13. Juli 2005 · Quelle: MAZ

Der Ruhm der toten Sowjets bröckelt

(jl, MAZ) “Den Toten zum Ruhme!” schrieb Friedrich-Karl Gra­sow 1969 über das Ehren­mal für sow­jetis­che “Arbeitssklaven”, die die Nation­al­sozial­is­ten im Zweit­en Weltkrieg zu Tode geschun­den hat­ten. Von Ruhm ist weit und bre­it nichts mehr zu sehen auf der Wuster­au, wo sich das Ehren­mal für 85 gestor­bene Sow­jet­bürg­er auf der Spitze ein­er Düne erhebt. Das Denkmal bietet ein Bild des Grauens, seit Jahren bröck­elt es vor sich hin. Der trost­lose Zus­tand soll been­det wer­den, sobald die Wuster­au von den Resten der Pul­ver­fab­rik und den Schad­stof­fen befre­it wird, sagt Pro­jek­t­man­ag­er Hans-Joachim Freund. 

Immer wenn sow­jetis­che Zwangsar­beit­er im Arbeit­slager in Kirch­mös­er zwis­chen 1941 und 1945 ver­reck­ten, ver­bud­del­ten die Nazis sie auf der Wuster­au — wahl­los über die Hal­binsel verteilt. Nach Kriegsende wur­den die 72 Män­ner, sieben Frauen und sechs Kinder umge­bet­tet und auf der Anhöhe in einem Mas­sen­grab beige­set­zt. Die Gemeinde Kirch­mös­er errichtete einen Obelisken zum Gedenken an die Opfer. Schulkinder halfen, Mauer­steine zum Bau des Obelisken mit dem Schlit­ten auf die Hal­binsel zu trans­portieren. Eingewei­ht wurde das Ehren­mal im Novem­ber 1949. Vier Steintafeln erin­nern an die Namen der Toten. Doch auch diese Steintafeln sind ver­wit­tert, einzelne sind auf den Boden gebröck­elt. “Vor eini­gen Jahren hat der Bürg­ervere­in Kirch­mös­er die herun­terge­fal­l­enen Stein­plat­ten gebor­gen”, erin­nert sich Orts­bürg­er­meis­ter Mag­nus Hoff­mann. Sie lagern jet­zt im Heimatmuseum. 

Zu DDR-Zeit­en war es gute Übung, ein­mal im Jahr Kränze am Ehren­mal niederzule­gen. Inzwis­chen ist die Gedenkstätte zugewuchert und ver­fällt. Der Bund ist verpflichtet, die sow­jetis­che Kriegs­gräber­stätte zu pfle­gen, berichtet Muse­um­schef Hans-Georg Kohnke. Doch die Gedenkstätte werde erst dann saniert, wenn die Stadt die Alt­las­ten auf der Wuster­au beseit­i­gen lässt. 

Wegen des schlecht­en Zus­tands müsste das Ehren­mal kom­plett abge­tra­gen und wieder neu aufge­baut werden.

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