ja der Überzeu­gung, dass es keine Unter­schiede gibt. “Das näch­ste Mal, wenn ich nach Deutsch­land komme, will ich ein Video vor­führen. Da wird bewiesen, dass Schwarze und Weiße diesel­ben Vor­fahren haben.” Und wenn er schon mal dort ist, würde er gerne auch im Fernsehstu­dio mit Neon­azis disku­tieren. “Sie has­sen mich für meine Haut­farbe, aber leg­en sich in die Sonne, um braun zu wer­den. Das ist doch ver­rückt.”

Zeit zum Kochen. Noël Mar­tin hat seinen Roll­stuhl in der Küche geparkt und gibt Kom­man­dos. “Ein Hüh­nchen­teil nach dem anderen.” “Schalte den Herd etwas hoch.” “Jet­zt dreh das Huhn um.” Vanes­sa hantiert mit dem Topf. Mar­tin kann nicht hinein­se­hen, aber er riecht, ob die untere Seite des Fleis­ches kross ist. “Schalte etwas runter.”

Die Pflegerin­nen lei­hen ihm ihre Kör­p­er. Sie führen die Bewe­gun­gen aus, die er nicht mehr machen kann. Das ist anstren­gend für bei­de Seit­en: Noël Mar­tin will, dass seine Vorstel­lun­gen genau umge­set­zt wer­den. Nur dann kann er das Ergeb­nis als seins betra­cht­en. Wenn etwas nicht klappt, wird er ärg­er­lich. “Jet­zt schütte zweiein­vier­tel Tassen Wass­er auf das Fleisch. Das ist kein Vier­tel. Zeig mir die Tasse. Okay, das ist in Ord­nung. Jet­zt rühr um.” Vanes­sa bleibt gelassen. In Flipflops läuft sie hin und her und macht alles, was Mar­tin sagt. Seit einem Jahr ist sie bei ihm. Zurzeit hat Mar­tin zu wenige Pflegerin­nen, das Job­cen­ter ver­mit­telt ihm keine mehr. “Sie sagen, es sei Diskri­m­inierung, dass ich nur Frauen will. Aber ich bin eben ein Frauen­held. Ich lasse mich nicht von Män­nern anfassen.” Vanes­sa lächelt. Alter Macho. Sie stre­icht ihm fre­undlich über die Schul­ter.

Es klin­gelt. Ein junger Mann mit Base­cap kommt here­in. Negus. Vor­sichtig stellt er eine Babyschale auf den Tisch. Seine Fre­undin zieht ihren Man­tel aus, set­zt sich daneben. Noël pro­biert ger­ade die Soße, Vanes­sa hält ihm einen Löf­fel an den Mund. “Ist noch nicht fer­tig. Schalte noch mal hoch.” Die junge Mut­ter fragt er: “Geht es dir gut?” Sie nickt.

Dann erst schaut Noël Mar­tin in die Trage. Seine Augen ruhen sekun­den­lang auf dem winzi­gen, schlafend­en Geschöpf darin. “Das ist also das kleine Ding”, sagt er. Nicht mehr. Stolz hebt Negus das Kind her­aus. Sie haben es in einen weißen Fel­lanzug gepackt, mit Ohren an der Kapuze. Ein klein­er Eis­bär mit braunem Gesicht, der leise schmatzt. Der Junge heißt Nathaniel. Ein Name mit N, wie Negus, wie Noël. Der Groß­vater nickt.

Nathaniel kam zu früh zur Welt. “Als er geboren wurde, wog er ger­ade soviel wie zwei Päckchen Zuck­er”, erzählt die Mut­ter. Negus schält das Kind aus dem weißen Fell. “Schau mal, Noël, der sieht dir doch total ähn­lich.” Vanes­sa kommt an den Tisch, betra­chtet den Jun­gen: “Ja, natür­lich.” Aber Mar­tin gibt sich rup­pig. “Ach Quatsch. Ich wusste, dass ihr das sagen würdet.” Er dreht den Kopf zum Herd. “Umrühren.” Negus legt den Kleinen zurück in die Schale.

Vanes­sa kocht. Noël Mar­tin und Negus führen Män­nerge­spräche. “Was macht das Pferd?” “Nach Wei­h­nacht­en wollen wir anfan­gen, über Hür­den zu sprin­gen. Umrühren.” “Guckst du dir den Boxkampf heute Nacht an?” “Nein, heute nicht.”

Der Kleine öffnet die Augen. Die Mut­ter hebt ihn her­aus: “Schau mal, das ist dein Opa.” Nathaniel zieht eine Schnute. Noël Mar­tin wirft ihm einen kurzen, scheuen Blick zu. Dann wen­det er sich wieder Negus zu. “Hat er schon ange­fan­gen zu rauchen?” Die anderen lachen. Schweißperlen ste­hen Mar­tin auf der Stirn. Vanes­sa wis­cht sie fort.

Das Essen ist fer­tig. Hüh­nchen, Kohl mit schwarzem Pfef­fer, Reis. Das Fleisch ist außen würzig und innen zart. Köstlich. “Es schmeckt?” Zwis­chen Noël Mar­tins vollen, dun­klen Back­en blitzen weiße Zähne, er strahlt. “Ich bin dabei, ein Kochbuch zu schreiben mit jamaikanis­chen Rezepten. Das näch­ste Mal, wenn ich nach Deutsch­land komme, werde ich es präsen­tieren.”

Das Tele­fon klin­gelt. Eine Fre­undin. “Du, ich kann ger­ade nicht, ich habe viel Besuch.” Man merkt, wie aufgekratzt Noël Mar­tin ist. “Ja, mir gehts nicht schlecht. Ich melde mich mor­gen.”

Am näch­sten Tag wird Noël Mar­tin sagen: “Wenn meine Zeit gekom­men ist, dann werde ich ster­ben.” Doch soweit ist es noch nicht. Noch gilt Noël Mar­tins Kampf dem Leben.

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